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Bildung: Kinder in der „Warum“-Phase sind begeisterte Forscher

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Der Mangel an technischen Fachkräften sollte durch bessere Nachwuchsförderung junger Menschen in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik gemindert werden. Die Lösungsansätze der Didaktiker sind vielfältig.

„Mädchen haben kein rosa Gehirn und Buben kein blaues“, sagt Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) im Arbeitskreis „Forschen im Klassenzimmer“ in Alpbach. Es mangelt an Fachkräften in Naturwissenschaft und Technik, aber wie kann man bereits junge Menschen – beiderlei Geschlechts – verstärkt dafür begeistern? „Wir müssen uns alle Potenziale der Schüler bewusst machen. Doch auch Geschlechtsstereotypen sind derart in unserer Kultur verankert, dass sie unbewusst weitergegeben werden.“ So zeigt eine Analyse aktueller Schulbücher, dass abgebildete Menschen mit einem Hammer in der Hand immer Männer sind, während Frauen auf den Bildern oft Handtaschen tragen. Und das, obwohl die Bücher bei der Approbation auf Genderaspekte geprüft werden.
Die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben in der Biologie und Kognitionsentwicklung mögen zwar da sein, viel wichtiger ist für Spiel aber der Beitrag, den Eltern und Pädagogen bei der Vermittlung typischer Rollenbilder spielen: Das führt dazu, dass die grundlegende Begeisterung für Biologie, Physik, Chemie und Technik, die vor dem Kindergartenalter noch bei Buben und Mädchen gleich ist, bei den Mädchen schneller schwindet. Als Lösung schlägt Spiel vor, solche Probleme im (koedukativen) Unterricht dezidiert anzusprechen und bereits die Lehrer in der Ausbildung für die unbewusste Stereotypenbildung zu sensibilisieren.
Die Chemie-Didaktikerin Gisela Lück (Uni Bielefeld) will nicht alle naturwissenschaftlichen Fächer in einen Topf werfen. Denn bei Biologie gebe es viel mehr Begeisterungspotenzial als bei Chemie und Physik. „Dabei sind gerade das die Basiswissenschaften für Industriegesellschaften wie in Österreich“, so Lück. Daher entwickelt ihr Team Experimente und Forschungsaufgaben, die bereits kleine Kinder (in der „Warum“-Phase!) mit physikalischen und chemischen Grundlagen vertraut machen. Wenn man Kinder z. B. fragt, warum sie sich mit einem Taschentuch und nicht mit Alufolie die Nase putzen, kommen sie selbst drauf, dass es mit Oberflächenbeschaffenheit zu tun hat. „Die Erinnerungsfähigkeit an sinnvolle Experimente ist sehr hoch, egal, aus welcher sozialen Schicht die Kinder kommen.“ Naturphänomene seien zu schade, um das Wissen dazu durch stupides Auswendiglernen à la longue verloren gehen zu lassen. „Wir dürfen nicht zu stark an den Inhalt denken, sondern an die Form der Vermittlung.“ Und all die Projekte zur Begeisterung der Kleinen müssen wissenschaftlich begleitet werden.