Börse: Vermögende waren zu optimistisch

(c) REUTERS (ANTHONY BOLANTE)
  • Drucken

Die drei größten Investments von Staranleger Warren Buffett verloren vergangene Woche 1,6 Mrd. Dollar an Wert. Das Portfolio von Carlos Slim schrumpfte um acht Mrd. Dollar.

New York/Mexico City/Bloomberg/B.l. Mit derartigen Rückschlägen an den Börsen, wie es sie in der vergangenen Woche gegeben hat, hatten auch die legendären Starinvestoren nicht gerechnet: Noch im zweiten Quartal hatte die Investmentfirma des 80-jährigen Warren Buffett, Berkshire Hathaway, Aktien im Wert von 3,62 Mrd. Dollar (2,51 Mrd. Euro) zugekauft. Zuletzt hatte Buffett im dritten Quartal 2008 noch mehr Geld in Aktien investiert, nämlich 3,94 Mrd. Dollar. Erstmals seit 2009 überschritten seine Aktienkäufe wieder jene von Wertpapieren mit fester Laufzeit.

Ende Juni betrug der Wert des Aktienportfolios von Berkshire Hathaway 67,6 Mrd. Dollar. Inzwischen dürfte es deutlich weniger sein: Der US-Index S&P 500 verlor seither mehr als zehn Prozent. Allein die drei größten Buffett-Investments schrumpften zumindest auf dem Papier um 1,6 Mrd. Dollar.

Telekom-Tycoon Slim verlor

Von Montag bis Donnerstag der Vorwoche (am Donnerstag legte Buffett der Börsenaufsicht seine Aktienkäufe im zweiten Quartal offen) verringerte sich das Vermögen von Berkshire Hathaway um 4,3 Prozent. Die Aktie kostet derzeit 105.500 Dollar. Sie ist eine der teuersten Aktien der Welt.

Im gleichen Zeitraum verminderte sich der Wert des Portfolios von Carlos Slim um etwa acht Mrd. Dollar. Slim war im März von der Zeitschrift „Forbes“ vor Bill Gates und Warren Buffett zum reichsten Mann der Welt ernannt worden. Der mexikanische Telekom-Tycoon hält ein Vermögen von etwa 63 Mrd. Dollar. Bei der Börsentalfahrt in der vergangenen Woche erwischte es ihn gleich doppelt: Zum einen sank der mexikanische Leitindex IPC in den vier Tagen um 7,4 Prozent, zum anderen büßte der mexikanische Peso zum US-Dollar um 2,5 Prozent an Wert ein. Die Ursache für die Abschwächung des Peso war die Erwartung, dass wegen der Schwäche der US-Wirtschaft die Nachfrage des größten Nachbarlandes nach mexikanischen Gütern nachlassen könnte.

Carlos Slim war infolge der Privatisierung der Telekomfirma TelMex in den Neunzigerjahren reich geworden, für die er und sein Konsortium den Zuschlag erhalten hatten. Das Unternehmen vervielfachte seinen Wert an der Börse. Danach kaufte sich die Gruppe um Slim auch in den USA ein und erwarb etwa Anteile an Philip Morris oder Apple.

Buffett hält nicht ganz ein Drittel an Berkshire Hathaway, einem der größten US-Unternehmen. Über die Holding kauft er seit vier Jahrzehnten Firmenbeteiligungen, darunter am Autoversicherer Geico Corp. oder an Coca-Cola. Als es im Zuge der Kreditkrise 2008 für Unternehmen schwieriger wurde, Finanzierungen zu erhalten, sprang Buffett in die Bresche und verlieh mehr als zehn Mrd. Dollar an die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs, den Mischkonzern General Electric und die Swiss Reinsurance. Im Vorjahr kaufte er um 26,5 Mrd. Dollar die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe in den USA.

Buffett: „Keine neue Rezession“

Das zweite Quartal war für Berkshire äußerst erfolgreich: Der Gewinn stieg um 74 Prozent im Jahresvergleich auf 3,42 Mrd. Dollar, die Barbestände zogen um 16 Prozent im Laufe des Quartals auf 47,9 Mrd. Dollar an. Auf den jüngsten Kursrutsch angesprochen sagte Buffett zur Agentur Bloomberg, dass er nicht an einen Rückfall in die Rezession glaube. Das Vertrauen sei durch solche Marktverwerfungen allerdings zu erschüttern und könnte sich zu einem Vertrauensverlust ausweiten, schränkte er ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Die Erholungsphase an den europäischen Börsen setzt sich fort
International

Europas Börsen setzen Erholungsbewegung fort

Die gegen Ende letzter Woche eingesetzte Erholungsbewegung hielt auch zu Wochenbeginn an. Nach den jüngsten Kursturbulenzen setzt eine Phase der Stabilisierung ein.
Wirtschaftskommentare

Ein Hoch den Shortsellern!

Vier Euroländer untersagen Leerverkäufe. Politischer Aktionismus, der nur schadet.
Symbolbild Zypern
International

Zweifel an Sparprogramm: Zypern droht Herabstufung

Die Ratingagentur S&P prüft eine weitere Herabstufung. Banken Wegen der starken Verflechtung mit Griechenland sei der Bankensektor krisenanfällig.
Robert Vella, Peter Tuchman
International

Börsen: Vier Euro-Länder verbieten Leerverkäufe

Frankreich, Italien, Spanien und Belgien haben vorläufig ein Verbot von Leerverkäufen für bestimmte Titel erlassen. Man wolle verhindern, dass Spekulanten aus "falschen Gerüchten" Profit schlagen, so die europäische Finanzmarktaufsicht.
Alles, was Sie über Leerverkäufe wissen sollten
Geld & Finanzen

Leerverkäufe: Funktion, Zweck und Risiko

Einige Länder versuchen, diese riskanten Börsengeschäfte einzudämmen. Alles, was Sie über Leerverkäufe wissen müssen, lesen Sie hier.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.