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Der Schweizer Franken kratzt an der Parität

(c) Bilderbox
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Die eidgenössische Notenbank verstärkt indes ihren Kampf gegen den starken Franken. Die Nationalbank werde jetzt wieder Devisenswap-Geschäfte abschließen, heißt es in einer Mitteilung.

Wien/Ag./Weber. Im Kampf gegen den anhaltend starken Franken spielt die Schweizer Nationalbank (SNB) einige ihrer letzten Trümpfe aus. Über Giroguthaben können sich die Geschäftsbanken bei ihr nun in Summe 120 Mrd. Franken ausborgen, gab die Bank am Mittwoch bekannt. Erst in der vergangenen Woche hatte sie die Giroguthaben der Banken von 30 auf 80 Mrd. Franken erhöht. Dies und die gleichzeitig angekündigte Senkung des Leitzinses waren im angespannten Börsenumfeld jedoch schnell verpufft.

Zusätzlich werde die Nationalbank jetzt wieder Devisenswap-Geschäfte abschließen, heißt es in einer Mitteilung. Dabei kauft die SNB bei den Banken Devisen und gibt ihnen dafür Franken. Gleichzeitig wird ein Termin für den Rückkauf vereinbart. Auch so sollen mehr Franken auf den Markt kommen. Das letzte Mal kam dieses Instrument im Herbst 2008 zum Einsatz, als die Welt in die Finanzkrise taumelte.

Auf den Devisenmärkten erreichte die SNB kaum eine Wirkung. Nachdem der Kurs in der Nacht zum Mittwoch bereits nahe der Parität gelegen hatte, verteuerte sich der Euro kurz nach der Ankündigung der SNB von 1,03 auf 1,04 Franken. Im Laufe des Tages fiel er wieder unter 1,03 Franken. Experten erwarten sich von dem Schritt der Nationalbank ohnehin keine große Wirkung: „Eine Trendwende wird die SNB mit solchen Methoden kaum hinbekommen“, sagte Michael Rottmann von der UniCredit im Gespräch mit der „Presse“. Eine Abschwächung des Franken werde es erst geben, wenn die Staatsschuldenproblematik gelöst sei.

Negativzinsen, wie sie von einigen Beobachtern ins Spiel gebracht werden, hält Rottmann erst bei einem Kurs „deutlich unter der Parität“ für realistisch. Mit der zunehmenden Hilflosigkeit der SNB steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank die umstrittenen direkten Devisenkäufe wieder aufnehmen könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2011)