"Nachfrage übersteigt Angebot"

(c) AP (Guenter Standl)
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Salzburg: High-End-Immobilien sind gefragter denn je. Interessiert zeigen sich Einheimische, EU-Bürger im Allgemeinen, besonders aber die deutschen Nachbarn.

Wer im Internet ein bisschen googelt, wird schnell fündig: Ein Penthouse in Bestlage, eine Landhausvilla mit Seeblick, ein großzügiges Anwesen mit Gebirgskulisse – der High-End-Markt bei Immobilien in Salzburg und Umgebung scheint gut bestückt. Doch der erste Eindruck täuscht: „Es gibt einen klaren Nachfrageüberhang. Objekte, die neu auf den Markt kommen, sind meistens genauso schnell wieder verkauft“, sagt Roman Dollberger, Immobilienmakler und Geschäftsführer der auf Luxusobjekte spezialisierten Internetplattform MasterHomes-exclusive (MH).

Preissteigerungen

Das hat Auswirkungen auf die Preise. Dollberger spricht von Steigerungen um die 20 Prozent in den letzten Jahren, bei begehrten Objekten sogar von deutlich mehr. Er berichtet von einer Penthouse-Wohnung, die vor drei Jahren um knapp eine Million über den Tisch ging: „Das war damals hart an der Schmerzgrenze, heute würde man allerdings für die gleiche Wohnung bereits das Doppelte erzielen.“

Als Preistreiber fungierte zuletzt die Finanzkrise, die viele Anleger Zuflucht in sichere Werte nehmen ließ. Daneben verfügt Salzburg aber auch über ein ausgezeichnetes Image, das nicht zuletzt durch zahlreiche Kulturevents gefestigt wurde. „Die Salzburger Festspiele, die ja aktuell wieder laufen, sind Jahr für Jahr ein Anziehungspunkt für eine betuchte und prominente Klientel. Gleichzeitig sorgen sie für eine breite mediale Aufmerksamkeit. Da verwundert es nicht, dass der eine oder andere überlegt, ob man hier nicht auch sesshaft werden könnte“, erklärt die Salzburger Maklerin Renate Langeder. Gut würde sich in diesem Zusammenhang etwa jene Penthouse-Wohnung machen, die auf der MH-Homepage um rund 1,5 Millionen angeboten wird und von deren uneinsehbarer Dachterrasse sich der Festpieltrubel direkt vor Ort beobachten ließe. „Solche Wohnungen sind immer gefragt, weshalb man in diesem Bereich mit Preisen von 5000 bis 7000 Euro pro Quadratmeter rechnen muss“, betont Langeder.

Für die „wirklich Superreichen“ seien solche Objekte allerdings kaum interessant, meint Alexander Kurz, Geschäftsführer der gleichnamigen Salzburger Luxusimmobilienkanzlei. „Diese Klientel bevorzugt eher große Anwesen in Grünlage, die nicht allzu weit von der Stadt entfernt sind und Möglichkeiten baulicher Adaptierungen bieten.“

Als Anziehungskräfte wirkten die Schönheit der Stadt, die Natur des Salzkammerguts mit seinen Seen und Bergen im Allgemeinen oder die kurzen Anfahrtswege zu attraktiven Skigebieten wie Goldegg, Altaussee oder Kitzbühel. Bei der gut betuchten Klientel handle es sich in der Regel um EU-Bürger, wobei die Region vor allem bei Deutschen hohe Wertschätzung genießt, berichtet Kurz. „Das hat mit der gleichen Sprache zu tun und der Nähe zu Deutschland.“ Daneben spielten aber auch steuerliche Gründe eine Rolle: „Mit einem permanenten Hauptwohnsitz in Österreich lässt sich das eigene Vermögen wesentlich steuerschonender verwalten als in der deutschen Heimat.“ Daher würden die Liegenschaften weniger als Finanzanlage erworben, sondern vielmehr als ständige Wohnsitze. Von Animositäten zwischen Einheimischen und „Zuzüglern“, wie in Kitzbühel, weiß Kurz nichts, im Gegenteil: „Ich bekomme oft regelrechte Lobeshymnen zu hören, wie freundlich sich der Kontakt mit der Bevölkerung hier gestaltet.“

Promenadenlage

Bei Langeder gehen die Anfragen hingegen „quer durch den Gemüsegarten“ – vom exklusiven Penthouse über die revitalisierte Ciconi-Villa bis hin zum Luxusneubau. Zu finden seien solche Objekte vornehmlich in altehrwürdigen Salzburger Lagen wie der Kreuzbergpromenade, an der Kleßheimer Allee, am Untersberg, entlang der Salzach oder generell in Stadtteilen wie Leopoldskron oder Gneis. „Vorausgesetzt wird dabei natürlich, dass Ausstattung, Räumlichkeiten, Platz und geschützte Freiräume den gehobenen Ansprüchen entsprechen“, so die Expertin.

Schnelle Entscheidungen

Das gilt auch für die nähere und weitere Umgebung der Stadt selbst, wobei „Seelagen bevorzugt beziehungsweise der freie Blick in die Umgebung als wesentliche Bedingungen angesehen werden“, ergänzt Dollberger. Eines der spektakulärsten Objekte, die er derzeit im Angebot hat, ist ein Schloss in der Nähe von Neumarkt am Wallersee mit 40.000 Quadratmeter Grund- und 2000 Quadratmeter Wohnfläche samt Schlosskapelle, Wirtschaftsgebäude und Räumen mit historischen Stuckdecken. Das Ganze ist zu haben für rund acht Millionen Euro. Dass solche Objekte nicht von heute auf morgen weggehen, gehört zu den Erfahrungen der Makler, denn „bei Preisen jenseits der Million schauen die Kunden in der Regel schon genauer hin“, berichtet Dollberger. Ansonst seien die reichen Kunden aber relativ unkompliziert. „Meist suchen sie ganz gezielt und wissen auch genau, was sie wollen, sodass eine Entscheidung oft sehr schnell fällt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2011)


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