Öffnet Juno Jupiters Gürtel?

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Raumfahrt: Eine Nasa-Sonde, die am Freitag auf eine fünfjährige Reise ging, soll den Gasriesen erkunden und die Geschichte des Sonnensystems klären.

Reichlich verworren waren die Verhältnisse im römischen Götterhimmel, Jupiter etwa hatte seine eigene Schwester zur Frau. Die allerdings brachte Klarheit in alles: Sie konnte durch die Wolken sehen, und sie entblößte das Intimste. Zu ihren vielen Göttinnenpflichten gehörte der Schutz der Ehe, sie persönlich sorgte für einen guten Beginn, als Juno Domiduca geleitete sie die Braut in ihr neues Heim, und als Juno Cinxia war sie die, die „den Gürtel der Braut öffnet“.

Und nun soll sie Jupiter selbst in allen Details erkunden: Der ist der größte Planet des Sonnensystems, er ist auch der schwerste, hat 2,5 Mal so viel Masse wie alle anderen Planeten zusammen und stabilisiert damit nicht nur den Asteroidengürtel, sondern fängt auch vazierende Himmelskörper ab: Ohne ihn würde die Erde alle 100.000 Jahre von einem Asteroiden getroffen, das Leben täte sich schwer. Und noch einen Superlativ hat er zu bieten: Er ist vermutlich der älteste Planet des Sonnensystems: „Wir sind hinter dem Rezept des Planeten-Machens her“, erklärt Scott Bolton (Southwest Research Institute, San Antonie), „und wenn man die Liste der Zutaten will, ist Jupiter der richtige Ort“.

Zutaten zum Planeten-Machen

Zwar kennt man seine Zusammensetzung im Groben bzw. im äußeren Bereich: Vom Volumen her sind 89 Prozent Wasserstoff und zehn Prozent Helium, ein wenig Methan und Ammoniak sind auch noch dabei. Aber wie er in der Tiefe aussieht – vermutlich ist dort der Wasserstoff unter einem Druck von 300 Millionen Erdatmosphären in eine metallische Form übergegangen –, und ob es auch Wasser gibt in der Atmosphäre, das soll ab 4.Juli 2016 die Nasa-Sonde Juno klären, die gestern auf die weite Reise ging: Der Jupiter ist 700 Millionen Kilometer weit von der Erde weg, aber Juno muss weiter reisen, sie holt sich durch Umrundung anderer Planeten Schwung.

Dass sie just an einem 4.Juli eintreffen wird – dem Unabhängigkeitstag der USA –, erklärt die Nasa für einen der Himmelsmechanik geschuldeten Zufall, aber sie hat auch an die übliche PR gedacht: Juno hat auch eine Gedenktafel für Galileo Galilei bei sich, der den Jupiter als Erster durch ein Teleskop betrachtete; und drei Spielzeugfiguren sind auch an Bord: nochmal Galilei, Juno und Jupiter, Blitze schleudernd.

Die werden der Sonde nicht so gefährlich wie die starke Strahlung, der die Bordelektronik nicht lange standhalten wird, obwohl sie extrem gut abgeschirmt ist. Ein Jahr lang soll Juno ihre Kreise um den Planeten ziehen, 33 Mal von Pol zu Pol und bis auf 5000 Kilometer an die obersten Wolken heran, so soll die gesamte „Oberfläche“ abgetastet werden – sie steht deshalb in Anführungszeichen, weil der Jupiter ein Gasplanet ist, der keine Oberfläche hat –, aus geringer Entfernung. Am Ende wird Juno in Jupiter hineinstürzen bzw. zum Absturz gebracht werden, vor allem deshalb, weil noch etwas an Bord ist: Bakterien von der Erde. Sie sollen nicht durch ein steuerloses Raumfahrzeug zufällig auf einen der Jupitermonde gelangen und ihn kontaminieren.

Mikrowellen zeigen Wasser

Aber vor dem Ende ist einiges zu tun. Die letzte Jupiter-Mission – Galileo, 2003 – fand erstaunlicherweise kaum Wasser in der Atmosphäre, man erklärte es damit, dass „Galileo“ zufällig in einen heißen, trockenen Punkt geraten war. Deshalb will man nun flächendeckend messen, Bolton – er ist der wissenschaftliche Leiter der Juno-Mission – hatte die Idee unter der Dusche, ein wahres Heureka: Der Jupiter strahlt unter anderem Mikrowellen, und Wasser absorbiert die, man kann also aus den Messungen rückschließen, wie viel Wasser in den Wolken hängt. Zudem sollen Gravitationsmessungen zeigen, ob der Planet einen Kern hat, das wieder wird Rückschlüsse auf die Planetenbildung erlauben.

„In Jupiter steckt die Geschichte des Sonnensystems“, schließt Bolton: „Wenn man die ersten Schritte verstehen will – wie es von der Bildung der Sonne zu der der Planeten kam –, muss man verstehen, wie Jupiter gebildet wurde und was in ihn hinein ging.“ Juno ist mit 1,1 Milliarden Dollar eine der letzten teuren Missionen, aber die Nasa zündet dieses Jahr noch andere: Im September geht eine Mission zum Mond, ebenfalls im Herbst geht der nächste Mars-Rover auf die Reise. „An so viele Starts kann ich mich nicht erinnern“, erklärt Bolton – er ist altgedient –, „es ist eine aufregende Zeit.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2011)

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