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Lotto: Einer gewinnt alles

(c) APA (BARBARA GINDL)
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Zumindest vier Offerte aus dem Ausland werden für die österreichische Lotto-Lizenz erwartet. Für die Konzession, die bis 2027 läuft, müssen einmal 100.000 Euro gezahlt werden.

Wien.  Der Einsatz ist nicht sehr hoch – umso größer aber die Gewinnchancen. 10.000 Euro haben jene Unternehmen auf den Tisch legen müssen, die bis Montagmitternacht eine verbindliche Bewerbung um die Lotto-Lizenz abgegeben haben. Für die Konzession, die bis 2027 läuft, müssen einmal 100.000 Euro gezahlt werden. Im Gegenzug winken Milliarden: Denn die Lizenz umfasst neben den klassischen Lottospielen wie „6 aus 45“, Rubbellos, Brieflos und Toto auch die boomenden Onlinespiele und Video-Lotterie-Terminals (VLT). Damit haben die Österreichischen Lotterien im Vorjahr mit 1,5Mrd. Euro schon mehr als die Hälfte ihres Gesamtumsatzes von 2, 64 Mrd. Euro eingespielt.

Für die Lotterien und auch deren Mutter Casinos Austria (Casag) heißt es jetzt „alles oder nichts“. Denn die Lotterien fetten den infolge des schwächelnden Casinogeschäfts mickrigen Konzernertrag kräftig auf. Im Vorjahr lieferten die Lotterien 23,8 Mio. Euro ab. Der zweite Gewinner ist der Staat: Er kassierte 398,4 Mio. Euro an Steuern, wobei 389,2 Mio. Euro auf spielabhängige Abgaben entfielen.

Bisher wurde die Lotto-Lizenz – wie auch die Lizenzen für die zwölf Spielbanken, die die Casag hat – „freihändig“ ohne Ausschreibung vergeben. Ein richtungsweisendes EuGH-Urteil hat dieser Praxis einen Riegel vorgeschoben. Alle Glücksspiellizenzen werden europaweit ausgeschrieben, auch ausländische Bewerber sind zugelassen. So wurde es auch im neuen Glücksspielgesetz verankert.

 

Finanzprokuratur zur Kontrolle

Das Finanzministerium wird heute, Mittwoch, die Zahl der Bewerber bekannt geben. Die Namen will man mit dem Hinweis auf die Amtsverschwiegenheit nicht nennen. Ein Expertenbeirat wird dann die Auswahl vornehmen. Der ganze Prozess wird von der Finanzprokuratur überwacht.

Dass es erstmals für die Lotterien Konkurrenz geben dürfte, lässt sich allein an einem Indiz festmachen. In dem seit Anfang Juni laufenden Bewerbungsprozess gab es auch eine Fragerunde. Es seien rund 200Fragen gestellt worden, verlautet aus dem Finanzministerium auf „Presse“-Anfrage.

Vier ausländische Anwärter werden in der Branche kolportiert:

•Die britische Camelot Group, die die National Lottery betreibt. Beteiligt an Camelot sind unter anderem Cadbury Schweppes und die Royal Mail. Im Geschäftsjahr 2010/2011 kam Camelot auf einen Umsatz von 5,8 Mrd. Pfund (6,6 Mrd. Euro).

•Die staatliche französische Lottogesellschaft Française des Jeux ist mit einem Umsatz von rund neun Mrd. Euro die fünftgrößte Veranstalterin von Lotterien weltweit. FdJ betreibt auch sämtliche Sportwetten in Frankreich, mit Ausnahme der Pferderennen.
•Die an der Mailänder Börse notierte italienische Lottomatica ist mit einem Umsatz von rund zwei Mrd. Euro annähernd so groß wie die Lotterien. Allerdings ist die Lottomatica in 50Ländern vertreten, während die Lotterien bisher nur in der russischen Republik Baschkortostan tätig sind.

•Die griechische Intralot ist ebenfalls global tätig. Sie expandierte jüngst nach Tschechien, wo sie mit der Fortuna-Gruppe eine Kooperation eingegangen ist. Die an der Athener Börse notierte Intralot entwickelt vor allem Lotteriesysteme. Ihr Umsatz betrug im Vorjahr 1,1 Mrd. Euro.

Nicht im Spiel ist hingegen die Novomatic. Der österreichische Automatenproduzent und Casinobetreiber hat letztlich abgewinkt. Für die Novomatic seien nur Onlinespiele und Video-Lotterie-Terminals interessant, ließ Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt wissen.

Weil die Lizenz nicht zwischen klassischem Lotto auf der einen sowie Onlinespielen und VLTs auf der anderen Seite geteilt wurde, wie es von vielen Seiten gefordert wurde, geben sich die Lotterien zuversichtlich, neuerlich das Rennen machen zu können. „ Wir haben über die Jahre eine große Kompetenz aufgebaut, allein unser Vertriebsnetz umfasst 3800 Annahmestellen“, lautet eines der Argumente von Österreichische-Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler. Ein neuer Anbieter müsste diesen teuren Apparat erst völlig neu aufbauen. Von einem „maßgeschneiderten Heimspiel“ will Stickler dennoch nicht sprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2011)