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US-Ostküste: Gebäudeschäden bei stärkstem Erdbeben seit 1897

In Washington wurden zahlreiche Gebäude evakuiert.
(c) AP (J. Scott Applewhite)

Das Epizentrum lag im Bundesstaat Virginia. Das Beben war in Washington und New York zu spüren. Kapitol und Pentagon wurden evakuiert.

An der Ostküste der USA hat sich am Dienstag um 19.51 Uhr MESZ ein Erdbeben der Stärke 5,8 ereignet. Die Erschütterungen waren bis nach Toronto in Kanada spürbar. Betroffen waren auch die Städte Washington und New York. In der US-Hauptstadt schwankten zahlreiche Gebäude. Das Kapitol, das Außenministerium (State Department) und das Pentagon wurden geräumt. Es gab keine Berichte über ernste Verletzungen.

Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte bei der Ortschaft Mineral im Bundesstaat Virginia, etwa 130 Kilometer von der Hauptstadt Washington entfernt, in nur ein Kilometer Tiefe. Es war das stärkste Beben in dieser Region seit 1897.

Washington Monument beschädigt

Die Kathedrale der US-Hauptstadt Washington und das Washington Monument sind bei dem Erdbeben am Dienstag beschädigt worden. Ein Sprecher der Episkopal-Kirche sagte, drei der vier Turmspitzen des Hauptturmes seien herabgestürzt. Der Turm selbst scheine sich leicht zu neigen. Die zweitgrößte Kathedrale der USA - traditionell Schauplatz von Trauerfeiern für verstorbene Präsidenten - wurde unmittelbar nach dem Erdbeben evakuiert. Verletzt worden sei niemand. Steinmetze hätten bereits mit Reparaturarbeiten begonnen.

Ebenfalls beschädigt wurde offenbar das Washington Monument. Am oberen Teil des knapp 170 Meter hohen Marmor-Obelisken sei ein Riss entdeckt worden, teilte das National Park Service mit. Das Bauwerk werde bis auf weiteres aus Sicherheitsgründen geschlossen, sagte Sprecher Bill Line. Aus dem Dach der Botschaft von Ecuador stürzten Ziegel herab und beschädigten ein Auto.

Atomkraftwerke abgeschaltet

Die Behörden kündigten an, alle Atomkraftwerke in der Region verschärften Kontrollen zu unterziehen. Zwölf Anlagen in sechs US-Staaten meldeten nach dem Beben "ungewöhnliche Ereignisse", wie die Bundesbehörden mitteilten. Zwei Reaktoren eines Atomkraftwerkes in Virginia schalteten sich automatisch ab. Dabei habe es keine Probleme gegeben, bekräftigte der Betreiber Dominion Virginia Power. Nach mehreren Stunden mit Notversorgung bekommen die beiden Reaktoren wieder Strom.

"Die Erde hat mehr als 40 Sekunden gebebt", berichtete eine Augenzeugin in Washington. Tausende Menschen seien ins Freie gelaufen. "Die Erde hat ganz kräftig gewackelt. Die Ampeln und Telefone sind zum Teil ausgefallen." Auch in der U-Bahn waren die Erdstöße zu spüren, der Bahnbetrieb wurde jedoch nicht unterbrochen.

Flugverkehr eingestellt

In New York wurde das Rathaus geräumt. Es gab so starke Erschütterungen, dass die Baurabeiten am neuen World Trade Center eingestellt wurden. Einige Veranstaltungen mussten abgebrochen werden, darunter die Pressekonferenz des Staatsanwalts Cyrus Vance zum Fall Dominique Strauss-Kahn.

Weil die Kontrolltürme auf den Flughäfen John F. Kennedy und Newark evakuiert wurden, kam der Flugverkehr in der US-Metropole zeitweise zum Erliegen. Flugzeuge mussten auf Anordnung der nationalen Flugsicherung auch in Washington und Philadelphia auf dem Boden bleiben. Die Start- und Landebahnen wurden auf Schäden untersucht.

(Ag.)