Seit ich als Elfjähriger Richard Attenboroughs „Gandhi“ im Kino gesehen habe, steht für mich fest: Der Gute hat dem Schwachen beizustehen.
Seit ich als Elfjähriger Richard Attenboroughs „Gandhi“ im Kino gesehen habe, steht für mich fest: Der Gute hat dem Schwachen beizustehen. Da kommt es mir gerade recht, dass ich einem in Verruf Geratenen zur Seite eilen kann. Einem, der momentan richtig schwere Zeiten durchmacht. Dem Euro. Gut, unsere Währung mag zwar nicht so hart und langlebig sein, wie wir alle gehofft haben. Das Weichei hat aber jedenfalls ein Manko nicht, das vor allem Schilling-/D-Mark-/Lire-Nostalgiker seit Jahren ins Feld führen. Diese (meist auch EU-Skeptiker) behaupten standhaft, das Reisen in Europa mache ohne Geldwechseln und Grenzen keine rechte Freude mehr. Für alle, die Grenzen vermissen, gibt es einen einfachen Ausweg. Sobald man sich einem ehemaligen Grenzübergang nähert, fährt man rechts ran, sucht seinen Pass, wartet zwanzig Minuten, öffnet dann den Kofferraum, räumt alles raus, danach wieder rein und – fährt weiter. Was den Euro angeht: Man kann ihn natürlich auch ausgeben wie früher Lire. Dazu hebt man vor der Italien-Reise Euroscheine in Zwanziger-, Fünfziger- und Hunderterstückelungen ab und gibt sie lose in z .B. eine Bauchtasche mit Pass, Kamera und grüner Versicherungskarte zusammen. Immer, wenn man etwas kaufen will, tut man das in schlechtem Italienisch, sodass das Gegenüber den Preis auf Italienisch nennt. Weil man den natürlich nie genau versteht, aber nicht nachfragen will, kramt man nach einem viel zu großen Schein (z. B. einem Zwanziger für ein Eis), das Wechselgeld (darunter immer viele Münzen) lässt man in die Tasche zurückfallen.
Nach einer Zeit hat man ein Münzenscheingemisch, dessen Wert man nicht annähernd abschätzen kann. Und da ist es wieder, dieses Lire-Gefühl. Wunderbar, unser Euro! Aber wer weiß, was ich geschrieben hätte, wenn ich damals den Film nicht gesehen hätte.