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USA: Madame Fauxpas und der Hurrikan

(c) EPA (BRIAN BLANCO)
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Präsidentschaftskandidatin Michele Bachmann bezeichnete die Wetterkapriolen als „Akt Gottes“. Anderntags wollte Bachmann alles nicht so gemeint haben, dies sei nur ein Scherz gewesen.

Washington. Um eine kräftige Aussage ist Michele Bachmann selten verlegen. Die republikanische Präsidentschaftskandidatin weiß, den Zorn der Wähler zu schüren – und dabei ist ihr jedes Mittel recht. Als evangelikale Christin steht sie mit Gott gleichsam auf Du und Du, und so verwunderte es nicht, dass sie jüngst bei einem Wahlkampfauftritt vor Pensionisten in Florida vom Erdbeben in Virginia und dem Hurrikan „Irene“ unter beifälligem Gejohle als „Akt Gottes“ sprach.

„Ich weiß nicht, was Gott noch alles tun muss, um die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich zu ziehen. Wir hatten ein Erdbeben, wir hatten einen Hurrikan. Er sagte: ,Werdet ihr mir endlich zuhören?'“ Die Attacke war gegen die „Ungläubigen“ in Washington gerichtet, gegen die Prasser und die Staatshörigen. „Hört auf das amerikanische Volk, die Leute brüllen. Die Regierung hat sich eine tödliche Diät verordnet, eine Mastkur.“

 

„Bachmann spricht mit Gott“

In der „Washington Post“ spottete ein Kolumnist: „Bachmann spricht mit Gott – schon wieder.“ Ihr Mann Marcus, ein Psychologe, hatte kürzlich für Furore gesorgt. Seine Praxis warb damit, Homosexuelle von „ihrer Krankheit zu kurieren“. „To pray the gay away“, lautete prompt der Slogan – das „Schwulsein wegbeten“. Marcus Bachmann wird großer Einfluss auf seine Frau zugeschrieben, er begleitet ihren Wahlkampf als stiller Einflüsterer. Um ihre Ablehnung in der Abtreibungsfrage unter allen Umständen zu betonen, schilderte die fünffache Mutter und 23-fache Pflegemutter eine Fehlgeburt, die sie in jungen Jahren erlitten habe. Die Enthüllung verschaffte ihr nicht nur in konservativen Kreisen Achtung.

Anderntags wollte Bachmann alles nicht so gemeint haben. Ihr Kommentar zu den Wetterkapriolen sei doch nur ein Scherz gewesen, relativierte sie bei einer von Donner und Blitz orchestrierten Rede vor Exil-Kubanern in „Little Havanna“ in Miami. Bei der 55-jährigen Kongressabgeordneten aus Minnesota, einem Darling der Tea-Party-Bewegung, verrutschen mitunter die Ebenen, die Fakten weichen populistischen Parolen. Im Kandidatenfeld der Obama-Herausforderer hat sie sich längst als „Madame Fauxpas“ etabliert. Im Vorjahr hatte sie dem Präsidenten Reisekosten von 200 Millionen Dollar für einen Staatsbesuch in Indien unterstellt – eine Zahl, die, wie sich herausstellte, exorbitant übertrieben war.

Die „Fact-Checker“ der „St. Petersburg Times“ wiesen ihre eine ganze Serie von Irrtümern, Fehlern und Halbwahrheiten nach. Am harmlosesten war noch, als sie neulich den Todestag Elvis Presleys am 16. August mit dessen Geburtstag verwechselte. Der „King“ drehte sich zwar womöglich in seinem Grab in Graceland in Memphis um, doch verprellte sie allenfalls Elvis-Fans unter ihren Anhängern. Bedenklicher war schon die Verwechslung von John Wayne mit dem Serienkiller John Wayne Gacy als prominentem Sohn ihrer Heimatstadt Waterloo in Iowa. Und als sie den Fanal der amerikanischen Revolution in New Hampshire statt in Massachusetts ansiedelte, rauften sich nicht nur die Historiker die Haare, sondern auch die „Pundits“, die Meinungsmacher.

Auf einen Blick

Republikanische Herausforderer. Michele Bachmann, der Darling der Tea-Party-Bewegung, hat sich im Spitzentrio der republikanischen Präsidentschaftskandidaten einen fixen Platz erobert. In Iowa siegte die 55-jährige Kongressabgeordnete aus Minnesota in einer Probeabstimmung. Bundesweit liegt sie aber in Umfragen hinter Rick Perry und Mitt Romney zurück. Spätstarter Perry, der Gouverneur von Texas, verdrängte Romney von der Pole-Position.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2011)