Der südkoreanische Hersteller Samsung darf seinen Tablet-PC nicht in der EU verkaufen. Apple erwirkte vor Gericht eine entsprechende einstweilige Verfügung. Ganz ungefährlich ist die Strategie von Apple nicht.
Wien/Reuters/Jaz. Es ist ein großer Sieg für den kalifornischen Elektronikkonzern Apple: Seit April streiten die Amerikaner mit Samsung, ihrem größten Konkurrenten, über Patentrechte. Apple wirft den Südkoreanern vor, sowohl bei Smartphones als auch bei Tablet-PCs die Apple-Produkte iPhone und iPad zu kopieren. Die Galaxy-Reihe von Samsung ist laut Apple demnach eine „sklavische Kopie“ der beliebten Produkte der Kalifornier. Nun haben sie vor einem deutschen Gericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach Samsung seinen Tablet-PC Galaxy Tab (Version 10.1) nicht in der EU (exklusive den Niederlanden) verkaufen darf.
Samsung will sich wehren
„Der Antrag auf einstweilige Verfügung wurde ohne Benachrichtigung von Samsung eingebracht, und auch die Entscheidung wurde ohne eine Anhörung von Samsung getroffen“, zeigten sich die Südkoreaner am Mittwoch in einer Aussendung erbost. „Wir werden uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen.“ So brachte die deutsche Niederlassung von Samsung bereits eine Berufung gegen den Gerichtsentscheid ein.
Dass die ganze Causa in Deutschland und vor allem vor dem Landesgericht Düsseldorf ausgefochten wird, ist laut Beobachtern keine Überraschung. Denn das Gericht gilt in Fachkreisen als bekannt für seine „Patentinhaber-Freundlichkeit“. Bereits jetzt wird die Hälfte aller europäischen Patentstreitigkeiten in Düsseldorf ausgetragen.
Apple gewinnt durch den Schritt auf jeden Fall wichtige Zeit, um die Südkoreaner in ihrer Aufholjagd auf den Branchenprimus aufzuhalten. Denn das Galaxy Tab gilt als jenes Gerät, das die Vormachtstellung des iPad bei Tablet-PCs brechen könnte. Zur Zeit besteht noch ein ordentlicher Respektabstand. So wurden im ersten Halbjahr von Apple weltweit 14 Mio. iPads verkauft. Samsung dürfte laut Analystenschätzungen im Gesamtjahr auf 7,5 Mio. abgesetzte Galaxy Tabs kommen.
Auch Risken für Apple
Ganz ungefährlich ist die Strategie von Apple, gefährliche Konkurrenten mittels Patentklagen und einstweiliger Verfügungen vom Markt fernzuhalten, jedoch auch nicht. „Sollte Apple schlussendlich nicht Recht behalten, müssen sie Samsung entsprechenden Schadenersatz zahlen“, so der australische Patentanwalt Nathan Mattock. Auch in Australien hat Apple den Verkauf des Galaxy Tab vorerst verhindert.
Ein weiteres Problem ist, dass die beiden Unternehmen eine enge Geschäftsbeziehung miteinander verbindet. So bezieht Apple laut Schätzungen pro Jahr Chips im Ausmaß von fünf Mrd. Dollar von Samsung. Die Amerikaner sind laut Samsung somit der größte Kunde der Koreaner. Beobachter schätzen daher, dass die beiden Konzerne schlussendlich eine außergerichtliche Einigung finden werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2011)