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Fremdwährungskredite: Franken-Schuldner im Dilemma

(c) EPA (FRANK RUMPENHORST)
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Viele Franken-Kreditnehmer warten seit Monaten auf einen besseren Zeitpunkt zum Umwandeln in Euro. Doch kurzzeitig könnte es schlimmer werden. Gestern lag der Euro bei 1,10 Franken.

Wien. Am Dienstag hat der Euro zum Schweizer Franken ein neues Rekordtief bei 1,10 Franken erreicht. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die meisten Analysten sind sich zwar einig, dass die Schweizer Währung überbewertet ist. Solange die Anleger allerdings in Scharen in den Franken flüchten, wird sich der Euro kaum erholen. „Das Abwärtsrisiko für den Euro zum Schweizer Franken ist kurzfristig– trotz des bereits sehr tiefen Niveaus– sehr groß“, schreibt beispielsweise Raiffeisen-Analyst Valentin Hofstätter in seinem jüngsten Währungsausblick.

Für Franken-Schuldner, die seit Monaten auf einen besseren Zeitpunkt zum Umwandeln in einen Eurokredit warten, könnte es also noch dicker kommen. Bei einer kurzen Restlaufzeit zahlt sich das Umwandeln wegen der Gebühren häufig nicht aus und bringt auch nicht mehr viel– man sollte das im Einzelfall von der Bank durchrechnen lassen.

 

Kurs von eins zu eins ist denkbar

Hat der Kredit jedoch noch eine Laufzeit von mehreren Jahren, sollte man jedenfalls eine Umwandlung erwägen, denn die Voraussetzungen für Fremdwährungskredite haben sich geändert. Vor einigen Jahren galten Franken-Kredite als äußerst attraktiv, da sich der Franken zum Euro kaum veränderte (vor 2010 fiel der Euro nie unter 1,40 Franken) und die Zinsen im Franken niedriger waren. Doch seither sind die Märkte volatiler geworden, was Frankenkredite zu einer reinen Spekulation macht.

Das schließt freilich nicht aus, einen günstigeren Zeitpunkt zur Umwandlung oder vorzeitigen Tilgung abzuwarten. Nahezu alle Analysten glauben, dass es mit dem Euro bald wieder bergauf geht. Zwar könnte sich der Franken kurzfristig in Richtung Parität (also einen Kurs von eins zu eins) bewegen, für das laufende Quartal rechnen die Analysten aber mit einem durchschnittlichen Eurokurs von 1,21 Franken, wie aus den Daten von Bloomberg hervorgeht. Danach sollte sich die europäische Gemeinschaftswährung laufend erholen, für das Jahr 2014 rechnen die Experten im Schnitt mit einem Kurs von 1,393 Franken.

Allerdings handelt es sich dabei nur um das „Hauptszenario“, also wenn sich die Schuldenkrise in der Eurozone nicht unerwartet verschärft. Zudem lagen die Experten bereits mit ihrer Prognose für das zweite Quartal (1,285 Franken) deutlich daneben, tatsächlich waren es 1,219 Franken.

„Ein Franken-Kredit setzt zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall genug Risikopuffer voraus, um im Fall einer weiteren Eskalation der Euroschuldenkrise nicht zu einem noch ungünstigeren Zeitpunkt konvertieren zu müssen“, warnt Hofstätter. Ein Kurs von einem Franken zum Euro sei nicht nur als kurzfristige Spitze denkbar, sondern auch längerfristig, wenn die Eurozone ihre Schuldenkrise nicht in den Griff bekomme. Kurz: Das Aussitzen muss man sich leisten können. Auch wenn ein besserer Eurokurs wahrscheinlich ist, muss man den schlimmsten Fall aushalten.

Wer mit dem Umwandeln zögert, weil er nicht den ungünstigsten Zeitpunkt erwischen will, dem rät Gerhard Miksch, Erste-Bank-Experte für Fremdwährungskredite, zum Setzen eines Limits: Sollte der Euro weiter abrutschen und unter eine bestimmte Schwelle fallen, wird automatisch konvertiert. Stoppt der Euro überraschend seinen Abwärtstrend, bleibt man im Franken-Kredit und kann auf einen besseren Zeitpunkt warten. Auch eine Begrenzung nach oben ist möglich: Sollte der Euro vorübergehend auf 1,25 oder 1,3 Franken steigen, wird dann dieser Kurs zum Konvertieren genützt.

 

Teilweise vorzeitig tilgen

Alternativ kann man auch einen Teil der Kredite vorzeitig tilgen. Um das nicht zum schlechtest möglichen Zeitpunkt zu tun, sollte man ebenfalls Limits setzen oder vorerst nur einen Teil zurückzahlen. Wer keine Mittel dafür hat, sollte den Tilgungsträger (Geldanlage, in die laufend einbezahlt und mit der am Ende der Laufzeit die Schulden beglichen werden) ruhend stellen und die laufenden Raten zur Rückzahlung verwenden. Das sei normalerweise besser, als den Tilgungsträger sofort zur Schuldentilgung zu verwenden, meint Miksch. Letzteres sollte man nur dann tun, wenn der Tilgungsträger extrem schlecht läuft oder man sich die Raten nicht mehr leisten kann.

Ist der Fälligkeitstermin schon nahe, sollte man mit der Bank über eine Laufzeitverlängerung verhandeln. Finanzierungsexperte Johann Massenbauer rät jenen Leuten, die knapp bei Kasse sind, lieber ein Bauspardarlehen aufzunehmen, statt den Tilgungsträger vorzeitig zur Rückzahlung zu verwenden. Dabei erhält man bis zu 180.000 Euro pro Person, maximal aber 80 Prozent des Werts der Immobilie. Vorteil ist, dass diese Darlehen einen Zinsdeckel bei sechs Prozent haben.

Was Sie beachten sollten bei... Franken-Krediten

Tipp 1

Limits setzen. Wer bezüglich der Währungsentwicklung unsicher ist, kann mit Limits arbeiten: Fällt der Euro etwa weiter auf 1,05 oder 1,00 Franken, wird konvertiert. Erholt er sich, wartet man auf einen besseren Zeitpunkt. Auch nach oben sind Limits möglich: Erreicht der Euro zwischenzeitlich eine bestimmte Stärke, wird konvertiert.

Tipp 2

Tilgungsträger ruhend stellen. Bei Fremdwährungskrediten zahlt man die Raten meist laufend in einen „Tilgungsträger“ (eine Geldanlage) ein. Damit soll schließlich der endfällige Kredit zurückbezahlt werden. Derzeit ist es meist besser, den Tilgungsträger ruhend zu stellen und die laufenden Raten zur Schuldentilgung zu verwenden.

Tipp 3

Vorzeitig tilgen. Erholt sich der Euro kurzzeitig, sollte man einen Teil des Kredits vorzeitig tilgen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Eurokurs von 1,317 Franken im Jahr 2012 und 1,372 Franken im Jahr 2015. Für heuer lagen sie mit ihren Prognosen aber weit daneben. Pessimisten sehen den Euro im zweiten Quartal 2012 bei 1,092 Franken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2011)