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Bauschäden: Wasser droht aus allen Richtungen

Wasser droht allen Richtungen
Wasserschaden(c) Clemens Fabry
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Wasser ist der häufigste Grund für Schäden an Bauwerken. Bereits kleine Undichtheiten können langfristig teure Folgen haben.

Nicht immer kommt Gutes von oben: Als vor rund zwei Jahren in einem Wohnhaus das Schieberventil des Dach-Swimmingpools brach, überfluteten zehntausende Liter Wasser die darunterliegenden Wohnungen. Die Folgen waren fatal: 28 Appartements wurden durch das unerwünschte Nass teilweise schwer in Mitleidenschaft gezogen: „Der Gesamtschaden belief sich auf rund 300.000 Euro“, erzählt Peter Wallner vom SV Büro für Bauschadenermittlung und Immobilienbewertung, der mit Schadensfeststellung und Sanierung beauftragt war. Rund sechs Monate dauerte es, bis die letzten Mieter wieder ihre Wohnungen beziehen konnten.

Solche spektakulären Wasserschäden sind zwar die Ausnahme, aber das nasse Element steht als Schadensverursacher bei Bauwerken in puncto Häufigkeit an der Spitze. Das weiß Michael Palak, Leiter der Bauschadensforschung im Forschungsinstitut für Chemie und Technik. Er hat im Auftrag der Baubranche in ganz Österreich die Ursachen von Bauschäden ermittelt. Das Ergebnis: „Rund 50 Prozent aller vermeidbaren Schäden bei Hochbauten sind auf Wassereinbruch zurückzuführen.“

 

Keller und Dach gleich betroffen

Diese Wasserschäden verteilen sich zu gleichen Teilen auf den Keller- und auf den Dachbereich. Wesentlichste Ursache sind in beiden Fällen mangelhafte Dichtsysteme, erzählt Palak: „Beim Aufbringen von Abdichtungen werden oft Fehler gemacht, die später zu Wasserschäden führen“. Die nachträgliche Sanierung erfordert vor allem im Kellerbereich einigen Aufwand, da rund ums Haus aufgegraben und neu abgedichtet werden muss. Als Alternative gibt es Flächeninjektionen mit Dichtmasse oder Zement, „aber dabei ist es oft schwierig, die undichte Stelle zu treffen, da diese nicht immer direkt hinter dem Wasserschaden im Inneren liegt“, weiß Palak. Einfacher zu reparieren sind undichte Fugen bei Dichtbetonwänden, so der Bauexperte: „Hier kann mit Harzen und speziellen Dichtbändern ohne große Probleme saniert werden.“

Dass Probleme mit eintretendem Grundwasser nicht einfach zu lösen sind, weiß auch Gerhard Bednarsky, Geschäftsführer und Miteigentümer der Wiener Baufirma Prath: „Technisch besonders schwer in den Griff zu bekommen ist die Abdichtung im Bereich zwischen Kellerwand und -boden.“ Lässt sich bautechnisch keine Lösung finden, könnte daran gedacht werden, so Bednarsky, mit Pumpen rund um das Gebäude den Grundwasserspiegel abzusenken.

Oft sind nicht Bau-, sondern Planungsfehler Ursache für Grundwasser im Keller. Bednarsky empfiehlt, sich vor dem Hausbau bei Gemeinde, Bauabteilung, aber auch bei Nachbarn über das Niveau des Grundwasserspiegels zu informieren und bei hohem oder stark schwankendem Grundwasserspiegel den Keller aus wasserdichtem Beton zu bauen. Das kostet zwar um rund 20 bis 30 Prozent mehr, Wasserschäden werden aber – bei richtiger Ausführung – ausgeschlossen.

 

Mehr Regen als Norm vorsieht

„Auch bei Dächern und den Regenrohren können Planungsfehler später zu Wasserschäden führen“, erzählt Wallner. Sein Rat an die Planer: „Wir hatten in den letzten Jahren sintflutartigen Regenfälle, die in den Normen für diese Bauteile nicht berücksichtigt sind. Um jedes Risiko zu vermeiden, sollte deshalb bei der Planung eine saubere technische Lösung den Vorrang gegenüber spektakulären architektonischen Details haben.“

Selbst innerhalb eines Gebäudes können kleine Ausführungs- und Planungsfehler langfristig zu großen Schäden führen. In Altbauten etwa ist eine gar nicht so seltene Ursache für morsche Trambalken eine mangelhafte Abdichtung bei nachträglich eingebauten Nassräumen.

 

Fugen bleiben nicht ewig dicht

„Wenn etwa die Verfugung zwischen Badewanne und Wand nicht dicht ist, dringt laufend Wasser ein, das kann langfristig zu Schäden führen“, weiß Bednarsky. Der Experte weist darauf hin, dass solche Fugen nie dauerhaft dicht bleiben und deshalb regelmäßig gewartet gehören, um Wasserschäden zu vermeiden.

Neben der Behebung der Schadensursache sollte auf die fachgerechte Austrocknung des Mauerwerks geachtet werden: „Schimmelbildung und damit ein Gesundheitsrisiko kann eine Folge von feuchten Mauern sein“, so Wallner. Und fügt warnend hinzu: „Im Außenbereich des Bauwerks kann Wasser gefrieren und dann massive Schäden verursachen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2011)