Im zweiten Quartal haben sich vor allem Groß- und Unternehmenskredite verteuert. Wohnbaukredite hinken der Entwicklung hinterher. Doch auch bei den Sparzinsen haben die Banken die Leitzinserhöhung vorweggenommen.
Wien/b. l. Im Juli hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen für die Eurozone auf 1,5 Prozent erhöht. Die Banken haben diese Entwicklung aber schon im zweiten Quartal vorweggenommen, wie aus einer Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervorgeht – und zwar sowohl bei Kredit- als auch bei Sparzinsen.
So mussten Unternehmen, die im heurigen Juni einen Kredit von bis zu einer Million Euro aufnahmen, Zinsen in Höhe von 2,97 Prozent in Kauf nehmen. Vor einem Jahr waren es noch 2,38 Prozent, Ende des ersten Quartals 2,74 Prozent. Im Vergleich mit der gesamten Eurozone kommen die heimischen Betriebe aber günstig weg: Im Schnitt müssen europäische Unternehmen vier Prozent Zinsen zahlen. Der Schnitt wird von einigen südeuropäischen Ländern in die Höhe gezogen. Auch die Zinsen für große Unternehmenskredite (über eine Million Euro) sind im Jahresabstand gestiegen, und zwar von 1,8 auf 2,66 Prozent. In der Eurozone erhalten Firmen Großkredite mit 2,97 Prozent Zinsen.
Konsumkredit kostet fünf Prozent
Privatpersonen, die im Juni einen Konsumkredit aufnahmen, mussten in Österreich fünf Prozent Zinsen in Kauf nehmen, vor einem Jahr waren es 4,64 Prozent. Geringer fiel die Veränderung bei den Wohnbaukrediten aus: Dort verteuerten sich die Zinsen im Jahresvergleich von 2,68 auf 2,81 Prozent. Ursache ist laut OeNB, dass die Leitzinsveränderungen der Zentralbank in diesem Bereich traditionell langsamer weitergegeben werden. Im März gab es bei den Wohnbauzinsen einen Tiefstand bei 2,56 Prozent.
Von den jüngsten Zinserhöhung konnten auch neue Sparer bereits im zweiten Quartal profitieren. Für Bindungen von bis zu einem Jahr kletterte der Zinssatz seit Juni 2010 von 0,97 auf 1,67 Prozent. Im Euroraum erhält man im Schnitt 2,58 Prozent. Für eine mehr als zweijährige Bindung bekommen Sparer in Österreich für neue Einlagen durchschnittlich 2,48 Prozent Zinsen, in der Eurozone sind es 3,14 Prozent.
Im laufenden Quartal könnte es mit Spar- und Kreditzinsen noch einmal bergauf gehen. Viele Analysten rechnen noch heuer mit einer weiteren Leitzinserhöhung der EZB um weitere 0,25 Prozentpunkte. Mit höheren Zinsen versuchen die Notenbanken die Inflation zu bekämpfen. Derzeit haben sie jedoch Angst, die Konjunktur vor allem in den schwächeren Ländern der Eurozone zu bremsen.