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Ein Urteil, aber nicht mehr

Walter Mayer hatte das Glück, dass das Antidoping-Gesetz erst viel zu spät in Kraft trat.

Walter Mayer wurde wegen der Weitergabe von Dopingmitteln „an nicht mehr feststellbare Sportler“ im Zeitraum 2005 bis Frühjahr 2009 und der Erstellung eines Dopingplanes für eine über 60-jährige Langlaufweltmeisterin zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilt. Mayer kündigte Berufung an und gibt damit auch der Justiz die Möglichkeit, in der von Eile geprägten Urteilsfindung übersehene Fakten neu zu prüfen.

Nach jahrelangen Ermittlungen der Soko Doping benötigte Richterin Katharina Lewy nur drei Verhandlungstage, und das hinterlässt den Eindruck, dass der lange Arm der Justiz Mayers nur mit der allerletzten Fingerspitze habhaft wurde. Das ist dem viel zu spät, erst im August 2008 in Kraft getretenen Antidoping-Gesetz, geschuldet. Damit hatten der Blutbeutel-Vorfall von Salt Lake City 2002 und die Razzia-Erkenntnisse von Turin 2006 keine strafrechtliche Relevanz.

Auch Mayers Verwicklung in die Humanplasma-Affäre, in Wien wurde Sportlern jahrelang Blut abgenommen und zugeführt, verkam zur Randnotiz. Polizeidaten, Namen oder gar Verbindungen zu in- und ausländischen Sportverbänden wurden in dieser Verhandlung nicht schlagend.

Doping ist in Österreich kein Kavaliersdelikt, das signalisiert dieses Urteil, obgleich es vorwiegend auf den Aussagen eines mehrfach Vorbestraften beruht. Damit Justiz und Ermittler nicht an Glaubwürdigkeit verlieren, müssten die Aufräumarbeiten viel intensiver geführt werden.

 

markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2011)