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Superheldenfilm: „Cap“, der Übermensch

(c) UPI
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Joe Johnstons effiziente Comic-Verfilmung verzichtet auf Aktualisierung: Der populärste Superheld der Weltkriegsära bleibt Sinnbild eines wertkonservativen Amerika.

Was ist rot und blau und flattert im Wind? Richtig: Superman. Sein Kollege Captain America hingegen ist flugunfähig, sieht dafür aber aus, als hätte man seinen amüsant altmodischen Anzug aus einem Dutzend ausrangierter Star-Spangled-Banners zusammengeschneidert. Ins Leben gezeichnet in den frühen 1940ern von den legendären Comic-Autoren Jack Kirby und Joe Simon, wurde der ehrenwerte Supersoldat zum mythisch überhöhten Selbstporträt der Roosevelt-USA. Ein Recke ohne Furcht und Tadel, der mit unbändiger Liebe für sein Heimatland und dessen Werte in die Welt hinauszieht, um alle undemokratischen Strömungen im Keim zu ersticken.

„Captain America“ wurde im Zweiten Weltkrieg zur Agit-Popikone: Schon auf dem Titelbild seines Comic-Debüts verpasst er Hitler einen rechten Haken, der Kampf von „Cap“ gegen Nazi-Deutschland und dessen Achsenmächte machte ihn zum populärsten Superhelden der Zeit. Obwohl der Charakter im Verlauf der nächsten Jahrzehnte mehrfach in den jeweils aktuellen Zeitgeist eingepasst wurde und etwa in den 1980ern offensiv gegen Selbstjustiz und Homophobie ankämpfte, blieb er ein Sinnbild des alten, wertkonservativen Amerika, zu dem man sich noch guten Gewissens bekennen kann.

 

Zuallererst eine Nostalgiepackung

Insofern ist Joe Johnstons Filmadaption Captain America: The First Avenger zuallererst auch eine Nostalgiepackung: In warmen, sepiagetönten Farben und versehen mit massig zeithistorischem Kolorit erzählen die zwei Stunden vom jungen Steve Rogers, einem idealistischen Burschen, der aufgrund seines Zniachtl-Körpers für untauglich befunden wird, in der Armee zu dienen. Als er gemeinsam mit seinem besten Freund Bucky (der später zum Sidekick avanciert) eine Weltausstellung besucht und erneut glücklos versucht, rekrutiert zu werden, weckt er damit das Interesse von Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci). Der Armeewissenschaftler überzeugt den Jungen, sich freiwillig für ein streng geheimes, experimentelles Supersoldatenprojekt zur Verfügung zu stellen: Nach der Injektion mit dem Serum wachsen Rogers' Muskeln an allen möglichen Stellen, während sich seine körperlichen Fähigkeiten denen eines Übermenschen annähern.

Als „Captain America“ tourt er fortan zwecks Propaganda über den Erdball: Immer noch eine Witzfigur für die anderen Soldaten. Es ist schließlich die Nachricht vom Tod Buckys, die ihn zum eigenständig agierenden Helden macht. Die Suche nach seinem besten Freund führt ihn zu seiner ersten Nemesis: Dem ehemaligen Hitler-Helfer und nunmehrigen Terroristen Johann Schmidt alias „Red Skull“, der mithilfe eines geheimnisvollen Artefakts die Welt unterjochen will. Hollywood-Handwerker Joe Johnston verrichtet grundsoliden, wenngleich ästhetisch und inhaltlich wenig berauschenden Spektakeldienst.

Im Gegensatz zu anderen Superheldenfilmen verzichtet Johnston aber immerhin auf nutzlose Aktualisierungen der klassischen Vorlage, inszeniert den Stoff beinahe wie einen Historienfilm. Wie in allen mythischen Geschichten lebt die Dramaturgie vom erwarteten Erstkontakt zwischen Gut und Böse, dem Helden und seiner Nemesis, die – ebenfalls wenig überraschend – aufgrund derselben Supersoldatenexperimente zu gleichwertigen, gleichsam über dem ganzen Rest stehenden Gegnern herangewachsen sind.

Johnston peitscht seine Geschichte inszenatorisch effizient, ab und zu gar überwältigend durch und verlagert die Raffinessen auf das beeindruckende Schauspielerensemble: All-American-Boy Chris Evans ist ideal besetzt als „Cap“, während die resolut verführerische Hayley Atwell ihre romantische Nebenfigur mit Femme-fatale-Zügen aufwertet. Hugo Weaving (u.a. bekannt als Elrond aus den Herr der Ringe-Filmen) gibt einen lustvoll diabolischen Bösewicht ab, während der im Lee-Marvin-Ekel-Modus rastende Tommy Lee Jones als sardonischer Armeegeneral allen die Schau stiehlt.

 

2012 folgt die Pop-Götterdämmerung

Außergewöhnlich ist an Captain America: The First Avenger nur eines: nämlich dass der Blockbuster wie schon Thor vor wenigen Monaten bloß die Vorhut zu einem der gewaltigsten Crossover-Projekte Hollywoods darstellt. Der nordische und der amerikanische Superheld sind zwei Teilstücke der „Avengers“, einer Allianz der mächtigsten und beliebtesten Figuren aus dem Marvel-Comic-Universum, die Über-Geek Joss Whedon (Buffy) gerade für das Kino adaptiert. Die Dreharbeiten sind noch im Gang, doch darf man nach dem Abspann von Captain America bereits einen ersten Blick darauf werfen, wie Thor, Cap, Hulk und der Iron Man die Welt retten. Geplanter Kinostart für die Pop-Götterdämmerung ist im Mai 2012.

Ein Marvel-Comic-Star

„Captain America“, der Superheld mit dem Kostüm in den Farben der US-Flagge, wurde 1941 vorgestellt: Seine Abenteuer während des Kriegs dienten meist der Propaganda.

Die Verfilmung von Joe Johnston ist Teil eines Zyklus von Marvel-Comic-Adaptionen („Hulk“, „Thor“), deren Helden 2012 im Film „Avengers“ zusammenkommen sollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2011)