Spanien verbietet Proteste gegen Papstbesuch

Papst protest madrid
Proteste in Madrid mit Angriffen auf den Papst(c) REUTERS (Paul Hanna)

140 Gruppen wollten gegen die "Geldverschwendung" durch den Besuch des Papstes nächste Woche in Madrid protestieren. Drohende Streiks und Proteste überschatten die Papstvisite.

Der Papstbesuch in Madrid kommende Woche wird von der angespannten wirtschaftlichen Situation in Spanien überschattet. Polizisten haben am Wochenende die zentrale Puerta del Sol geräumt, ein Dutzend jugendlicher Demonstranten wurde verletzt. Zwar haben die Flughafen- und U-Bahn-Bedienstete ihre Streiks abgesagt, aber 140 atheistische, laizistische und christlich-progressive Gruppen für den 17. August zu einer Massendemonstration gegen die kostspielige Teilnahme von Papst Benedikt XVI. am katholischen Weltjugendtag (WJT) aufgerufen. Die Regierung hat die Demo im Zentrum von Madrid am Montag verboten.

1,5 Millionen Gläubige werden vom 16. bis 21. August beim WJT in Madrid erwartet, von 18. bis 21. August wird auch Papst Benedikt XVI. teilnehmen. Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen für den Papst mit rund 10.000 Polizisten steigen die Kosten auf 55 bis 62 Millionen Euro - für die progressiven christlichen Netzwerke, Europa Laica und die Madrider Vereinigung von Atheisten und Freidenkern ein zu hoher Preis angesichts der Wirtschaftskrise. Derzeit leiden viele Spanier unter dem rigiden Sparkurs, den die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero (PSOE) im Kampf gegen die ausufernde Neuverschuldung fahren muss, und einer Arbeitslosenquote von derzeit 21 Prozent.

Der Madrider Erzbischof Antonio Maria Rouco Varela versichert, dass der Weltjugendtag die spanischen Steuerzahler so gut wie nichts kosten wird, da er sich aus den Beiträgen der Teilnehmer und den Spenden privater Sponsoren selbst finanziert.

Angst vor Zusammenstößen

Die spanische Regierung verbot die Anti-Papst-Demonstration vor allem mit Blick auf die drei möglichen Demonstrationsrouten, die nach Meinung der Regierung zu nahe an den Veranstaltungen des Weltjugendtages liegen. Neben möglichen Konflikten zwischen WJT-Teilnehmern und Papst-Gegner respektiere die Regierung zudem die bereits von der Stadt Madrid gefällte Entscheidung, die Anti-Papst-Demonstration zu verbieten.

Die Stadt Madrid ist gerade mit Blick auf die Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2020 darauf bedacht, eine "gutes Image" bei der Durchführung des Weltjugendtags zu vermitteln, der von über 600 Millionen Menschen auf der ganzen Welt live am Fernsehen verfolgt wird, so Maria Dolores Carrion, Leiterin der Regierungsvertretung in Madrid.