Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Zeitungskrieg: Von Bettnässern und Inserate-Kassierern

Wolfgang Fellner Oesterreich
Archivbild: Wolfgang Fellner(c) APA (Barbara Gindl)
  • Drucken

"Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner attackiert "journalistische Bettnässer" von "Kurier" und "Kleine Zeitung". Seine Kontrahenten haben ihm Käuflichkeit vorgeworfen.

Es hat etwas von einem Ringkampf ohne Sieger. Der einzige Spieler, der bisher an jeder Runde teilgenommen hat, ist „Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter. Im Frühling legte er sich mit „Heute"-Herausgeberin Eva Dichand und der „Kronen Zeitung" an - und er kämpft seither lautstark gegen Zeitungen, die sich durch Inserate von der Politik kaufen lassen. Die Angegriffenen schießen gerne ebenso lautstark zurück. Mit dem Argument, der „Kurier" sei als Mediaprintpartner der „Krone" und als Raiffeisen-Tochter ebenso von Inseraten abhängig, würde also im Glashaus sitzen und selbst mit Steinen werfen.

Vor rund einer Woche eröffnete Brandstätter die nächste Runde. In einem Online-Video kritisierte er „Österreich": Wenn man das Blatt lese, erfahre man ganz andere Dinge über die Einigung der Staaten beim jüngsten EU-Gipfel als überall sonst. Dort stünde, dass Kanzler Faymann den Gipfel gerettet habe: „Das glauben Sie nicht, ich glaube es auch nicht, auch der Herr Fellner glaubt es nicht, aber er schreibt es. Und ein paar Seiten weiter gibt es dann das tolle Inserat vom Bundeskanzleramt. Und so sehen wir, wie die österreichische Medienlandschaft funktioniert: Vorne Lob für den Kanzler, hinten Geld für die Zeitung. Noch Fragen?"

"Die eigene Branche anpinkeln"

Der angesprochene „Österreich"-Chef Wolfgang Fellner schoss erst am vergangenen Sonntag scharf in seinem Blatt zurück: „In Österreichs Medienszene sind derzeit die journalistischen Bettnässer unterwegs", schrieb er. Wegen des Erfolgs von „Österreich", „Krone" und „Heute" würden die Chefredakteure des „Kurier" und einiger Bundesländer-Zeitungen, etwa die „Kleine Zeitung", die eigene Branche „anpinkeln", obwohl sie selbst beim Kassieren kräftig die Hand aufhalten, so sein Schluss. „Im Gegensatz zu ,Kurier‘ und ,Kleine‘ ist ,Österreich‘ 100-prozentig unabhängig."

Den „Kurier", der rund zur Hälfte Raiffeisen gehört, bezeichnete er im Gegenzug als „ein mit vielen Millionen versteckt subventioniertes VP-Parteiorgan", die „Kleine", die der Styria Media Group gehört, gehöre „in Wahrheit der Kirche", und habe „über Jahre hinweg für ihre ÖVP-nahe Berichterstattung von ÖVP-Ministerien unverschämt viel Inseratengeld kassiert".

Hintergrund der Attacke gegen die „Kleine", die seit kurzem auf Plakaten und stummen Verkäufern mit dem Slogan „Die einzigen, die uns kaufen können, sind die Leser" wirbt, ist ein Bericht, in dem ein anonymer FPÖ-Politiker davon berichtete, Fellner sei bei Parteichef Heinz-Christian Strache wegen Inseraten in Höhe von 60.000 Euro „persönlich auf der Matte gestanden". VÖZ-Präsident Hans Gasser will die Auseinandersetzung nicht als Streit zwischen Chefredakteuren verharmlosen. Im Kern gehe es bei dieser Auseinandersetzung „um etwas ganz Skandalöses, dass es in Deutschland und der Schweiz nicht gibt". Die Käuflichkeit bestimmter Medien durch Inserate müsse in Österreich bekämpft werden.

Brandstätter wollte Fellners Aussagen gegenüber der APA nicht kommentieren: „Auf das Fäkalniveau des Herrn Fellner begebe ich mich nicht. Den Rest prüfen die Anwälte", sagte er am Montag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2011)