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Wunderkinder der Welt, bescheidet Euch!

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Talent braucht Zeit, Eifer und Demut: Im Sport wie in der Politik. Was die Frage aufwirft, ob es schlau ist, junge Talente zu früh zu exponieren.

 

Wie geht's eigentlich Freddy Adu? Wohl eher so lala, wenn man sich vor Augen hält, dass dieser 22-jährige US-amerikanische Fußballspieler, vor acht Jahren als großes Wunderkind gepriesen, mit Pelé TV-Werbespots drehen durfte und im Jahr 2007 zu Benfica Lissabon transferiert wurde, wo er so gut wie nie spielte, auch für AS Monaco, Belenenses Lissabon sowie Aris Saloniki zu schwach war und nach einem wenig berauschenden Gastspiel in der zweiten türkischen Liga vor wenigen Tagen dort gelandet ist, wo kein Fußballprofi mit 22 Jahren landen will, nämlich beim Verein Philadelphia Union.

Ich habe Adu einmal im Benfica-Dress spielen gesehen, am 1. Dezember 2007 bei einem 0-1 vor 60.000 Zuschauern gegen den FC Porto. Es war eines der letzten Matches des großen Portugiesen Rui Costa, und während alles, was Costa tat, Hand und Fuß hatte, fragte man sich nach den 21 Minuten, die Adu mitspielen durfte, ob er den Platz im Benfica-Kader bei einer Castingshow gewonnen hat.

Und die Moral von der Geschicht'? Ich weiß nicht, ob es eine gibt, und man soll sich davor hüten, anhand des Fußballs die Welt erklären zu wollen, aber wenn ich mir vor Augen halte, wie schnell zum Beispiel die beiden einstigen österreichischen Großparteien junge Leute in hohe Ämter heben, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ÖVP und SPÖ denselben Fehler begehen wie einst die Berater von Freddy Adu.

Mit dem – je nach Sichtweise – tröstlichen oder empörenden Unterschied, dass sich für die Freddy Adus der österreichischen Innenpolitik im Fall ihres Falles noch immer eine gut bezahlte Bewegungstherapie im staatsnahen Bereich finden lässt.

 

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2011)