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Ungehorsam: Front Schönborn-Schüller verhärtet

Priester Ungehorsam Schonborn
Archivbild: Helmut Schüller(c) Teresa Zötl (Teresa Zötl)
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Schönborn soll sich dem Aufruf zum Ungehorsam gegenüber Rom anschließen, sagt Helmut Schüller. Der aber weigert sich: Er habe zwar mit den Forderungen kein Problem, er stoße sich aber an der provokanten Art.

Nach dem Aufruf der Pfarrer-Initiative zum Ungehorsam gegenüber dem Vatikan in Punkten wie dem Zölibat und der Frauenpriesterweihe verhärten sich die Fronten zusehend: Zwar werde es keinen "Showdown Kardinal Schönborn-Helmut Schüller" geben, versicherte Schönborn-Sprecher Michael Prüller, aber keine der Konfliktparteien will von ihren Standpunkten abweichen.

Der Obmann der Pfarrer-Initiative, Helmut Schüller, forderte im "Kurier"-Interview Kardinal Christoph Schönborn auf, sich hinter die Anliegen der Reform-Kräfte zu stellen und bleibt eisern bei seinen Reform-Bestrebungen. Angst vor einer Amtsenthebung habe er keine, sagte er.

Schönborn-Sprecher Prüller sagte gegenüber Kathpress, der Kardinal habe "mit den Forderungen der Initiative kein Problem, sondern mit dem ostentativen Ungehorsams-Aufruf". Sanktionen stünden für Schönborn nicht im Mittelpunkt, so Prüller. Vielmehr gehe es dem Wiener Erzbischof darum, die Pfarrer zu gewinnen, "den in der Erzdiözese Wien eingeschlagenen Reform-Weg gemeinsam zu gehen", der ab Herbst "in strukturierte Bahnen gelenkt" werde. "Dazu müssen die Pfarrer nicht auf ihre Reformforderungen verzichten, aber sie vielleicht anders darstellen als in einem 'Aufruf zum Ungehorsam'."

Schüller fordert von Schönborn, sich "vor die Anliegen der Kirchenreform" zu stellen. "Er und auch die Bischöfe müssten diese Anliegen in Rom vertreten", sagte er. Schüller würde sich wünschen, dass die heimischen Bischöfe in Rom erreichen, dass man ihnen zugesteht, "ad experimentum, in einer Art Zukunftslabor, einige Dinge einfach einmal zu probieren". Mittlerweile aber habe Schönborn klargestellt, dass er diese Anliegen nicht teilt, auch nicht persönlich, bedauerte der Ex-Vikar.

Die Kirchenleitung würde sich allerdings "gewaltig irren", wenn sie glaube, dass es sich bei der Initiative nur um "ein paar spinnerte Pfarrer" handle, sagte der Pfarrer. Er verwies auf ähnliche Gruppierungen in Irland, Deutschland und Amerika. Auch in südlichen Ländern seien Reformbemühungen im Gange. Angst davor, dass Schönborn ihn des Amtes entheben könnte, hat er keine. Er würde dann als Seelsorger weiterarbeiten, "was immer mir möglich ist".

Hintergrund

Im Juni 2011 hat die Pfarrerinitiative zum "Ungehorsam" gegenüber Rom aufgerufen. So verpflichten sie sich, "gutwilligen" Gläubigen die Eucharistie nicht zu verweigern, also Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, Mitgliedern anderer christlicher Kirchen und "fallweise" Ausgetretenen. Außerdem wollen die Priester kompetent ausgebildete Laien, etwa Religionslehrer, predigen lassen. Weiters wollen sich die Priester dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat - ob Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, haupt- oder nebenamtlich; bei jedem Gottesdienst wird eine Fürbitte um Kirchenreform eingeführt; man will öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt eintreten.

(APA/Red.)