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Peter Hartz: "Damit muss ich jetzt umgehen"

(c) AP (FABIAN BIMMER)
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Trotz Kritik sieht der Ex-Manager seine Arbeitsmarktreform in Deutschland als Erfolg. Sein Ziel, die Arbeitslosenzahl zu halbieren, hat er nicht erreicht.

Alpbach. Peter Hartz würde am liebsten gar nicht reden. Nach seinem Vortrag im Rahmen des Forums Alpbach lässt er sich nur mühsam zu einem Gespräch überreden. Und auch „nur über den Arbeitsmarkt. Ich rede nur über den Arbeitsmarkt“, sagt er. Nicht fragen lassen will er sich also zum VW-Prozess, in dem er als Ex-Personalvorstand unter anderem wegen Untreue zu 576.000 Euro Geldstrafe und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde.
Nicht nur in seinem Heimatland Deutschland verbinden viele den Namen des 70-Jährigen mit Ein-Euro-Jobs, mit Menschen, die ihr Geld lieber für Alkohol ausgeben, als ihren Kindern Winterjacken zu kaufen, die nicht „an der Gesellschaft teilnehmen“ können. Mit Leben am unteren Rand, mit sozialer Kälte.
Trotzdem ist Peter Hartz überzeugt, dass seine Arbeitsmarktreform ein Erfolg war. Auch, wenn er die Kritik versteht: „Das war eine Reform, die natürlich nicht stehen bleibt, sondern weiterentwickelt werden muss“, sagt er. Und den guten Willen und das Engagement dazu wolle er der jetzigen deutschen Regierung nicht absprechen.
Mit der Reform sollte die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland seinem Versprechen nach auf zwei Millionen halbiert werden – gelungen ist das nicht. Im Juli lag die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland noch immer bei knapp drei Millionen. Der Kern der Reform war die Zusammenlegung der Langzeitarbeitslosenhilfe (entspricht etwa der Notstandshilfe in Österreich) und der Sozialhilfe.

Talentdiagnostik für Arbeitslose

Heute sieht Hartz das Problem vor allem in der Langzeitarbeitslosigkeit. „Es gibt einen Block von rund zwei Millionen, in dem sich wenig bewegt“, sagt er. Um selbst etwas zu bewegen – vielleicht auch, um das schlechte Image des Namens zumindest etwas zu korrigieren –, gründete Hartz 2009 die Plattform „Minipreneure“, das heißt etwa „Kleinstunternehmer“. Per Talentdiagnostik soll festgestellt werden, welche Interessen, Kompetenzen und Fähigkeiten jemand in den Arbeitsmarkt einbringen kann. So sollen Arbeitslose (wieder) integriert werden. Man dürfe sie nicht alleine lassen mit ihrer Suche nach einer Beschäftigung. Nur so bekämen sie eine Perspektive.
Jobs werden in den Bereichen Heimbetreuung und Natur und Garten entstehen, glaubt Hartz. Auch Dienstleistungen für Selbstständige würden künftig verstärkt nachgefragt.
Die Talentdiagnostik könne auch für Rentner angewendet werden. Hartz stellt sich ein Tandem vor, in dem ältere Arbeitnehmer jüngere, die möglicherweise auch neu in den Arbeitsmarkt einsteigen, coachen. „Die Hochaltrigen brauchen auch eine Anerkennung ihrer Leistung. Daraus kann ein sehr schönes Dienstleistungsverhältnis werden“, sagt Hartz. Wir müssten die Potenziale des Einzelnen in den Mittelpunkt stellen, unabhängig vom Alter.
Ob es Peter Hartz stört, dass er wohl Zeit seines Lebens mit der ungeliebten Arbeitsmarktreform in Verbindung gebracht werden wird? Bevor er antwortet, atmet er ein paar Mal hörbar, spielt nervös an seiner Aktenmappe herum. Dann murmelt er: „Die Ergebnisse der Reform sehe ich positiv. Die Namensgebung hätte es nicht gebraucht.“ Und sein Leben – wie hat es sich seither verändert? „Das ist durchaus belastet, aber jetzt muss ich damit umgehen.“