Let's make money: Zusehen als beste Börsenstrategie

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Symbolbild(c) REUTERS (� Kai Pfaffenbach / Reuters)
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Warum Zusehen jetzt die beste Börsenstrategie und Apple ein Kauf ist – aber erst nach der Kursbodenbildung.

Wie gewonnen, so zerronnen. Die erwartete Gegenbewegung nach den starken Kursverlusten an den Börsen war schon zur Wochenmitte praktisch wieder Geschichte. Aber selbst wenn die Kurse (wie sich Freitagnachmittag nach der Bernanke-Rede abzeichnete) wieder ein wenig steigen, bleibt die bereits im Juli hier ausgesprochene Empfehlung, als mittelfristig orientierter Anleger den Aktienmarkt bis auf Weiteres zu meiden, aufrecht. Es gibt nämlich weiterhin keine Anzeichen für eine echte Bodenbildung.

Im Gegenteil: Die Chartbilder der wichtigsten Indizes schauen anhaltend grimmig aus. Zudem kommen immer wieder Konjunkturdaten, die zumindest auf eine deutliche Wachstumsabkühlung hindeuten. Und an der Schuldenmisere der Euroländer und der USA hat sich ebenso wenig geändert wie an der mäßigen Lösungskompetenz der damit befassten Politkapazunder. Woher also sollen positive Signale für die Kurse kommen?

Besonders schlimm erwischt hat es den (für österreichische Anleger nicht ganz unwichtigen) deutschen Leitindex DAX. Der hat in den letzten vier Wochen mehr als ein Viertel eingebüßt. Und der Abwärtstrend ist ganz eindeutig intakt. Dass der Trendfolgeindikator MACD gerade auf ein Kaufsignal zusteuert, sollte hier nicht irritieren: In einer derartigen Chartkonstellation hat das nichts zu sagen.

Der DAX ist in den vergangenen Tagen äußerst volatil (mit Tagesschwankungen von bis zu 300 Punkten) zwischen 5400 und 5700 gependelt. Er wird aus diesem Kanal bald ausbrechen. Kann er sich über 5600 Punkten nachhaltig festkrallen, dann ist eine sogenannte „Reliefrallye“ möglich, die durchaus deutlich über 6000 Punkte führen kann. Da sollten aber nur mit dem „Trader Gen“ ausgestattete Kurzfristanleger aufspringen. Denn der Abwärtstrend ist wie gesagt intakt.

Sollte der DAX, was viel wahrscheinlicher ist, die 5400er-Marke nachhaltig nicht halten können, dann heißt es anschnallen. Denn dann wird es wohl in die Gegend von 5000 oder darunter gehen. Anlegern, die mittelfristig agieren, kann man also nur raten abzuwarten. Und die Zeit zu nutzen, um für die Wende rasch Einkaufsstrategien parat zu haben.

Dringend warnen muss man vor dem Versuch, jetzt „Schnäppchen“ zu suchen und gleich zuzuschlagen. Es sind nämlich schon wieder Propheten unterwegs, die meinen, manche Blue Chips seien so billig geworden, dass man blind zuschlagen könne. Etwa bei der Commerzbank(ISIN DE0008032004), deren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nach einem 66-prozentigen Kurssturz in diesem Jahr gerade noch bei vier liegt. Oder die beiden deutschen Energieriesen E.ON(ISIN DE000ENAG999) und RWE(ISIN DE000ENAG999), deren KGVs durch ebenfalls dramatische Kursstürze auch weit unter zehn gerutscht sind.

Bitte nicht: Von Bankaktien lassen verantwortungsvolle Kleinanleger jetzt überhaupt die Finger. Die Branche hat viel zu viele offene Baustellen und Gefahrenherde, als dass man hier mit einigermaßen seriösen Erfolgsaussichten investieren könnte.

Und den beiden deutschen Energieriesen ist mit der alemannischen Energiewende nach Fukushima schlicht ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells abhandengekommen. Solange sie sich nicht für die neue deutsche Energiewelt umpositioniert haben, werden sie mit Problemen kämpfen, was Kurshöhenflüge schwierig machen wird.

Abgesehen davon, dass man eine Aktienbewertung nach KGV derzeit ohnehin vergessen kann: Die meisten KGVs beruhen noch auf den viel zu positiven Gewinnschätzungen aus der „Vor-Crash-Zeit“. Die Korrektur dieser Gewinnschätzungen wird aus so manchem vermeintlichen „Schnäppchen“ über Nacht wieder eine ziemlich teure Angelegenheit machen.

Was man sich freilich näher anschauen sollte, ist das Papier des US-Computerherstellers Apple(ISIN US0378331005): Das liegt heuer trotz des August-Crashs immer noch mit 15 Prozent im Plus, hat während des Crashs nur sieben Prozent verloren und auf den (offenbar bereits „eingepreisten“) Abgang von Steve Jobs von der Konzernspitze erstaunlich robust reagiert: Die Aktie schnitt am Donnerstag sogar besser ab als der Gesamtmarkt. Das Kursziel liegt unverändert bei rund 490 Dollar – und es scheint auch erreichbar, wenn es an den Märkten wieder nach oben losgeht. Bis dahin sollte man eingedenk der eigenen finanziellen Gesundheit aber auch mit dem „Apfelkauf“ zuwarten.

josef.urschitz@diepresse.com
diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2011)

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