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Telekom Austria: Scheingeschäfte um neun Mio. Euro

Telekom Austria: Scheingeschäfte um neun Mio. Euro
Telekom Austria: Scheingeschäfte um neun Mio. Euro(c) APA (Barbara Gindl)
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Der Bericht zu Geldflüssen an den PR-Profi Hochegger bestätigt, dass die Telekom Austria ihm und einigen Managern als Gelddruckmaschine diente.

Wien. Mehr als ein Jahr lang wurden in der Telekom Austria (TA) 3,5 Millionen Datensätze und über eine Million Dokumente gesammelt und akribisch durchkämmt. Jetzt liegt das brisante Ergebnis der Task Force, die aus Experten der konzerninternen Revision, der Wirtschaftskanzlei Fellner Wratzfeld sowie des Wirtschaftsprüfers Deloitte besteht, in einem 400 Seiten starken Bericht vor. Der Verdacht, dass der PR-Profi Peter Hochegger in der Zusammenarbeit mit der TA von 2004 bis 2008 gut neun Millionen für Scheingeschäfte kassiert haben könnte, hat sich massiv erhärtet. Die Telekom dürfte nicht nur ihm, sondern mutmaßlich auch seinen „Auftraggebern“ als Gelddruckmaschine gedient haben.

„Wir haben für 16 Aufträge im Gesamtwert von neun Mio. Euro, die die ehemaligen Telekom-Manager Rudolf Fischer und Gernot Schieszler an Hocheggers Firma Valora erteilt haben, keine entsprechenden Beweise einer Leistungserbringung gefunden“, bestätigt TA-Chef Hannes Ametsreiter im Gespräch mit der „Presse“. Die neun Mio. Euro sind genau der Streitwert, mit dem sich die TA als Privatbeteiligte schon beim Auftauchen der ersten Verdachtsmomente vor einem Jahr dem Verfahren der Staatsanwaltschaft Wien angeschlossen hat.

Fischer war zu dieser Zeit Festnetzchef, Schieszler zuerst Controller und dann Finanzvorstand im Festnetzbereich. Gegen beide und gegen Hochegger ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Geldflüssen wegen des Verdachts der Untreue. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Finanzminister in dieser Zeit und Eigentümervertreter der teilstaatlichen Telekom Austria war Karl-Heinz Grasser. Gegen ihn und Hochegger, aber auch den Lobbyisten Walter Meischberger und andere, wird auch in der Buwog-Affäre ermittelt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Was machte Mensdorff-Pouilly?

Die ursprünglich kolportierte Honorarsumme von 25 Mio. Euro an Hochegger kann Ametsreiter nicht bestätigen. Für Geldflüsse ohne Gegenleistung in dieser Höhe habe man keine Beweise gefunden. Denn bei der klassischen PR-Arbeit, die über die Firma „Hochegger.com“ erbracht wurde, sei alles korrekt gelaufen und abgerechnet worden, sagt Ametsreiter.

Dennoch sind die neun Mio. Euro nicht alles. Die Task-Force unter Leitung von Christopher Schneck hat nämlich auch Unterlagen für dubiose Geschäfte mit anderen Geschäftspartnern gefunden:

• Auch der Waffenlobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly hat für die TA gearbeitet. Er wurde über seine ungarische Firma MTA mit der Beratung und Analyse für Zukäufe von Unternehmen im Festnetzbereich beauftragt. Offiziell, zumindest. Der Auftrag sei von Schieszler erteilt worden und hatte ein Volumen von 1,1 Mio. Euro, bestätigt Ametsreiter. Auch dafür habe die Task Force aber keine entsprechende Leistungsnachweise gefunden. Mensdorff-Pouilly soll auch Jagdausflüge für diverse Firmen organisiert haben.

• Abseits der Geschäfte mit Hochegger und Mensdorff-Pouilly dürfte es auch in anderen Bereichen zu fragwürdigen Auftragsvergaben durch Telekom-Mitarbeiter gekommen sein. Dem Vernehmen nach könnte es sich dabei um den Immobilien-Bereich handeln. Die TA hat diesbezüglich am vergangenen Freitag eine Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft eingebracht.

Am Montag wird der Konzern den Untersuchungsbericht der Task Force der Staatsanwaltschaft übergeben. „Wir haben das Maximum getan, um die schockierenden Vorkommnisse aufzuklären, die dem Ruf des Konzerns sehr schaden“, sagt Ametsreiter.

Hundertprozentig schützen könne man sich vor solchen Vorkommnissen natürlich nicht. Aber man könne die Wachsamkeit erhöhen. „Wir haben die Compliance-Bestimmungen sofort verschärft und auch in der Geschäftsordnung strengere Richtlinien verankert.“ Jeder, der sich fehlverhalten habe, werde zur Verantwortung gezogen. Jetzt sei die Justiz am Zug.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2011)