Schnellauswahl

Ägypten: Mehrheit für Islam-Parteien

(c) REUTERS (AMR ABDALLAH DALSH)
  • Drucken

Nach dem Umsturz in Ägypten ist die Bevölkerung gespalten. Eine in Alpbach präsentierte Umfrage zeigt bei Jugendlichen eine Unzufriedenheit über den langsamen politischen Wandel. Ältere vertrauen auf die Armee.

Alpbach/Apa. Sechs Monate nach dem Umsturz in Ägypten ist die Bevölkerung über weitere Fortschritte im politischen Umbruch gespalten. „Die jungen Revolutionäre sind unzufrieden“, sagte der ägyptische Meinungsforscher Mansour Elganady am Montag im Gespräch mit der APA. Seit dem Sturz des autokratischen Präsidenten Hosni Mubarak habe es jeden Tag Demonstrationen auf den Straßen Kairos gegeben, die raschere Reformen einmahnten. „Die Älteren sagen hingegen: Jetzt ist einmal genug.“ Eine große Mehrheit der Bevölkerung vertraue dem Militär und der Übergangsregierung und wünsche einen ruhigen Übergang zur Demokratie. Der Geschäftsführer von GfK Ägypten, der diese Ergebnisse in Alpbach präsentiert hat, stützt sich dabei auf Zahlen, die sein Institut von März bis August erhoben hat.

 

Moslembruderschaft voran

Politisch ist das Land nach Ansicht des Meinungsforschers in zwei Lager gespalten, die islamischen Parteien und die Liberalen. Als Favoriten gehen nach Ansicht von Elganady islamische Parteien in die für Herbst geplanten Wahlen. Diese könnten bis zu 60 Prozent der Stimmen erhalten. Wobei das muslimische Lager keine homogene Gruppe sei, sondern eine Mischung aus verschiedensten Parteien, von denen manche eher der radikalislamischen Hamas und andere der moderaten türkischen Regierungspartei AKP ähnlich seien. Stärkste Gruppe in diesem Segment dürft die Moslembruderschaft werden, die laut Schätzung von Elganady zwischen 15 und 25 Prozent der Stimmen erhalten könnte.

Als Favorit für die Präsidentenwahl sieht die Gfk-Studie den früheren Chef der Arabischen Liga, Amr Moussa. Rund 40 Prozent der Befragten halten ihn für einen geeigneten Kandidaten. Moussa liegt demnach einsam an der Spitze: Keiner der anderen Kandidaten erhielt mehr als acht Prozent Zuspruch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2011)