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Wrabetz: Einmal Superheld und zurück

Wrabetz Einmal Superheld zurueck
(c) Illustration: Lilly Panholzer
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Der neue alte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz könnte seinem Spitznamen "Super-Alex" alle Ehre machen und jetzt zeigen, wie ein unabhängiger ORF aussieht. Wenn er nur wollte.

Kurz nach seiner Wiederbestellung zum ORF-Generaldirektor am Dienstag erzählte Alexander Wrabetz vor Journalisten sichtlich erleichtert und gelöst, wo er später seinen zweiten Sieg feiern werde. Mit allen, die für ihn gestimmt und ihn unterstützt hätten. „Das wird um einiges angenehmer sein als vor fünf Jahren“, sagte er. Bei seiner ersten Kür zum Generaldirektor hätten seine Unterstützer aus den unterschiedlichen politischen Lagern nämlich nicht miteinander feiern wollen: Häupls SPÖ lud ins Rathaus, Vertreter von BZÖ und FPÖ trafen einander im Do & Co, einige der SOS-ORF-Initiatoren und ORF-Mitarbeiter bei den Drei Hacken. Wrabetz fuhr von Fest zu Fest und dankte seinen Geburtshelfern. Heuer wollte er der zahlende Gastgeber sein und lud Stiftungsräte, ORF-Mitarbeiter und Vertreter politischer Parteien per SMS auf die Summerstage. Und es kamen viele.

Ist das der erste Schritt zu einem selbstbestimmten Leben als Kapitän des trägen Mediendampfers ORF? Ein erster Schwenk in eine neue Richtung? Einige Medien tauften Wrabetz schon zu Beginn seiner ersten Amtszeit auf den Namen „Super-Alex“. Nun hat er geschafft, was keinem anderen ORF-Chef vor ihm gelungen war: Er wurde zum zweiten Mal hintereinander von den Stiftungsräten bestellt, obwohl es im Vorfeld und während seiner Amtszeit massive Kritik an ihm gab. Selbst Dreifach-General Gerd Bacher war das nicht gelungen, zwischen seinen Amtszeiten durften stets andere Herren ran.

 

Trau dich, Alex, trau dich!

Wirklich superheldenhaft wäre es, wenn sich Wrabetz nun, da ihm sein taktisches Geschick, sich mit allen Politikern gut zu stellen, eine Verlängerung der Chefspielzeit gebracht hat, aus der politischen Umklammerung befreit. Er könnte seinem neu gewonnenen Spitznamen alle Ehre machen und sich in seiner zweiten Amtszeit als Retter des unabhängigen ORF geben. Nicht mehr abheben, wenn Niko Pelinka am Apparat ist. Laura Rudas deutlich die Meinung sagen, wenn sie ihn wieder coram publico zur Rede stellt: „Alex, so haben wir uns das aber nicht vorgestellt.“ Die Personalwünsche der einzelnen Parteien ignorieren. Trau dich, Alex, trau dich!

Von den Parteien hat er einen großen Vertrauensvorschuss bekommen: Vor allem die ÖVP hat kurz vor dem Ziel beschlossen, sich halbherzig auf die Seite des vorhersehbaren Gewinners zu stellen, statt als protestierender Verlierer unterzugehen. Am Vorabend der Wahl hat die ÖVP ihre zwölf Stiftungsräte instruiert: Mehr als die Hälfte von ihnen (exakt sieben waren's dann) müsse für Wrabetz stimmen – schließlich habe man dafür einiges versprochen bekommen. Wenn die Partei ruft, dann folgen offenbar sogar die lautesten Wrabetz-Kritiker.

Wrabetz hat 29 von 35 Stimmen im Stiftungsrat bekommen. Er hat die breite Mehrheit hinter sich. Wenn er die Parteien enttäuscht, müssten diese erst wieder ihre Stiftungsräte aktivieren, die ihn mit einer Zweidrittelmehrheit abbestellen könnten. Das wäre möglich, aber äußerst unwahrscheinlich.

Wie könnte die Ära unter Super-Alex ausschauen? Wenn er Ende August aus seinem Urlaub zurückkehrt, hält er sich nicht an das ausverhandelte Personalpaket, das er vor laufenden Kameras ohnehin geleugnet hat. Er agitiert nun wie Superman, der stets gegen das Böse kämpft, nur mehr für das gute und beste Programm. Den Betriebsrat, der am Freitag die Vorgänge rund um die Chefbestellung als „unappetitlich“ bezeichnet hat, lädt er in sein Büro, gibt ihm recht und macht ihn zu seinem engsten Vertrauten.

 

Sommergespräche? Abgeschafft!

Er wählt die qualifizierteste Person im europäischen Fernsehmarkt für die wichtigste Direktion aus, die Fernsehdirektion. Eine Frau muss das nicht unbedingt sein, weil er sein insgesamt 17-köpfiges Direktorium ohnehin ausgewogen besetzt. Er forciert die Aufnahme einer neuen Bestimmung im Gesetz: Stiftungsräte dürfen nicht Direktoren werden oder sonstige ORF-Führungspositionen bekleiden. Der Stiftungsrat wird zudem nur mehr zu einem Drittel von politischen Parteien beschickt. Auch in den unteren Personalrängen besetzt er freie Positionen nur nach Können und Erfahrung, nicht nach Parteibuch. Neuer Standort wird die kostengünstigste Immobilie.

Gemeinsam mit seinem Direktorium setzt er neue Programmideen um, plant kurzweilige und politisch unabhängig besetzte Diskussionssendungen und gibt Filmprojekte in Auftrag. Wiederholungen werden auf ein Minimum reduziert, die Sommerpause für diverse Sendungen auf wenige Wochen gekürzt. Die „Sommergespräche“ werden abgeschafft, die Politiker sollen nur zu Wort kommen, wenn sie etwas zu sagen haben und nicht, weil sie gerade mehr Zeit haben, sich zu überlegen, was sie sagen könnten.

Seine stärksten Kritiker sind dann die privaten Radio- und Fernsehstationen, denn der ORF macht ein Programm, das sich deutlich von ihrem unterscheidet und steigert trotzdem die Quote.

Traurigerweise wird das alles nicht eintreffen. Denn Alexander Wrabetz ist gerade erst 51 Jahre alt geworden. Er könnte somit locker 2016 ein drittes Mal als ORF-General kandidieren – dafür braucht er die Stimmen der Parteien. Und selbst wenn sich das nicht noch einmal ausgeht, wird er seine Karriere mit dann 56 Jahren nicht beenden wollen. Das gute Einvernehmen zu allen Parteien muss er sich also erhalten. Wer weiß, was die Politik später einmal für ihn tun kann? Dem Rat des chinesischen Militärstrategen Sunzi, der an seiner Büro-Pinnwand prangt, wird er auch weiterhin folgen: „Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf zu brechen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2011)