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Österreich mit dritthöchster Inflation im Euroraum

(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)

In der EU ging die Inflation zurück, in Österreich stieg sie im Juli auf den höchsten Wert seit fast drei Jahren. Der wöchentliche Einkauf verteuerte sich gar um 6,9 %. Preistreiber waren Öl, Diesel und Benzin.

Wien/Red. Man hätte sein Geld sogar in Aktien anlegen können und wäre damit trotz des Börsencrashs besser gefahren: Um 3,5 Prozent hat sich die Kaufkraft des Euro in Österreich im Juli verringert (im Vergleich zum Juli 2010). Der ATX hat mit Stand gestern seit 1. Juli 2010 um 0,5 Prozent zugelegt.

Mit dieser Inflationsrate belegt Österreich im Euroraum einen unerfreulichen Spitzenplatz: Nur in Estland und Belgien war die Inflation im Juli mit 5,3 bzw. 4,0 Prozent noch höher als hierzulande (Österreich liegt nach einer etwas anderen EU-Berechnung mit 3,8 Prozent Inflation gleichauf mit der Slowakei). Nimmt man den gesamten EU-Raum hinzu, liegen wir an siebenter Stelle.

In der Eurozone und in der EU ist die Teuerungsrate im Juli sogar zurückgegangen. Sie lag im Schnitt bei 2,5 Prozent (Euroraum) bzw. 2,9 Prozent (EU).

In Österreich stieg die Inflationsrate in den vergangenen Monaten dagegen an. Im April, Mai und Juni lag sie bei 3,3 Prozent. Mit 3,5 Prozent erreichte sie im Juli 2011 den höchsten Wert seit September 2008. Damals verteuerten sich Waren und Dienstleistungen um 3,8 Prozent.

 

Gas in Ostösterreich wird teurer

Größter Preistreiber waren einmal mehr Öl und Treibstoffe. Der Preis für Heizöl leicht lag im Juli um 21 Prozent über dem Juli des Vorjahres. Diesel war um 19,3 Prozent teurer, Benzin um 14,2 Prozent. Ohne die Mineralölprodukte hätte die Teuerung nur 2,7 Prozent betragen.

Für den Miniwarenkorb, mit dem die Statistik Austria einen typischen wöchentlichen Einkauf und den Energieverbrauch darstellen will, musste man im vergangenen Monat um 6,9 Prozent mehr bezahlen als im Juli vor einem Jahr. Im Juni waren es im Jahresvergleich noch 6,3 Prozent. Der Mikrowarenkorb, der den täglichen Einkauf widerspiegelt und sich vor allem aus Lebensmittel zusammensetzt, verteuerte sich im Juli um 3,9 Prozent (im Juni waren es noch 4,1 Prozent).

Die Ausgabengruppe „Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke“ kostete die Österreicher im Jahresvergleich um 4,7 Prozent mehr. Vor allem Molkereiprodukte und Eier (plus sechs Prozent), Brot und Getreideprodukte (vier Prozent) sowie Obst (acht Prozent) waren dafür verantwortlich. Bei den alkoholfreien Getränken (ein Plus von 10,8 Prozent) trug vor allem der hohe Kaffeepreis zur Teuerung bei: Für ein Kilogramm zahlte man im Juli 2011 um 27 Prozent mehr als im Juli 2010.

„Wohnen, Wasser und Energie“ verteuerten sich um 3,2 Prozent. Hauptgrund waren die Energiepreise. Beispielsweise stieg der Gaspreis im Österreich-Schnitt um zehn Prozent. Für Kunden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wird es mit Oktober erneut teurer: Begas, EVN und Wien Energie erhöhen ihre Gaspreise um gut zehn Prozent. Damit werden sich die Gesamtkosten inklusive Steuern, Abgaben und Netzgebühren pro Haushalt um 3,2 bis 5,5 Prozent erhöhen (bei einem Verbrauch von etwa 10.700 kWh im Jahr sind das 25 bis 44 Euro). Begründet wird die Erhöhung mit den gestiegenen Ölpreisen.

Wichtigster Preisdämpfer im Schlussverkaufsmonat Juli war „Bekleidung und Schuhe“: Wegen der Abverkäufe kam es im Schnitt zu einer Vergünstigung von 13,1 Prozent im Vergleich zum Juni. Für ein Damen-T-Shirt zahlte man um 21,3 Prozent weniger, eine Herrenjacke war im Schnitt um 21,2 Prozent billiger.

 

Billige Notebooks

Im Jahresvergleich gab es bei Elektronikprodukten den größten Preisverfall: Kompaktkameras waren im Juli um 18,9 Prozent billiger als im Juli des Vorjahres, Notebooks gaben um 14,9 Prozent nach. Und Damen dürfen sich freuen, dass ihre Blusen um 3,9 Prozent billiger wurden.

Grafik: Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2011)