Der süddeutsche Hersteller präsentiert der Öffentlichkeit die besten Halbjahreszahlen der Geschichte. Punkten können die Bayern vor allem mit hoher Rentabilität.
Wien/München/Red. Einen Tag nachdem Porsche glänzende Absatzzahlen vermelden konnte, legte BMW in München das beste Halbjahresergebnis der Firmengeschichte vor. Wie bei den Mitbewerbern sind es auch bei BMW die großen und teuren Modelle, die reißenden Absatz finden. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 33,92 Mrd. Euro, verdient hat BMW mit 3,02 Milliarden Euro, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, fast dreimal so viel
14,4 Prozent Umsatzrendite
„Wir sind auf einem guten Weg, auch 2011 der weltweit führende Premiumhersteller zu bleiben“, meinte BMW-Chef Norbert Reithofer. Im ersten Halbjahr setzte BMW 833.366 Fahrzeuge (BMW, Mini und Rolls-Royce) ab, für das Gesamtjahr werden 1,6 Millionen Stück angepeilt. Damit hält man Audi auf Distanz, der die Bayern von der Spitze verjagen will. So plant die VW-Tochter erst für 2014, 1,5 Millionen Pkw zu verkaufen. Unangefochten an der Spitze liegt BMW in punkto Rentabilität. Mit einer Umsatzrendite von 14,4 Prozent (Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Verhältnis zum Erlös) kann sich der süddeutsche Automobilhersteller deutlich vor Audi (11,8 Prozent) und Daimler (10,78 Prozent) einordnen. Nur Porsche ist mit einer Umsatzrendite von 20,5 Prozent noch profitabler.
Analysten sind zwar überwiegend, aber nicht restlos begeistert von BMW. Jeder zweite Aktienexperte rät nach wie vor zum Kauf der Papiere. Hohes Aufwärtspotenzial orten die Experten von JP Morgan, die das Kursziel bei 94 Euro ansetzen. Gegenüber dem aktuellen Kurs ein Plus von immerhin 34 Prozent. UniCredit gibt sich etwas zurückhaltender, dort wird das Kursziel für die nächsten zwölf Monate bei 81 Euro erwartet.
Jeder zehnte Analyst sieht den Zeitpunkt zum Ausstieg gekommen. Es sind vor allem kleinere Häuser, die zum Verkauf raten. Erstens werde BMW die Einführung neuer Modelle (1er-Serie) Geld und Umsatz kosten. Zweitens wird eine Verschlechterung für das konjunkturelle Umfeld erwartet, vor allem wegen der Staatsschuldenkrise in Europa und den USA. Darunter hätten alle Autohersteller zu leiden.
Die BMW-Verkäufer werden das kaum glauben. Sie müssen ihre Kunden mit längeren Lieferzeiten vertrösten. BMW kommt mit dem Abarbeiten der Aufträge nicht nach, die Auslastung der Fabriken liegt laut Reithofer bei „102 Prozent“. Um auch während der Sommerurlaube die Produktion weiterlaufen zu lassen, werden verstärkt Leiharbeiter eingesetzt. Der Konzern versucht, die längeren Wartezeiten auch mit der gewählten „Premium-Strategie“ zu erklären: Premium-Hersteller sollten stets weniger Autos produzieren, als sie verkaufen können, so die Devise der Bayern. So etwas nennt man dann wohl Luxus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2011)