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Apple und Microsoft: Geschichte einer Hassliebe

Apple Microsoft Geschichte einer
(c) � Jim Bourg / Reuters
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Beide Unternehmen sind jahrelange Feinde und enge Geschäftspartner. Schon in den Siebzigern arbeiteten Apple und Microsoft zusammen. 1997 rettete der Windows-Hersteller den Mac-Erfinder.

Unglauben, Entsetzen und Buhrufe. Die Schar der Apple-Fans reagierte geschockt, als Steve Jobs 1997 eine Partnerschaft mit Microsoft ankündigte. Der bisher als Erzfeind verschrieene Windows-Hersteller investierte 150 Millionen US-Dollar in Apple und kündigte seine Bürosuite Office und den Internet Explorer für Macs vor. Obwohl zahlreiche Besucher der Macworld Expo, wo die Zusammenarbeit verkündet wurde, "No!" schrieen und laut buhten, rettete Microsoft damit das damals krisengebeutelte Apple.

"Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnt", peitsche Jobs die aufgebrachten Besucher zurück. "Wir brauchen alle Hilfe, die wir kriegen können." Damals war Jobs gerade erst frisch an die Spitze des Konzerns zurückgekehrt. Von den späteren Erfolgen eines iPod oder iPhone war noch keine Rede. 1996, als Jobs noch für seine damalige Firma NeXT tätig war, hatte er aber noch weniger positive Worte für Microsoft übrig. Der Hersteller mache "drittklassige Software", erklärte er in einem Interview.

Immer wieder gekreuzte Wege

Microsoft hatte die Neunziger mit seinem Windows-Betriebssystem beherrscht wie kaum ein anderes Unternehmen in der Computerbranche. Viele Apple-Fans hatten dem Software-Giganten Ideenklau vorgeworfen. Immerhin hatte Apple mit dem Macintosh das erste grafische Benutzerinterface für den Massenmarkt entworfen. Microsoft konnte sich davon einiges abschauen, da sie Software für den Mac entwickelten. Aber schon zuvor hatte die Firma rund um Bill Gates Software für den 1977 veröffentlichten Apple II entwickelt.

"Herzblatt" mit Bill und Steve

Es folgten Patentstreitigkeiten zwischen den beiden Firmen. Die Grabenkriege der Chefetagen setzten sich bis zu den kleinsten Nutzern fort. Es wurde fast schon zum Religionskrieg, wer welchem Hersteller die Treue hielt. Umso größer der Schock für die Apple-Fans, als Bill Gates in Großaufnahme ein paar Worte zur Partnerschaft mit dem einstigen Rivalen fallen ließ.

Die Rivalität war aber oft nur eine äußerlich wahrgenommene. Schon bei einer Veranstaltung 1983 kündigte Bill Gates an, dass Microsoft erwarte, die Hälfte seines Umsatzes 1984 auf dem Macintosh zu machen. Ein Video zeigt, wie locker die Branche damals noch war. Die Veranstaltung war wie die Dating-Show "Herzblatt" aufgezogen. Dennoch zogen sich die Unternehmen oft gegenseitig durch den Kakao. Die "Mac vs. PC"-Werbekampagne, in der zwei Schauspieler symbolisch für einen Mac- und einen Windows-Computer auftraten, ist legendär, auch wenn sie inzwischen eingestellt wurde.

"Eiswasser in der Hölle"

Zehn Jahre nach Beginn der historischen Partnerschaft betraten die beiden Technik-Ikonen erneut gemeinsam die Bühne. Das Wall Street Journal holte die Firmengründer anlässlich der Konferenz "D" des hauseigenen Technikblogs "All Things Digital" für ein Interview vor Publikum unter die Scheinwerfer. Es folgte ein entspanntes und freundschaftliches Gespräch, das immer noch regelmäßig die Runde auf YouTube macht. Ein paar scherzhafte Spitzen ließ Steve Jobs dann aber doch los. So sei etwa iTunes deswegen so beliebt auf Windows, weil es für die Nutzer wie "ein Glas Eiswasser in der Hölle" sei.

Hat einst Microsoft von Apple abgekupfert, so macht es Steve Jobs jetzt Bill Gates nach. Er wechselt vom Tagesgeschäft in den Aufsichtsrat. Allerdings ist der Rücktritt des Apple-Gründers nicht freiwillig geschehen. Seine Krankheit zwingt ihn dazu, das Ruder abzugeben. Es darf aber erwartet werden, dass er, genauso wie Gates, auch weiterhin den Weg seines Unternehmens genau verfolgen wird.

(db)