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Dubioser Kurssprung erschüttert Telekom

Dubioser Kurssprung erschuettert Telekom
(c) Teresa Zötl
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Die größte Börsenaffäre Österreichs machte 100 Manager der Telekom Austria um rund neun Millionen Euro reicher. Sie wirft auch ein Licht auf die lange Zeit zu lasche Gesetzgebung im Finanzbereich.

Wien. Ein Kurssprung, ausgelöst durch einen einzigen Kaufauftrag über 900.000 Aktien, machte 100 Manager der Telekom Austria (TA) 2004 um 9,2 Mio. Euro reicher. Erst sieben Jahre später sind die Vorgänge rund um das Aktienoptionsprogramm ein Fall für die Justiz – obwohl die Kursmanipulation schon damals evident war. Zu lasche Gesetze im Finanzbereich, mangelnde Durchgriffsmöglichkeit der Justiz und auch fehlende Zivilcourage: Das sind die Gründe, warum die größte Börsenaffäre Österreichs erst jetzt explodiert.

„Es war eindeutig Kursmanipulation“, sagt Klaus Grubelnik, Sprecher der Finanzmarktaufsicht (FMA), zur „Presse“. Das habe die penible Analyse der Vorgänge rund um den 26. Februar 2004 ergeben. „Wir haben den Plan nachgewiesen, wie er zustande kam, und dass die Euro Invest den Aktienkauf tätigte“, verweist Grubelnik auf den FMA-Bericht. Das große Aber: Nach dem damals geltenden Börsegesetz war das nicht verboten. Ein Jahr später wäre das anders gewesen: Die Umsetzung der EU-Marktmissbrauchsrichtlinie verschärfte das Börsegesetz.

FMA-Bericht verstaubte

Auch wenn der FMA die Hände gebunden waren – warum hat sie nicht auf Basis ihrer Erkenntnisse eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt? „Es gab keinen begründeten Verdacht und keine Beweise, dass Manager der Telekom dahintersteckten“, erklärt Grubelnik. Nur auf Gutdünken könne man keine Anzeige machen. Der damalige Euro-Invest-Chef Johann Wanovits hatte zudem wiederholt beteuert, die Aktien im eigenen Namen gekauft zu haben.

Die FMA behielt Wanovits am Radarschirm und brummte ihm eine Strafe wegen Schädigung des Ansehens der Börse auf. Diese wurde aber vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben. Wanovits ist nicht mehr Chef der Euro Invest.

Also verstaubte das FMA-Konvolut. Bis die Justiz 2010 bei einer Razzia beim PR-Profi Peter Hochegger, die im Zuge der Buwog-Ermittlungen erfolgte, eine Rechnung der Euro Invest über 170.000 Euro fand. Offiziell ging es um eine Studie über Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien. Tatsächlich dürfte dies ein Teil der Provision gewesen sein, die Wanovits für den Aktiendeal erhielt. Versprochen war ihm viel mehr, erhalten haben dürfte er einen Bruchteil, und zwar bar, weil die Sache zu heiß geworden war.

Die FMA hat nach Auftauchen der Rechnung ihren Bericht der Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Und die Mühlen der Justiz begannen zu mahlen: Jetzt gab es den Beweis für die Schädigung der TA. Bei einer Razzia im heurigen Juli nannte Wanovits seine „Verbindungsmänner“ in der TA: der damalige Controller und Hochegger-Intimus Gernot Schieszler und Josef Trimmel. Trimmel, ein Freund von Wanovits, war im Festnetzbereich von Rudolf Fischer tätig und wurde vergangene Woche entlassen, nachdem er zugegeben hatte, in die Malversationen verwickelt gewesen zu sein.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue nun gegen die früheren TA-Vorstände Heinz Sundt, Stefano Colombo und Rudolf Fischer sowie gegen den damaligen TA-Controller Gernot Schieszler, Wanovits und Hochegger. Schieszler hat sich jetzt als Kronzeuge angeboten, berichtet das „Format“. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Thomas Vecsey, erklärt, warum die Justiz nicht schon 2004 aktiv war. „Wir können ohne Strafanzeige kein Verfahren einleiten.“ Wenn Ermittlungen neue Erkenntnisse und verschärfte Verdachtsmomente ergäben, könne die Behörde von Amts wegen vorgehen. Eine Anzeige kam erst im Februar 2010 – wie so oft – von den Grünen.

Zurück ins Jahr 2004: Als der Kurs der TA-Aktie nicht über die entscheidende Marke von 11,70 Euro springen wollte, dürfte Trimmel seinen Freund Wanovits um Rat gefragt haben. Dieser hatte eine Idee. Trimmel soll Schieszler und dieser Fischer informiert haben. Ob auch Sundt und Colombo eingebunden waren – wie Fischer bei einem Verhör zu Protokoll gegeben hat – ist noch nicht geklärt.

Sundt: „Habe nichts gewusst“

Sundt dementiert, irgendetwas von den Malversationen gewusst zu haben. „Ich habe den Auftrag zum Kauf der Aktien nicht erteilt und war auch nicht in solche Überlegungen involviert“, nimmt Sundt exklusiv in der „Presse“ Stellung. „Einen Herrn Wanovits kenne ich nicht, ich habe nicht einmal mit ihm telefoniert.“ Er sei vom plötzlichen Kurssprung überrascht gewesen und habe deshalb die Vorstandskollegen befragt.

Als dann die FMA keinen Verstoß feststellte, „war für mich die Sache erledigt“. Die Achse Fischer-Schieszler-Hochegger sei ihm bekannt gewesen – „aber es gab keinen Anlass für einen Verdacht“.

Auf einen Blick

Die Affäre um den Kurssprung der Telekom-Aktie im Jahr 2004 eskaliert und erschüttert den Konzern. Die Finanzmarktaufsicht hat schon damals Kursmanipulation nachgewiesen. Nach dem damals geltenden Börsegesetz war dies aber keine illegale Handlung. Die Staatsanwaltschaft konnte ohne Anzeige kein Verfahren einleiten. Der ehemalige Telekom-Chef Heinz Sundt dementiert jegliche Verwicklung in die Malversationen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2011)