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Börsen stürzen wieder ab: Bankaktien verlieren massiv

Die Berg- und Talfahrt an den Börsen setzt sich fort
(c) dapd (Thomas Lohnes)
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Nur vorübergehend standen die Zeichen auf Erholung. Nach Gerüchten über eine Herabstufung von Frankreichs Bonität schlossen Europas Börsen tief im Minus. Auch die Wall Street musste die Gewinne vom Vortag wieder abgeben.

Gerüchte über Frankreichs Kreditwürdigkeit und ein Kurssturz französischer Bankaktien haben die europäischen Aktienmärkte auch am Mittwoch in heftige Turbulenzen gestürzt. Der DAX verlor bis zu 6,2 Prozent, der französische CAC40 bis zu 5,5 Prozent. Der Wiener Leitindex ATX schloss 2,18 Prozent im Minus. Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) verlor 4,12 Prozent auf 6791,96 Punkte. Dabei war die Volatilität weiterhin äußerst hoch.

Auch die New Yorker Aktienbörsen rutschten tief in die Verlustzone. Der Dow Jones schloss nahe dem Tagestief bei 10.719 Punkten - ein Minus von 4,6 Prozent.  Es gab keinen einzigen Kursgewinner. Der S&P-500 Index verringerte sich um 51,77 Punkte (minus 4,42 Prozent) auf 1120,76 Zähler. Der Technologieindex Nasdaq Composite Index verlor ebenfalls kräftig, und zwar um 101,47 Einheiten oder 4,09 Prozent auf 2381,05 Zähler.

Händler erklärten die erneuten Kursstürze mit der übertriebenen Aufwärtsbewegung am Dienstag. Gegen den Trend schloss die Börse London jedoch in der Gewinnzone. Der FT-SE-100 Index schloss bei 5210,35 Punkten und einem Plus von 0,88 Prozent.

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Infolge der kräftigen Gewinne an den US-Börsen notierten die europäischen Aktienmärkte am Mittwoch zunächst noch mit höheren Kursen. Im Nachmittagshandel jedoch drehten sie großteils ins Minus.

Die Anleger sind laut Händlern momentan vollkommen verunsichert, jedes Gerücht führe zu enormen Kursschwankungen. Andreas Lipkow, Händler bei MWB Fairtrade, sagte: "Die Märkte sind derzeit extrem nervös. Gerade machen Gerüchte die Runde über eine mögliche Rating-Abstufung von französischen Staatsanleihen. Dies allein hat dazu geführt, dass der Dax-Index etwa 100 Punkte innerhalb weniger Minuten verloren hat." Richtige Zuversicht sei trotz der Fed-Aussagen vom Dienstag, die Nullzinspolitik beizubehalten, noch nicht an die Märkte zurückgekehrt.

Französische Bankaktien tiefrot

"Societe Generale zieht alles herunter, da kann sich niemand entziehen", sagte ein Händler. Die Aktien der französischen Bank rauschten angesichts von Gerüchten über Finanzprobleme zeitweise um mehr als 20 Prozent in die Tiefe. Die extreme Verunsicherung der Anleger sorge dafür, dass sogar "verrückte Gerüchte" einen Crash verursachen könnten, warnten Börsianer.

Die Verkaufslawine machte nicht vor anderen Banken Halt: Die Aktien der Deutschen Bank fielen um bis zu elf Prozent. Die Aktien der Bank of America fielen um bis zu zehn Prozent. In Österreich war die Raiffeisen Bank International der größte Kursverlierer, die Aktien verloren fast sechs Prozent.

Und auch die Papiere der italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit büßten zeitweise über 20 Prozent ein. Händlern zufolge hatten am Morgen Anleger in Italien ihre Gelder aus Bankenwerten in italienische Staatsanleihen umgeschichtet. Seit Wochenbeginn wird am Rentenmarkt davon ausgegangen, dass die Europäische Zentralbank am Markt Papiere Spaniens und Italiens kauft.

Frankreich dementiert Abstufungs-Gerüchte

Die Regierung in Paris dementierte unterdessen, dass eine Herabstufung des AAA-Rating drohen könnte. "Diese Gerüchte sind völlig haltlos und die drei Ratingagenturen Standard & Poor's, Fitch et Moody's haben bestätigt, dass es kein Risiko einer Herabstufung gab", zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP einen Sprecher von Finanzminister Francois Baroin. Frankreich hat derzeit wie Österreich die Rating-Bestnote "AAA".

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