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Gericht stellt Strafverfahren gegen Strauss-Kahn ein

Die Anklage gegen `den Ex-IWF-Chef soll zurückgezogen werden
(c) REUTERS (Lucas Jackson)
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Der Richter folgt der Empfehlung der Staatsanwaltschaft. Die Behörde hatte zuvor die Anklage gegen den Ex-IWF-Chef zurückgezogen.

Ein New Yorker Richter hat die Klage gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, am Dienstag fallengelassen. Ihm war vorgeworfen worden, er habe ein Zimmermädchen in einem Hotel der Stadt gewaltsam zu sexuellen Handlungen gezwungen.

Grund für die Entscheidung des Richters war vermutlich nicht die bewiesene Unschuld Strauss-Kahns, sondern lediglich die mangelnde Glaubwürdigkeit der Geschädigten und einzigen Zeugin. Sie hatte in der Vergangenheit in anderen Angelegenheiten mehrfach gelogen und auch zu dem Tatverlauf widersprüchliche Angaben gemacht. Aus den Indizien lässt sich Rechtsexperten zufolge nicht ableiten, ob die sexuellen Handlungen erzwungen oder - wie von Strauss-Kahn behauptet - einvernehmlich waren.

In einer Erklärung teilte Strauss-Kahn mit, er könne es kaum erwarten, nach Hause zurückzukehren. "Die vergangenen Monate waren für mich und meine Familie ein Alptraum", schrieb er. Er danke "allen Freunden in Frankreich und den USA, die an meine Unschuld geglaubt haben". Besonders dankte er "Richter Obus und seinen Mitarbeitern".

Einer der Anwälte des mutmaßlichen Opfers, Kenneth Thompson, sagte nach dem Termin, Staatsanwalt Cyrus Vance habe "eine unschuldige Frau fallengelassen" und ihr "das Recht auf Gerechtigkeit verweigert". Er beklagte, dass nicht alle, die vor Gericht stünden, gleich behandelt würden. Zugleich kündigte Thompson an, die Zivilklage gegen Strauss-Kahn aufrecht zu erhalten.

Bereits am Montag hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft hat ihre Anklage gegenStrauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung offiziell zurückgezogen. Staatsanwalt Vance bat den zuständigen Richter Michael Obus, das Verfahren gegen den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds zu schließen. In seiner Begründung beschreibt der Staatsanwalt das angebliche Opfer, das Zimmermädchen Nafissatou Diallo aus Guinea, als "notorische Lügnerin".

Demonstration gegen Einstellung

Unmittelbar vor der erwarteten Einstellung des Verfahrens haben am Dienstag vor dem zuständigen New Yorker Gericht rund zwei Dutzend Feministinnen demonstriert. "DSK, Schande über Dich" und "Nafissatou, wir glauben Dir", stand auf Plakaten mit Bezug auf Strauss-Kahn und das Zimmermädchen Nafissatou Diallo, das ihm versuchte Vergewaltigung vorwirft. "Wir wollen, dass die Staatsanwaltschaft weiter gegen DSK ermittelt", sagte Alison Turkos von der Organisation "Slut Walk".

Die Begründung für die Einstellung, die in einem 25-seitigen Dokument zusammengefasst ist, wurde auf der Internetseite der New Yorker Justiz veröffentlicht. Darin erläutert der Ankläger, dass er sich nicht in der Lage sehe, das Verfahren fortzusetzen. Das Zimmermädchen, das Strauss-Kahn der sexuellen Gewalt bezichtigt, habe bei wiederholten Vernehmungen zu großen und zu kleinen Fragen "durchgehend und manchmal unverständlich" die Unwahrheit gesagt.

Da aber der Fall gegen den einst mächtigsten Banker der Welt mit der Aussage der einzigen Zeugin "steht und fällt", sehe er keinen anderen Weg, als die Anklage aufzugeben, schreibt Vance. Diallo erregte mit ihrer ersten Schilderung vom angeblichen Tathergang keinen Verdacht, verteidigt sich der Staatsanwalt. Bei weiteren Nachfragen habe sie dann aber bis zu drei verschiedene Versionen von wichtigen Details geliefert.

Zeugin unter Eid von Wahrheit abgewichen

Das mache es der Staatsanwaltschaft unmöglich, die Anklage gegen Strauss-Kahn zweifelsfrei vor einer Jury zu vertreten. Unter anderem sei fraglich, ob das "Opfer" den angeblich unfreiwilligen Oralsex tatsächlich gegen ihren Willen und gewaltsam erzwungen durchführte. Die Zeugin sei sogar unter Eid von der Wahrheit abgewichen, räumt Vance ein.

"Es fällt uns schwer, um den Abschluss des Verfahrens zu bitten", gesteht Manhattans Oberstaatsanwalt in dem Schreiben. Aber er habe keine andere Wahl. Sein Antrag ging noch am Abend beim Strafgericht ein und sollte am Dienstag in Anwesenheit von Strauss-Kahn bei einer schon länger geplanten Anhörung zur Sprache kommen, sagte eine Sprecherin der Justiz, Arlene Hackel, der Nachrichtenagentur dpa.

Zweite Klage in Frankreich

Das spektakuläre Justizdrama um den 62-jährigen Strauss-Kahn hatte am 14. Mai begonnen, also genau 100 Tage vor dem Bekenntnis seines Anklägers, einer Lügnerin aufgesessen zu sein. Fest stand bereits, dass der Franzose am Dienstag seine Pässe zurückerhalten würde und dann als freier Mann in seine Heimat zurückkehren könnte.

Dort wartet zwar eine zweite Klage wegen angeblich sexueller Gewalt auf ihn, aber auch die Aussicht auf eine neue politische Karriere. Vor seiner Haft hatte Strauss-Kahn als aussichtsreicher Kandidat der Sozialisten für das Amt des französischen Präsidenten gegolten. Wie schnell er die New Yorker "Sexaffäre" und den neuen Fall in seiner Heimat abschütteln kann, bleibt abzuwarten.

 

(APA)