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Noch keine göttliche Einigung: Streit um Kloster in Istrien

Symbolbild
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Die Diözese Linz ist zur Hälfte Eigentümer des Klosters Dajla und das kroatische Justizministerium hat entschieden, dass es an den kroatischen Staat zurückfallen soll.

Zagreb/Linz - Es ist noch kein Ende des Streits um das Kloster Dajla in Istrien zwischen der Diözese Porec-Pula und dem Vatikan in Sicht: Obwohl das kroatische Justizministerium entschieden hat, dass das Kloster samt Grundbesitz an den Staat zurückfallen soll, beharrt Diözesanbischof Ivan Milovan darauf, gegenüber dem Vatikan und dem Kaptol, dem Bischofssitz in Zagreb, Recht gehabt zu haben. Demnach habe die istrische Diözese das Kloster und umliegende Häuser selbst, beziehungsweise durch die Firma Benedikt d.o.o., gekauft. Dadurch gehört das Kloster zum Teil auch der Diözese Linz.

Eigentumsverhältnisse unklar

Die Linzer Diözesane Immobilien-Stiftung halte 50 Prozent der Anteile an der Benedikt d.o.o., erklärte Vorstand Karin Preining. Die Gesellschaft habe nach kroatischem Recht einige Liegenschaften im Wege einer Sacheinlage erhalten, einige Flächen, im Wesentlichen in den Jahren 2000 bis 2004, gekauft. Ursprungsidee für die Gesellschaft war, ein Bildungshaus für die Diözese vor Ort zu entwickeln, ein Ferienhaus für Menschen mit Beeinträchtigungen in Kombination mit einer sanften touristischen Nutzung des gesamten Areals in Dajla. "Selbstverständlich werden wir uns - bei einem Rückfall an den kroatischen Staat - erneut mit den Eigentumsverhältnissen beschäftigen", so Preining. Derzeit könne die Diözese allerdings keine konkreten Aussagen treffen, da ihr noch kein umfassendes Bild der Gesamtsituation vorliege.

Die Vorgeschichte

Dajla gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg den Benediktinern aus Praglia (Padua), diese wurden jedoch vom sozialistischen Regime enteignet und vertrieben. Ende der 90er Jahre übergab die Republik Kroatien die Immobilien, das Kloster und dazugehörige Grundstücke, der Diözese Porec-Pula.

So ganz stimme das nicht, sagt nun Bischof Milovan in einem Brief an die Bischöfe, aus dem die Zeitung "Vecernji list" zitiert. Laut Milovan seien die Italiener vom italienischen Staat mit sechs Millionen Euro entschädigt worden. Das Kloster aber und einige dazugehörige Gebäude habe die Firma Benedikt d.o.o., die der Diözese Linz, der Diözese Porec-Pula und der Pfarre Dalja gehört, von der Firma Istraturist gekauft, so Milovan im Brief. Der Komplex habe man also weder von den Benediktinern, noch vom Staat bekommen, sondern habe ihn gekauft.

Milovan und andere Geistliche der Diözese hatten sich vor mehreren Wochen, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung, einstimmig dafür ausgesprochen, das Kloster dem Staat zurückzugeben. An dieser Entscheidung hält Milovan auch heute fest: "Ich hoffe, dass alle die Entscheidung der Republik Kroatien akzeptieren und dass damit der Konflikt beendet ist, der der gesamten Kirche großen Schaden zugefügt hat", so Milovan.

Laut Darstellung des Kirchenmediums "Glas Koncila", dem Organ der Erzdiözese Zagreb, haben die Benediktiner die Entschädigung des italienischen Staates nicht angenommen. Als das Kloster wieder an die Kirche, sprich die Diözese Porec-Pula ging, versuchte man sich im Jahr 2000 innerkirchlich zu einigen. Obwohl sich die Benediktiner mit der Diözese auf die Aufteilung der Immobilien 2006 vertraglich verständigt hatten, und beschlossen hatten, keine zivilen Gerichte anzurufen, bestritten die Italiener noch den offiziellen Rechtsweg gegen die Diözese, die Republik Kroatien, die Pfarre Dajla sowie die Stadt Novigrad, was die Beziehungen erschwerte, so "Glas Koncila". Darauf setzte Papst Benedikt XVI. eine Kommission ein, die die Entscheidung aus dem Jahr 2006 durchführen sollte.

 

Der Einsatz der Kommission führte letztendlich zum Aufstand, der Anfang August an die Öffentlichkeit gelangte. Denn der Vatikan setzte im Juli den spanischen Bischof Santos Abrila y Castello ein, der den Vertrag zur Aufteilung des Dajla-Besitzes statt Bischof Milovan unterschrieb. Dieser Plan sah vor, dass die istrische Diözese 60 Prozent des Besitzes - das Kloster und 272 Hektar Land - erhalten sollte, die Benediktiner in Italien den Rest - 186 Hektar Land sowie eine Entschädigung über 4,5 Millionen Euro für Besitz, den die Diözese verkauft hatte.

Die Diözese und ihr Bischof jedoch weigerten sich und gingen an die Öffentlichkeit und forderten auch die Hilfe der Regierung ein. Die Versuche des Vatikans und des Zagreber Kardinals Josip Bozanic, den Konflikt daraufhin innerkirchlich zu lösen, wobei auch ein Redeverbot verhängt wurde, blieben erfolglos. Das Justizministerium sprach vor zehn Tagen ein Machtwort, was der Vatikan scharf kritisierte. Klagen sind nicht ausgeschlossen. (APA)