Ein Lichtblick namens Deutschlandfunk

Lichtblick namens Deutschlandfunk
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Fakten, Fakten, Fakten – und nie an die Quote denken: So ein Radio loben wir uns!

Es gibt lustigere Dinge, als binnen drei Tagen 2200 Kilometer auf nordwesteuropäischen Autobahnen zurückzulegen. Spätestens, wenn man zu mutmaßen beginnt, warum Geisterfahrer in Deutschland „Falschfahrer“ heißen und wieso in Deutschland und den Niederlanden ein Verkehrsschild mit springendem Reh vor Wildwechsel warnt, in Dänemark selbiges Reh aber zu einem Elch mutiert, sollte man dringend eine Kaffeepause einlegen.

Oder im Autoradio den Deutschlandfunk suchen. Der bietet seit mehr als 40 Jahren auf Funkwellen aller Längen und im Internet als Podcast ein Informationsprogramm, das seinesgleichen sucht. Ich trage etwa seit einiger Zeit ein unbestimmtes Unbehagen mit mir herum, wenn ich den Demonstranten gegen das Stuttgart-21-Bahnhofsprojekt zuhöre. Erst eine Analyse dieses politischen Pallawatsch unter dem Titel „Die Grenzen der Konfliktvermittlung“ von Deutschlandfunk-Chefredakteur Stephan Detjen verlieh diesem Unbehagen sprachliche Gestalt. Das sei jedem empfohlen, der ernsthaft glaubt, im medial hochgejazzten „Wutbürgertum“ läge der Schlüssel zur Lösung unserer Probleme.

Der Deutschlandfunk bietet eine Oase der Sachlichkeit in einer Zeit, in der immer mehr Sender der Formatradio-Seuche zum Opfer fallen, die zum Beispiel vor 15 Jahren Ö3 für jeden Zeitgenossen mit ein bisschen Grütze zwischen den Ohren völlig unhörbar gemacht hat. Ich weiß nicht, ob die Journalisten des Deutschlandfunks dazu angehalten werden, die Zuhörerquote im Auge zu behalten. Ihre klugen, sorgfältig recherchierten und in exzellentem Deutsch gesprochenen Beiträge erwecken nicht den Eindruck, unter Quotendruck entstanden zu sein. Und genau das macht sie zu einem großen Dienst am Hörer.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2011)

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