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Börsen: Vier Euro-Länder verbieten Leerverkäufe

Robert Vella, Peter Tuchman
(c) AP (Richard Drew)
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Frankreich, Italien, Spanien und Belgien haben vorläufig ein Verbot von Leerverkäufen für bestimmte Titel erlassen. Man wolle verhindern, dass Spekulanten aus "falschen Gerüchten" Profit schlagen, so die europäische Finanzmarktaufsicht.

Vier Euro-Länder wollen Marktturbulenzen durch das vorläufige Verbot hochspekulativer Börsengeschäfte eindämmen. Frankreich, Italien, Spanien und Belgien untersagten ab dem heutigen Freitag bestimmte Leerverkäufe. Betroffen von dem Verbot sind Finanztitel. 

Damit solle verhindert werden, dass Marktteilnehmer aus "falschen Gerüchten" Profite schlagen könnten, teilte die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA am späten Donnerstagabend mit. Die nationalen Börsenaufsichten würden rasch und entschieden gegen den Missbrauch von Marktregeln vorgehen. Zwar seien Leerverkäufe für sich genommen eine zulässige Handelsstrategie. Doch in Verbindung mit der Verbreitung von Marktgerüchten handele es sich um einen klaren Regelverstoß.

Leerverkäufe stehen im Verdacht, die Nervosität der globalen Finanzmärkte gerade in Krisenzeiten zusätzlich zu verstärken.

Leerverkäufe

Bei Leerverkäufen wetten Spekulanten auf fallende Kurse von Aktien, Währungen oder staatlichen Schuldpapieren. Der Spekulant verkauft die Papiere zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er verpflichtet sich dabei, sie innerhalb einer bestimmten Zeitspanne - diese ist von Börse zu Börse unterschiedlich vorgegeben - zu liefern. Sinkt der Preis bis zum Liefertermin, können die Papiere billiger gekauft werden. Steigt der Kurs, macht der Investor Verluste.

Bei gedeckten Leerverkäufen leiht man sich die zu verkaufenden Aktien zu einer bestimmten Gebühr. Bei ungedeckten Leerverkäufen werden die Aktien verkauft, ohne dass sie jemals im Besitz des Leerverkäufers waren.

Die französische Aufsicht AMF kündigte ein 15-tägiges Verbot von Leerverkäufen für die Aktien von elf Banken und Versicherern an. Dazu zählt unter anderem die Societe Generale, deren Aktien nach Gerüchten über angebliche Zahlungsschwierigkeiten am Mittwoch teilweise um mehr als 20 Prozent abstürzten. Nach dem Verbot hat sich der Kurs am Freitag stabilisiert. Auch in Frankfurt, Madrid und Mailand verzeichneten die Börsen ein leichtes Plus.

In Spanien sollen 16 Finanztitel über 15 Tage geschützt werden. Der belgische Regulierer will Leerverkäufe von vier Finanzwerten für eine unbegrenzte Periode unterbinden. Für Italien wurden zunächst keine Details bekannt.In Italien werden alle Leerverkäufe von Finanzwerten ab sofort untersagt. 29 Banken und Versicherungen sind davon betroffen. Das Verbot gilt für 15 Tage. An der Athener Börse wurden nach massiven Kursverlusten bereits Leerverkäufe für zwei Monate verboten. Aus Regulierer-Kreisen hieß es, dass ein EU-weites Leerverkaufsverbot unwahrscheinlich sei.

Niederlande: Leerverkäufe für Preisfindung wichtig

Die niederländische Börsenaufsicht AFM will jedenfalls dem Beispiel der vier Euro-Ländern nicht folgen und gestattet weiterhin Aktien-Leerverkäufe. Es bestehe die Auffassung, dass diese "unter normalen Umständen" eine wichtige Rolle für die Preisfindung spielten.

In Österreich verbietet die Finanzmarktaufsicht seit Oktober 2008 ungedeckte Leerverkäufe von Finanztiteln. Das Verbot muss alles sechs Monate verlängert werden. Betroffen sind Aktien der Erste Group, der RBI, der Uniqa und der VIG. Eine Verschärfung dieser Regelung ist in Österreich vorerst nicht geplant. "Die gesetzte Maßnahme wirkt", so der Sprecher der Finanzmarktaufsicht, Klaus Grubelnik. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe seit Mai 2010 generell verboten.

Betroffene Institute

Belgien: KBC, KBC Ancora, Dexia SA, Ageas

Frankreich: BNP Paribas, Societe Generale, Credit Agricole, Natixis, AXA, April Group, CIC , CNP Assurances, Euler Hermes, Paris Re, Scor

Italien: Azimut Holding, Banca Carige, Banca Finnat, Banca Generali, Banca Ifis, Banca Intermobiliare, Banca Monte Paschi Siena, Banca Popolare Emilia Romagna, Banca Popolare Etruria e Lazio, Banca Popolare Milano, Banca Popolare Sondrio, Banca Profilo, Banco di Desio e Brianza, Banco di Sardegna Rsp, Banco Popolare, Cattolica Assicurazioni, Credito Artigiano, Credito Emiliano, Credito Valtellinese, Fondiaria – Sai, Generali, Intesa Sanpaolo, Mediobanca, Mediolanum, Milano Assicurazioni, Ubi Banca, Unicredit, Unipol

Spanien:
Santander, BBVA, Sabadell, Bankinter, Banco Popular, Banca Civica, Banco de Valencia, Banesto, Banco Pastor, Bankia, Caixabank, CAM, Grupo Catalana de Occidente, Mapfre, BME, Renta 4

(Ag.)