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Kindermode: Wächst mit und hält was aus

Kindermode Waechst haelt
Symbolbild(c) Dapd (Jens Schlueter)
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Die Sommerferien gehen in den Endspurt, da ist wieder Kindermode fürs neue Schuljahr gefragt. Die Regale in den Shops werden mit globalen Marken ebenso wie mit österreichischen Designer-Labels befüllt.

Globale Luxusmarken haben die Kindermode längst für sich entdeckt. Kleider für die Kleinen sind aber nicht nur für diese Giganten ein Thema, auch in Österreich entwerfen immer mehr Labels in kleinem Maßstab. Nachhaltigkeit und Produktion im Inland sind dabei oft wichtige Themen. Dass Kindermode ein wichtiges Thema ist, bestätigt auch Cloed Baumgartner, Ko-Organisatorin des Modepalastes in Wien: „Kindermode war heuer aufgrund unseres Generationen-Themas stärker als sonst vertreten.“

Vor allem kindergerecht. Kleidung, die im täglichen Gebrauch steht, sollte gleichzeitig praktisch und beständig sein. So liegt es nahe, dass immer wieder Mütter, die auf der Suche nach dem Passenden für ihren Nachwuchs sind, irgendwann selbst unter die Designer gehen. Fee Kruse vom Wiener Label Fee im Glück entschied sich genau dafür: „Ich war früher Fotografin und zeitgleich mit der Geburt unseres Sohnes Moritz wollte ich mich auch beruflich verändern. Meine Mutter hat aus unseren Kindertagen Kindergewand aufgehoben, und unser Sohn hat dies immer getragen. Wo wir hingekommen sind, wurde das von allen bewundert. Als Moritz größer wurde, dachte ich, dass ich so etwas Ähnliches einfach nachkaufe, ich bin aber nirgends fündig geworden, und so ist die Idee zu einem eigenen Label entstanden.”

Ein weiterer Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit war die erfolglose Suche nach Kleidung, die auf die Bedürfnisse der Kleinen und Kleinsten abgestimmt ist. Kruse meint dazu: „Ich wollte buntes, farbenfrohes Kindergewand, jenseits der Palette von Hellblau und Rosarot, und solches, das wirklich für Kinder gemacht ist, nicht nur geschrumpfte Erwachsenenkleidung. Gewand in denen Kinder sich frei bewegen können.” Auch für Teresita Thielmann und Luise Hardegg-Brammertz ist diese Überlegung wichtig. Die beiden, die auch als „Schneeweiß und Rosarot“ firmieren, lancierten 2010 die Kollektion Lou Little. Hardegg-Brammertz erklärt den Hintergrund: „Wir wollen Kleidungsstücke machen, in denen die Kinder auch wirklich Kinder sind. Wir wollen nichts für kleine Erwachsene fertigen.”

Robust und regional. Beachtlich ist, wenn beim Entstehen von Kindermode mehrere Generationen zusammenarbeiten wie etwa beim Grazer Kindermode-Label und Familienbetrieb BuaMädscha: „Meine Oma strickt, meine Mutter strickt und näht, und auch ich sitze an der Maschine”, erzählt Designerin Nina Schanitz, deren Inspirationsquelle auch gleich noch die eigene Tochter ist. „Verarbeitung ist bei den Stücken das Um und Auf, Qualität unser Credo. Jedes Stück besitzt zumindest eine mit der Hand genähte Naht, manche Stücke werden sehr aufwendig. Produziert wird in Österreich, genauer gesagt in Oberösterreich und der Steiermark.”

Nicht weniger wichtig ist der Produktionsaspekt bei Lou Little; so versichert Luise Hardegg-Brammertz: „Uns ist wichtig, dass wir österreichische Designer sind und unsere Schneider auch wirklich in Österreich arbeiten. Wir wollen schließlich nicht, dass Kinder für Kinder nähen.” Fee Kruse von Fee im Glück hebt ebenso die Vorteile der hier stattfindenden Verarbeitung hervor: „Bei der Produktion ist fair für mich das Wichtigste, produzieren lassen wir seit einem Jahr in Wien beim Schneider ums Eck – so haben wir nicht nur faire Produktionsbedingungen, sondern auch keine Transporte undArbeitssicherung in Österreich.”

„Kinderbekleidung muss in erster Linie bequem sein.” betont Nina Schanitz von BuaMädscha, die vor allem für Kinder bis etwa fünf Jahre produziert. Ebenso wichtig ist freilich die Strapazierfähigkeit von Kindermode – das wissen auch die einkaufenden Eltern, die auf die robuste Verarbeitung und die Hochwertigkeit der Materialien achten. Darum wenden sich viele auch von billiger Massenware fragwürdiger Herkunft ab und setzen gerade für ihren Nachwuchs auf Qualität. „Es ist wichtig, dass man Kleidungsstücke produziert die man in dreißig Jahren auch noch tragen kann, Kleidung die man seinen eigenen Kindern und Enkelkindern weitergeben kann”, meint Hardegg-Brammertz. Ihre Geschäftspartnerin Teresita Thielmann fügt hinzu: „Wir versuchen jedes Stück als Unikat anzufertigen, es soll keine Massenproduktion sein. Auf Wunsch kann man sich auch etwas nach Maß anfertigen lassen.”

Mitwachs-Effekt. „Ideal sind Kleidungsstücke, die mitwachsen - zuerst Kleid, dann Leibchen zum Beispiel. Qualität ist dabei auch ein unglaublich wichtiger Punkt”, erzählt Nina Schanitz, die in der letzten Zeit ziemlich herumgekommen ist. Diverse Messeteilnahmen mit BuaMädscha und positive Reaktionen auf ihre Arbeit zeugen von wachsendem Erfolg; auch wenn die Designerin selbst ihr Weiterkommen ganz woanders sieht: „Ich sehe den Besuch einer Messe per se nicht als Meilensteine – ein wichtiges Ereignis ist vielmehr ein Teil aus meiner Kollektion, das in meinen Augen perfekt ist.” Das mit dem Mitwachsen – genauso wie das Über-Generationen-Weitergeben, ist eine Überlegung, die offenbar viele Designer von Kindermode anstellen.

„Wir haben viele Sachen, die so angelegt sind. Zum Beispiel ein Kleid für ein eineinhalbjähriges Kind, das ein vierjähriges Mädchen als Top tragen kann“, meint Teresita Thielmann. Eine tröstliche Aussicht für die jüngsten Modekunden, dass ihre Lieblingsstücke sie gleich einige Kindheitsjahre lang begleiten können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2011)