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Elektrobusse für die City: Ausschreibung läuft

Symbolbild
(c) Teresa Zoetl
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Die Wiener Linien haben sich festgelegt: In der Innenstadt sollen künftig Elektrobusse unterwegs sein, andere Antriebsarten scheiden aus. 10 bis 20 neue Kleinbusse sollen schon im Jahr 2012 in Betrieb gehen.

Wien. Die Zeit der Tests ist vorbei. Seit 1.August läuft die Ausschreibung für die neuen Citybusse, die ab 2012 auf den Linien 2A und 3A in der Wiener Innenstadt fahren sollen. Insgesamt ist die Ausschreibung auf 10 bis 20 Stück Kleinbusse ausgelegt – und es kommen ausschließlich Elektrobusse in Frage. In den Ausschreibungsunterlagen, die der „Presse“ vorliegen, werden explizit Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennungskraftmaschinen ausgeschlossen, so wie auch Hybridfahrzeuge. Favorisiert wird der Antrieb mit Batterien, andere Technologien sind aber zugelassen, vorausgesetzt, dass es sich um emissionsfreie Technologien handelt. „Und“, sagt Wiener-Linien-Sprecherin Anna Maria Reich, „auch Heizung und Klimaanlage müssen mit Batterie betrieben werden.“

 

Fahrer wechselt keine Batterien

Eine Grundvoraussetzung für die neuen Modelle ist, dass sie während der Betriebszeiten der Busse einsatzbereit sind, ohne zum Aufladen die Linie verlassen zu müssen. Auch darf der Aufenthalt an der Aufladestelle nicht länger als 15 Minuten betragen – und der Buslenker selbst darf an der Aufladung nicht beteiligt sein, etwa indem er einen Stecker anbringt oder eine Batterie wechselt. Das könnte etwa mit Hilfe eines neuartigen Induktionssystems möglich sein, das unter der Fahrbahn eingebaut werden müsste. Insgesamt soll das neue Modell eine Reichweite von 150 Kilometern haben.

Die Beförderungskapazität soll der Ausschreibung zufolge bei 30 Fahrgästen liegen, für 12 Passagiere soll es Sitzplätze geben, ein Platz muss für einen Rollstuhl vorgesehen sein. Die Ausschreibung läuft noch bis zum 2.September. Die bis dahin eingelangten Bewerbungen werden dann überprüft, und voraussichtlich am 15.September wird zur Angebotslegung eingeladen. Die endgültige Entscheidung über die neuen Busse ist laut dem Dokument für den 12.Jänner 2012 vorgesehen – und noch im selben Jahr soll die komplette Flotte der zwölf alten, mit Flüssiggas betriebenen City-Busse ausgetauscht werden.

Vier Modelle wurden im Verlauf des Juli getestet. Eines davon stammt von Rampini in Italien, Antrieb und Steuerung kommen von Siemens. Ebenfalls im Test waren ein weiteres italienisches Modell von Bredamenarini, der Solarbus Kutsenits – ein österreichisches Fabrikat – und das etwas größere Modell SOR Cegelec aus Tschechien, das auf der Linie 1A getestet wurde.

Was die Anschaffungskosten betrifft, sind die Elektrobusse etwa drei Mal so teuer wie ein derzeitiger Flüssiggas-City-Bus – dessen Preis liegt bei rund 120.000 Euro. Dafür würden die Betriebskosten der neuen Flotte dementsprechend deutlich, nämlich auf rund ein Viertel, sinken. Das Gesamtbudget, das man für die Umrüstung der Flotte in die Hand nehmen will, wollen die Wiener Linien während des laufenden Verfahrens allerdings nicht nennen.

 

Warten auf Testergebnisse

Die City-Busse sind nur der erste Schritt zur Umrüstung der Busflotte der Wiener Linien. Auch die großen Flüssiggasbusse werden in den kommenden Jahren ausgemustert. Welche Modelle an ihre Stelle treten werden, ist noch nicht entschieden. Auch hier gab es bereits Tests von mehreren Fahrzeugen und Antriebsarten. Doch will man vor einer Ausschreibung noch auf die Ergebnisse von Tests warten, die die TU Graz an den potenziellen neuen Modellen durchgeführt hat.

Dass auch auf den größeren Linien reine Elektrobusse in Betrieb gehen werden, gilt derzeit als eher unwahrscheinlich. Noch mangelt es an Anbietern, die einen flächendeckenden Betrieb in dieser Dimension gewährleisten können. Hier gelten eher Busse mit Dieselhybrid-Antrieb als wahrscheinlich. Aber auch reine Dieselbusse und der Antrieb mit Erdgas stehen noch zur Debatte.

Während also schon im kommenden Jahr die ersten Elektrobusse durch die Innenstadt fahren werden, müssen die Flüssiggasbusse auf den übrigen Strecken noch ein paar Jahre weiter in Betrieb bleiben. Hier sollen die ersten neuen Modelle 2014 kommen.

Auf einen Blick

Neue Busse: Die Wiener Linien stellen ihre Busflotte von Flüssiggasantrieb auf neue Modelle um. Auf den Linien 2A und 3A werden künftig Modelle mit Elektroantrieb fahren – die Ausschreibung dafür läuft seit Anfang August. Die übrige Busflotte wird erst ab 2014 sukzessive ausgetauscht – Nachfolgemodell und Antriebsarten sind allerdings noch nicht fix.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2011)