Mini: Von Hampton nach Monte Carlo

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Bei Mini ist mittlerweile alles möglich: drei Türen, vier Türen, Diesel, Allrad, Automatik, made in Austria - you name it. Wir erkundigten uns, ob sich all das noch wie Mini anfühlt.

„Made in Austria“, lässt unser Mini hinterher Fahrende wissen. Der Countryman ist bekanntlich ein Steirerman – er wird bei Magna in Graz gefertigt –, und das Wissen um österreichische Wertarbeit mag ihm hierzulande einen leichten patriotischen Rückenwind verleihen. Bei unserem Exemplar ist es aber eindeutig zu viel der Statements: Rallyestreifen auf Motorhaube, Dach und Flanken, der Union Jack auf allen drei Spiegelkappen (jawohl, auch innen), und dann noch der Herkunftsnachweis. Wir haben ihn schließlich mit einem Tape ausgeblendet.

Die Türen sind bei Mini organisch gewachsen: Coupé und Cabrio haben zwei, der Clubman hat drei, der Countryman vier. Ein kommender Van könnte Schiebetüren haben. Auch wenn der Countryman im Vergleich zum Ur-Mini grotesk riesig wirkt, so relativiert sich seine Größe schnell unter heutigen Formaten: Er ist fast dreißig Zentimeter kürzer als ein Golf. Dass er dennoch ausgesprochen erwachsen auf der Straße steht, liegt am geschickten, in die Breite wirkenden Design und an klassischen SUV-Insignien: in den großen Radhäusern laufen schon ab Werk stattliche 17-Zoll-Räder.

Ob man davon alle vier angetrieben haben will, kann man sich aussuchen, jedenfalls bei den stärkeren Motorisierungen.

Diesel, Mini-like

Unter diesen gibt es eine neue: einen Diesel mit 2,0-Liter-Hubraum und 143 PS, der ebenso wie der stärkste Benziner ein S im Namen führen darf. Nichts läge näher, als diesen Motor mit einer Automatik zu kombinieren. Man hat das Äußerste getan, um das Zusammenspiel von Motor und Getriebe Mini-like wirken zu lassen. So hängt der Motor bei niedrigen Drehzahlen richtig angriffig am Gas, und auch das Hochdrehen ist für diesen Diesel keine Plage. Dass er akustisch nicht hinterm Berg hält, verleiht dem Countryman eine zum Namen passende rustikale Note. Die hält sich auch an der Ampel, denn ein Start-Stopp-System spielt es bei der Automatik nicht. So rasend urban, wie sich Mini gern gibt, ist man mit dem Diesel nicht unterwegs. Mit dem Cooper S, dem 184 PS starken Turbobenziner, liegt der Cooper SD preislich etwa gleichauf. Wie weit man die Verbrauchsvorteile ausschöpft, liegt stark an der Fahrweise. Flott gefahren, liegt man sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn, wo sich viel Luftwiderstand an den großen Rädern und dem vergleichsweise hohen Aufbau sammelt, schnell bei über acht Litern auf 100 Kilometer. Auf der Landstraße gelangt man mühelos unter sieben Liter.

Ein Spezialist für die Langstrecke ist der Countryman eher nicht, trotz der auffallend guten Sitze. Das Abrollgeräusch der großen Räder in den nicht üppig gedämmten Radhäusern ist ständig präsent.

Und die Lenkung, die im hitzigen Kurvengewühl so viel Spaß machen kann, gibt sich bei Autobahntempo einen Tick zu nervös. Tatsächlich ist das Fahrwerk des Mini von erstaunlicher Direktheit, auf diesem Gebiet vermag kein anderes Kompakt-SUV mitzuhalten. Wenn man kurz einmal Timo Mäkkinen im Mini auf der Rallye Monte Carlo 1965 spielen will, so findet man im Countryman ein passendes Vehikel. Bei ausgeschaltetem ESP lockt sogar der Griff zur Handbremse, allerdings haben die Designer das gute Stück arg verbastelt. Der Hebel ist wie ein Schubregler ausgeführt, was nicht sehr funktional ist, und dann kann man sich auch noch die Finger an der darunter verlaufenden Alu-Leiste wunderbar einzwicken. An Hobbyrallyefahrer hat Mini also nicht wirklich gedacht.

Die sportlichen Qualitäten sind aber vorhanden, und sie schreien, konsequent ausgelegt, nach einem drehfreudigen, kräftigen Benzinmotor, wie ihn Mini im Programm hat, und nach möglichst geringer Besetzung an Bord. Ob man im Fond zwei Einzelsitze oder eine Bank für drei haben möchte, kann man sich übrigens ohne Preisunterschied aussuchen.

Der wunderbare Spleen der dritten, asymmetrischen Türe im Clubman erfrischt immer wieder aufs Neue. Naturgemäß fühlt sich der 143 PS starke Diesel so bodennah noch kräftiger an als im Countryman, und er verbraucht hier auch weniger. Der urbane Charakter und auch die Preise weisen dennoch zu einem der Benziner.

Auf einen Blick

Mini Cooper SD Countryman All4: vier Türen, Allradantrieb. L/B/H: 4110/1789/1561 mm. Radstand: 2595 mm. Ladevolumen: 350–1170 l.

Motor: Vierzylinder-CR-Turbodiesel, 1995 cm. 105 kW (143 PS), 305 Nm. Testverbrauch: 8,0 l/100 km.

Preis: ab 32.219 Euro (Automatik).

Mini Cooper SD Clubman: drei Türen, 143 PS, ab 27.390 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2011)

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