Börsen-Talfahrt: ATX stürzt um sechs Prozent ab

Die Börsen weiten ihre Verluste am Nachmittag deutlich aus
Die Börsen weiten ihre Verluste am Nachmittag deutlich aus(c) dapd (Thomas Lohnes)
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Die internationalen Leitbörsen haben einheitlich deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. Thema Nummer eins war die Kreditwürdigkeit der USA.

Die Schuldenkrise in Europa und den USA hat rund um den Globus die Börsen auf Talfahrt geschickt. Die Wiener Börse hat einen erneut turbulenten Handelstag sehr tief in der Verlustzone beendet. Der ATX sackte um 138,37 Punkte oder 6,11 Prozent auf 2.127,98 Einheiten ab und befindet sich somit schon in einer neun Tage andauernden Verlustserie. Marktbeherrschendes Thema war die Abstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Gegenüber Ultimo 2010 liegt der ATX per heute mit über 26 Prozent im Minus. 

Der DAX in Frankfurt rutschte um über fünf Prozent ab und notierte so unter der psychologisch wichtigen Marke von 6000 Punkten. Der deutsche Leitindex sackte um 5,02 Prozent auf 5.923,27 Punkte ab. Auch ein schwacher Handelsauftakt an der Wall Street setzte den DAX dann  noch deutlich unter Druck.

US-Aktienmärkte brechen ein

Die Kursverluste an der Wall Street haben sich am Montag massiv ausgeweitet. Alle drei großen Indizes gaben im Verlauf drei Prozent oder mehr nach, der Technologie-Index Nasdaq verlor zwischenzeitlich sogar über vier Prozent. Damit setzte sich die internationale Verkaufswelle fort, die in der Früh in Asien begonnen hatte und zu Mittag über Europa schwappte.

Die New Yorker Aktienbörse rutschte am Montag im Verlauf noch tiefer in die Verlustzone. Der Dow Jones rasselte gegen 20.25 Uhr (MESZ) um 4,72 Prozent oder massive 539,85 Punkte auf 10.904,76 Zähler nach unten und rutschte damit deutlich unter die psychologisch wichtige 11.000-Punkte-Marke. Die Aktien der Bank of America verlieren zeitweise über 17 Prozent, nachdem der Versicherer AIG das Unternehmen auf zehn Milliarden Dollar Schadenersatz wegen "massiven Betrugs" verklagt hatte. Der S&P-500 Index rutschte um 3,79 Prozent  ab. Der Nasdaq Composite Index sackte um minus 3,92 Prozent ab.
Die New Yorker Börse NYSE hatte vorsorglich in Erwartung größerer Kurseinbrüche einen Boden eingezogen und eine Regel aktiviert, mit der massive Ausschläge bei der Preisfindung zum Handelsauftakt abgefedert wurden.

Auch Euro-Stoxx-50 deutlich im Minus

Europas wichtigster Leitindex, der Euro-Stoxx-50, sackte bis zum Börseschluß um 17.30 Uhr um 3,72 Prozent ab. In einer europaweiten Branchenbetrachtung ragten Auto- und Rohstoffwerte als deutlichste Tagesverlierer hervor. Nur zwei Titel, darunter die UniCredit, schafften es ins Plus.

Die Pariser Börse schloss auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009. In Moskau verzeichnete der RTS-Index des Computerhandels ein Minus von 7,84 Prozent. In Japan schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte mit einem Minus von 2,18 Prozent bei 9097,56 Punkten. In Sydney erreichte der ASX200-Index den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Auch Nordeuropas Börsen reihten sich am Montag in den allgemeinen Börsentrend ein. Am schlimmsten erwischte es die Osloer Börse, die mit minus 5,65 Prozent in diesem Jahr den bisher stärksten Absturz an einem Tag erlebte. Erheblich waren die Verluste auch an den Börsen in Stockholm (-4,82 Prozent) und in Helsinki (-4,20 Prozent). Im benachbarten Baltikum fielen die Aktienkurse insgesamt noch stärker. Vergleichsweise glimpflich verlief der Börsenmontag an der dritten großen Nasdaq-OMX-Börse im Norden, in Kopenhagen. Dort fielen die Kurse um 3,15 Prozent. Die griechische Börse fiel unter 1000 Punkte und weist den niedrigsten Wert seit 14 Jahren auf. Anschließend wurden an der Athener Börse Leerverkäufe vorübergehend verboten. Ab Dienstag dürften für zwei Monate lang keine derartigen Geschäfte getätigt werden, kündigte die Börsenaufsicht des krisengeschüttelten Eurolandes am Montag an.

Der Goldpreis erreichte hingegen ein neues Rekordhoch. Die Sorge vor einer Eskalation der Schuldenkrise trieb den Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31 Gramm) am Montagvormittag auf 1715,01 Dollar. Der Goldpreis ist damit seit Beginn des Jahres um etwa 20 Prozent angestiegen.

G-7-Zusage wirkte nur kurzfristig

Die Beruhigung durch die Zusage der sieben führenden Industrieländer (G-7), alles nötige für eine Stabilisierung der Märkte zu tun, war nur kurzfristig. Dabei schlossen sie auch gemeinsame Interventionen am Devisenmarkt nicht aus. "Die G-7 haben gewissermaßen eine Grenze gezogen, um eine Ausbreitung der Schuldenkrise einzudämmen", sagte Analyst Christian Cooper von Jefferies & Co.

Auch der signalisierte Ankauf spanischer und italienischer Staatspapiere durch die Europäische Zentralbank (EZB) konnte die erneute Ausverkaufswelle nicht stoppen. Analysten zufolge sollte die Maßnahme nach den Turbulenzen der vergangenen Woche etwas Ruhe an die Börsen bringen.

>>> Die aktuellen Börsenkurse

Abstufung der US-Bonität schürt Nervosität

Die Herabstufung der US-Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor's schürte die Nervosität am Markt. Mit der Abstufung wankt ein Eckpfeiler des weltweiten Finanzsystems. Der Schritt war zwar erwartet worden, kommt aber nach einer Woche mit den schwersten Verlusten an den Weltbörsen seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008.

In den nächsten zwei bis drei Tagen sei mit einem volatilen Handel zu rechnen, bis der Markt die Nachricht verarbeitet habe, sagen Händler.

US-Finanzminister bleibt im Amt

Unterdessen wurde bekannt, dass US-Finanzminister  Timothy Geithner trotz Schuldenkrise und schwacher Wirtschaftsentwicklung weiter im Amt bleiben will. Das teilte er nach Angaben einer Ministeriumssprecherin vom Sonntag Präsident Barack Obama mit. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass Geithner sich zurückziehen könnte. Obama habe Geithner gebeten zu bleiben, "und er begrüßt seine Entscheidung", zitierte die Wirtschaftsagentur Bloomberg den Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Geithner hatte selbst vor Wochen angedeutet, dass er sich nach der Erhöhung der Schuldengrenze zurückziehen könnte.

>>> Pressestimmen: "Die Welt ist krank"

(Ag.)

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