Let's make money: Asyl in Norwegen

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Warum man derzeit Aktien meiden und auf der Flucht vor Euro und Dollar für sein Geld auch Asyl in Norwegen überlegen sollte. Die klassischen Fluchtinseln Gold und Schweizer Franken sind schon ordentlich überrannt.

Vor exakt drei Wochen, in der letzten Ausgabe von „Let's make money“, war an dieser Stelle zu lesen, dass man als Aktienanleger jetzt sehr vorsichtig sein sollte. Angesichts der eskalierenden Schuldenkrise, der Bonitätsrückstufung der USA und der düster werdenden Konjunkturaussichten ist es nämlich sehr leicht möglich, dass man an den Märkten demnächst einen ordentlichen „Knall“ hören könnte. Das, was sich vergangene Woche an den Börsen abgespielt hat, war ein kleiner Vorgeschmack darauf. Es war noch nicht der große Crash, aber ein kleiner Hinweis darauf, wie aggressiv es an den Märkten nach unten gehen kann, wenn Anleger die Geduld verlieren.

An der Parole „Hände weg von Aktien“ hat sich in der Zwischenzeit also nichts geändert. Wer trotzdem vom Börsenabsturz am vergangenen Donnerstag kalt erwischt worden ist, der hat daraus hoffentlich für das nächste Mal gelernt: Indizes zumindest mithilfe einfacher technischer Indikatoren beobachten (siehe unten stehende Geschichte) und konsequent die Reißleine ziehen, wenn die Alarm schlagen. Vor allem aber, was hier immer wieder gepredigt wird, Aktienengagements mit Stop-Loss-Limits nach unten absichern. Diese praktisch von allen Profis verwendeten Verlustbegrenzungsinstrumente haben zwar den Ruf, Kursabschwünge dramatisch zu verstärken, weil sie ganze Verkaufswellen auslösen. Das sollte den Kleinanleger aber nicht stören, wenn er damit sein Portefeuille vor größeren Abstürzen sichert.

Wie geht es an den Märkten nun weiter? Schwer zu sagen, aber eines scheint sicher: Der Boden ist noch nicht gefunden. Es wird zwar immer wieder kurzfristige Gegenbewegungen auf überzogene Kursstürze geben. Der Trend zeigt aber eindeutig nach unten.

Das hat zwei Gründe: Die Schuldenkrise in Europa spitzt sich zu und könnte dramatische Ausmaße annehmen, wenn Italien wirklich zum Rettungskandidaten wird. Und die weltweite Konjunktur verschlechtert sich dramatisch.

Der moderate Abwärtstrend an den Börsen hat sich ja Ende Juli dramatisch beschleunigt, als die USA ihr BIP-Wachstum deutlich nach unten korrigieren mussten. Nach den vorliegenden Daten spazieren die USA am Rande der Rezession (wenn sie nicht schon drinstecken) – und die auf Rezessionsmodus geschalteten Börsen sind gerade dabei, diese Entwicklung vorwegzunehmen. Wir können uns also auf eine mehrmonatige Schwächeperiode einstellen.

In dieser Phase sollten wirklich nur Könner, die in der Lage sind, kurzfristige Gegenbewegungen „auszureiten“, zu Aktien greifen. Wo liegen jetzt die Alternativen zu Aktien? Einfach ist es jetzt nicht, sein Geld halbwegs in Sicherheit zu bringen. Die klassischen Fluchtinseln Gold und Schweizer Franken sind nämlich schon ordentlich überrannt. Aber noch nicht wegen Überfüllung geschlossen.

Es steht angesichts der europäischen und amerikanischen Schuldenturbulenzen außer Frage, dass der Goldpreis noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt ist. Wer jetzt noch einsteigt, sollte allerdings den Preis im Auge behalten. Denn der ist derzeit wirklich nur durch die Angst vor dem großen Knall gerechtfertigt. Und könnte im (unwahrscheinlichen) Fall, dass sich die diversen Malaisen in relatives Wohlgefallen auflösen, sehr schnell wieder sinken.

Dasselbe gilt für den Schweizer Franken. Der ist gegenüber dem Euro zwar schon auf einen für die Schweiz sehr unangenehmen Wert gestiegen, hat aber seinen Plafond noch nicht erreicht. Die Schweizer Währung wird es locker bis zur Parität mit dem Euro schaffen, wahrscheinlich auch noch ein Stück weiter. Die Schweizer Nationalbank stemmt sich zwar jetzt mit Gewalt gegen einen weiteren Franken-Anstieg, hat aber gegen den Druck der anstürmenden Euro- und Dollarflüchter keine Chance.

Wer daran noch verdienen will, tut das am besten mit Zertifikaten oder Call-Optionen auf den Franken (beziehungsweise, was bei uns entschieden leichter geht, Put-Optionen auf den Euro). Allerdings: Risikoscheu darf man bei dieser Wette gegen die Schweizer Nationalbank nicht sein.

Eine Alternative gibt es auch im hohen Norden: Norwegische Staatsanleihen sind auch bei uns leicht handelbar – und relativ sicher: Das Land ist weder hoch verschuldet noch Euromitglied, hat Erdöl und steht auch sonst blendend da. Das prädestiniert es geradezu als Fluchtort – auch wenn der Wikingerstaat derzeit außerhalb des Radars heimischer Anleger liegt.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2011)

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