Wien: Kaffeehäuser wollen früher aufsperren

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Wenn Diskotheken länger offen haben, sollen auch Kaffeehäuser früher aufsperren dürfen, meinen die Cafetiers. Das sieht die Stadt allerdings anders: „Das sind völlig unterschiedliche Dinge.“

Wien. Es sei zwar kein Megathema– schon gar nicht für sein Café Landtmann. Dennoch ärgert Berndt Querfeld, dass zwar Diskotheken und sogenannte „Clubbinglounge“-Lokale bald offiziell länger offen haben dürfen (bis sechs statt bis vier Uhr), die Wiener Kaffeehäuser allerdings nicht schon früher aufsperren dürfen (um vier statt um sechs Uhr). „Wenn man links die Öffnungszeiten ändert, müsste man das auch rechts tun“, sagt Querfeld, der in seiner Funktion als Obmann der Fachgruppe der Wiener Kaffeesieder 2800 Kaffeehäuser vertritt.

Der Cafetier, der sich selbst als ÖVP-lastig bezeichnet, kann sich dabei eine Spitze gegen die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) nicht verkneifen. Es gäbe zwar Gesprächsbereitschaft vonseiten der Magistratsabteilung Gewerbewesen, MA 63. Diese zeigt auch durchaus Verständnis für das Anliegen der Kaffeehäuser – „allein der Gerechtigkeit wegen. Sie wurden aber von Stadträtin Frauenberger zurückgepfiffen.“

Clublounge bis sechs Uhr früh

Ganz durch ist allerdings die neue Sperrstundenregelungen auch bei den Diskotheken noch nicht. Derzeit haben die Bezirke noch die Möglichkeit, dagegen Einspruch zu erheben. Laut Querfeld dürften das einige Bezirksvorsteher tun. „Und da geht es gar nicht um die Frau Stenzel (Ursula, Bezirksvorsteherin 1. Bezirk; Anm.), viele Bezirke sind damit nicht glücklich.“

Ob das allerdings viel bewirkt, ist fraglich. „Derzeit ist die Verordnung in Begutachtung. Die Stellungnahmen werden geprüft, sie sind aber nicht bindend“, heißt es aus dem Büro von Stadträtin Frauenberger. Stellungnahmen gab es demnach nicht nur von Bezirken, sondern auch von der Gewerkschaft. Ende August sollten die Diskotheken dann grünes Licht für längere Öffnungszeiten erhalten. Allerdings wurde mit der Regelung auch ein neuer Lokaltyp geschaffen („Clubbinglounge“), den die interessierten Lokale beantragen müssen. Daran sind auch gewisse Auflagen, etwa Lärmschutzauflagen, gekoppelt. Dass einige Lokale schon jetzt bis sechs Uhr früh offen haben, liegt an Sondergenehmigungen der Polizei.

Bei dem Anliegen der Wiener Kaffeehäuser ist die Stadt Wien etwas zögerlicher. Die Gespräche werden derzeit vorbereitet, Ende Sommer sollen sie starten. Die MA 63 dürfte neben den Bezirken auch Sozialpartner und Vertreter der Wirtschaftskammer dazu einladen. Sie wolle zwar nichts vorwegnehmen, möchte aber darauf hinweisen, dass es mit 2800 wesentlich mehr Kaffeehäuser als Diskotheken gibt und Erstere ohnehin auch die Möglichkeit einer Sondergenehmigung haben, sagt Gabriele Philipp, Sprecherin von Stadträtin Frauenberger. Das, was sich Querfeld wünscht – eine Änderung für Cafés, wenn es eine neue Regelung für Discos gibt –, ist für Philipp kein Thema: „Das sind völlig unterschiedliche Dinge.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2011)

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