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Ein schönes Sittenbild

Es wird Zeit, dass sich die Justiz die Geschäfte der Telekom genauer anschaut.

Es sieht ein bisschen so aus, als hätte in den wilden Nullerjahren eine entfesselte Partie die Republik und deren eben erst privatisierte Unternehmen ausgeräumt wie jetzt die Londoner Slum-Jugend die Geschäfte in Tottenham. Nur dass das damals keinen interessiert hat. Die Staatsanwaltschaft schon gar nicht.

Wir sehen also die Vorgänge um die auf einer Kursmanipulation beruhenden Millionen-Boni der damaligen Telekom-Manager ganz entspannt. Also: Erstens gilt sowieso für alle die Unschuldsvermutung. Zweitens glauben wir die Rechtfertigung einiger Vorstände („Wir haben nichts gewusst“) aufs Wort. Zeitung lesen (dort waren die Manipulationen ausführlich beschrieben) gehört ja nicht zur Job Description eines Telekom-Vorstands.

Drittens ist natürlich klar, dass die FMA, wenn sie eine riesige Kursmanipulation feststellt, nichts weiter unternehmen kann. Und viertens wäre es ja wohl zu viel verlangt, wenn die Staatsanwaltschaft beim Verdacht der Untreue und des Betrugs (Strafrahmen bis zu zehn Jahre) von sich aus tätig wird. Es ging ja nicht um wild gewordene Tierschützer.

So – und jetzt sagt uns bitte jemand, dass das alles nicht wahr ist. Dass die Justiz endlich erwacht. Und sich auch andere merkwürdige Telekom-Geschäfte (etwa den Bulgarien-Deal) anschaut. Wir wollen nämlich nicht länger in einer Bananenrepublik leben.

 

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2011)