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Plastikflaschen: Zahnlose Aktionen gegen den Müll

Plastikflaschen Zahnlose Aktionen gegen
Plastikflaschen(c) EPA (MARK)
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Mehrwegflaschen: Sozialpartner setzen auf Freiwilligkeit, Umweltexperten kritisieren diese Vorschläge als "Hohn".

Wien/Cim. 37.000 Tonnen Plastikflaschen gelangen jedes Jahr in den heimischen Handel, vier von fünf landen, sind sie leer, im Müll. Ein Weg, um der Plastikberge Herr zu werden, wäre eine Trendumkehr zurück zu Mehrweggebinden, sind sich Umweltexperten, Politik und Wirtschaft einig.

Schließlich hat der Anteil an Mehrweg-Flaschen in Österreich ein Rekordtief erreicht. Nachdem ein Öko-Bonus-Modell im Auftrag des Umweltministeriums, demzufolge Händler, die eine Mehrweg-Quote nicht erreichen, einen Malus-Betrag zahlen und für Mehrwegflaschen belohnt werden sollten, gescheitert ist, lag der Ball bei den Sozialpartnern. Ihr Vorschlag, den sie nun vorgelegt haben, setzt auf Freiwilligkeit, die Bitte an den Handel, Mehrweg-Gebinde doch prominenter zu platzieren, und eine Ankündigung von Werbekampagnen.

Abfallexperte Gerhard Vogel, der Vorstand des Instituts für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement der WU Wien, hält das für „völlig absurd“. Abfall und Wegwerf-Mentalität mit Öffentlichkeitsarbeit bekämpfen zu wollen, sei ein „Hohn“. Die Sozialpartner verteidigen ihren Weg als „Wahlfreiheit des Konsumenten“. Anna Maria Hochhauser, die Generalsekretärin der WKÖ, spricht von einem „erfolgreichen Weg der freiwilligen Selbstverpflichtung“. Allerdings: Der Mehrweg-Anteil ist konstant gesunken: von 80 Prozent 1995 auf 22,1 Prozent im Jahr 2010. In Deutschland beträgt die Quote bis zu 60 Prozent, in Skandinavien mehr als 40 Prozent. Bis zum Jahr 2000 gab es hierzulande verpflichtende Mehrweg-Quoten, diese wurden durch „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Händler und Abfüller ersetzt.

 

Die besten Flaschen fehlen derzeit

„Das Modell ist gescheitert“, so Vogels Urteil. Er erklärt das Schwinden der Mehrweg-Flaschen mit der Macht der Handelsriesen. „Billa und Spar wollen Hofer nachahmen“, so Vogel. Schließlich bieten die Diskonter nur Einweg-Gebinde an. Da Rücknahme-Systeme für die Händler aufwendig sind, würden auch die Supermärkte auf Einweg setzen und Mehrweg-Initiativen torpedieren. Der Getränkeindustrie, so Vogel, wäre Mehrweg lieber, aber sie komme gegen die Handelriesen nicht an.

Die Händler argumentieren, die Konsumenten seien nicht mehr bereit, schwere Flaschen nach Hause und zurück in die Geschäfte zu schleppen. Vogel wirft den Händlern vor, sie würden Einweg-Flaschen fördern, indem sie billiger verkauft sowie attraktiv und leicht transportierbar gestaltet werden. Mehrweg-Kisten blieben indes unhandlich und würden „diskriminiert“. Die beste Lösung, PET-Mehrwegflaschen, ist in Österreich derzeit nicht am Markt.

Der Vorschlag der Sozialpartner wird im Herbst ins Parlament kommen. Vogel erwartet, dass sich „die Parteien das nicht gefallen lassen“. Die hitzige Debatte über die Flaschen wird weitergehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2011)