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Migranten von Schulstrukturen benachteiligt

Migranten Schulstrukturen benachteiligt
Symbolbild(c) AP (Alexandre Meneghini)
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Die Bildungsforscherin Mechthild Gomolla fordert "Inklusion" auf allen schulischen Ebenen. Sie sieht den Ursprung von Vorurteilen strukturell verankert.

Wien/Apa. Ein Kind mit Migrationshintergrund, das nicht perfekt Deutsch spricht, verliert im Unterricht den Anschluss und stört seine Klassenkollegen: Das ist nur eines der Vorurteile, wegen derer Migrantenkinder an Schulen bei Beurteilungen diskriminiert werden, sagt Mechtild Gomolla, Bildungsforscherin an der Uni Hamburg. Sie sieht den Ursprung dieser Vorurteile dabei nicht in den Köpfen einzelner Menschen, sondern strukturell verankert.

Ob in Kindergärten, Schulen oder in der Berufsbildung: „Institutionelle Diskriminierung ist in erster Linie in Strukturen und in gesellschaftlichen Organisationen angelegt“, sagt Gomolla im Interview mit der Austria Presse Agentur. So fällen Lehrer und Direktoren bei der Einschulung, beim Schulübertritt oder der Überweisung an Sonderschulen „permanent Negativentscheidungen, die am Sprachstand der Kinder oder manchmal am kulturellen Hintergrund, dem Wohnumfeld und der religiösen Orientierung“ festgemacht würden.

 

Wer ist ein „Problemfall“?

Rahmenbedingungen – etwa fehlende Mittel für die Sprachförderung – spielen eine große Rolle dabei, „ob Kinder als Problemfälle wahrgenommen werden oder nicht“, so Gomolla. Mit Sprachdefiziten werden oft andere Probleme assoziiert, „mangelnde Schulfähigkeit“ werde dann als legitimes Argument für eine Rückstellung genannt. „Forschung und Politik tendieren dazu, Ursachen im Elternhaus zu suchen, „aber es wäre wichtig, hier ganz systematisch in den Blick zu nehmen, welchen Beitrag die Schule am Abbau von Bildungsungleichheit leisten kann“. Dabei setze man heute verstärkt auf Inklusion.

Das heißt: Statt (sprachlicher) Zusatzangebote zum Unterricht brauche es umfassendere Strategien, die „diskriminierungs- und rassismuskritische Bildung“ mit Initiativen verbinden, die Unterschiede beim Bildungserfolg aufgrund von Migrationshintergrund abbauen. „Schon in der Lehrerausbildung und der Fortbildung muss das verankert werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2011)