Eigenkapital rentiert sich

Finanzierung. Die schwierige Suche von Start-ups und Unternehmen nach finanziellen Mitteln: Banken verschärfen die Kreditvergabe, Private Equity hinkt weiter hinterher. von Nikolaus koller

Hinter Ländern wie der Ukraine, Rumänien und Ungarn findet sich Österreich, wenn es um den Anteil von Private Equity (PE) und Venture-Capital (VC) am BIP geht. Nur 0,045 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) machen diese privaten Investments in Unternehmensgründungen und -wachstum aus. Spitzenreiter im EU-Vergleich ist Großbritannien. Im Vereinigten Königreich fließen – so die Daten der EVCA, der „European Private Equity and Venture Capital Association“ aus dem vergangenen Jahr – PE- und VC-Gelder in der Größenordnung von 1,123 Prozent des BIPs in Start-ups und Co. Auch dieser überschaubare Betrag stellt ein Vielfaches des heimischen Engagements dar. Der EU-Schnitt liegt bei 0,315 Prozent des BIPs.

„Österreich ist ein Land mit einer stark bankenorientierten Unternehmerschaft“, betont denn auch Christian Stein, Geschäftsführer des aws-mittelstandfonds. Die Gesellschaft investiert in heimische Betriebe in der Wachstumsphase (siehe Infobox). Auch durch diese Ausrichtung erkläre sich die niedrige Eigenkapitalausstattung heimischer Betriebe im internationalen Vergleich.

Niedrige Eigenkapitalquote

Während in Deutschland knappe 30 Prozent und in den Niederlanden fast 40Prozent der Mittel aus Eigenkapital stammen, liege dieses in Österreich nur bei durchschnittlich einem Viertel des Gesamtkapitals, zitiert der Manager Zahlen der KMU Forschung Austria aus dem Jahr 2008. „In den letzten Jahren hat sich die Situation leicht verbessert“, räumt Stein ein. Die Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften, zu der es durch Basel III kommt, werde „Unternehmensfinanzierung für jene ohne gute Eigenkapitalausstattung schwieriger machen“, sagt er, denn: „Banken werden sich die Kunden noch genauer aussuchen. Ratingsysteme helfen dabei als Kenngrößen.“

Und diese würden bis zu 40 Prozent durch die – nur rudimentär vorhandene – Eigenkapitalausstattung errechnet werden. Ebenso kritisch sieht er durch die neuen Vorschriften die Möglichkeiten für Start-ups, zu frischem Geld von Banken zu kommen. „Diese können auf keinen Track Record verweisen.“ Unternehmen und Gründer müssten von einer Verteuerung der Kredite um ein bis zwei Prozentpunkte alleine aufgrund Basel III ausgehen – andere wirtschaftliche Effekte noch nicht eingerechnet, ist er sich sicher.

Weniger Private Equity

Woher nun Geld für Investitionen nehmen? Die Lage scheint schwierig zu sein. Die Private-Equity-Großwetterlage schätzt der Finanzmanager Stein „als bewölkt“. Einen massiven Einschnitt ortete er vor allem im ersten Quartal 2009, wo die Investitionssumme auf ein Fünftel des Wertes von 2007 einbrach und seitdem weiter zurückging. „Wir sind heute auf dem Niveau von zehn Prozent von 1997“, erklärt Stein den europäischen Markt.

Auch in Österreich nahm die Zahl der Investments im Zeitraum von 2007 bis 2010 von 889 Mio. Euro auf 110 Mio. Euro – ein Großprojekt herausgerechnet, das mit 590 Mio. Euro die Statistik „verschönert“ – rapide ab. „Die Zahl der Investment-Projekte bleibt konstant, es wird nur weniger Geld in die Vorhaben gesteckt“, sagt Stein.

Seit 2007 habe es eine „dramatische Veränderung der Investorenlandschaft“ gegeben. In den Jahren 1999 bis 2007 kamen um die 80 Prozent des Venture-Capital- und Private-Equity-Geldes von Banken. 2009 wurden zwei Drittel der Investitionen von der öffentlichen Hand getätigt. „Das ist sicherlich keine dauerhafte Situation“, sagt er auf die Budgetnöte angesprochen.

Team ist Schlüssel für Gelder

Was können Unternehmer und Start-ups nun machen, um zu Geld zu gelangen? „Wenn ich externes Kapital ansprechen möchte, ist das Wichtigste ein Businessplan“, stellt der Finanzexperte klar. Einen Finanzierungsplan müsse dieser ebenso enthalten wie Markteinschätzungen und Produktinformationen. „Das Wichtigste ist aber das Management, die Personen, die hinter der Idee stehen. Die sehen wir uns am genauesten an“, betont der auf stille Beteiligungen spezialisierte Investor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2011)

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