Hypo Kärnten: 1,5 Mrd. Euro zusätzlicher Kapitalbedarf

Hypo Alpe Adria
Hypo Alpe Adria(c) APA/GERT EGGENBERGER (Gert Eggenberger)
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Die Staatsbank bekommt von der Finanzmarktaufsicht bis 31. März 2012 Zeit, die Kapitallücke zu füllen. Sie will dies „weitestgehend“ aus eigener Kraft schaffen.

[Wien/Höll] Bei der Hypo-Alpe-Adria reißen die negativen Meldungen nicht ab: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) informierte den Vorstand am Donnerstag, dass die Bank knapp 1,5 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital zur Abdeckung aller Risken braucht. Dies ergab eine von der FMA und der Nationalbank (OeNB) durchgeführte Überprüfung aller wesentlichen Geschäfte.

Fekter hält sich an Aktienrecht

VP-Finanzministerin Maria Fekter sieht derzeit erst einmal die Bank-Organe am Zug, was den festgestellten Bedarf für einen zusätzlichen milliardenschweren Kapitalpuffer betrifft. Fekter wollte keinen Kommentar abgeben, bevor nicht der Aufsichtsrat und der Vorstand der Hypo - also die Organe der Bank - das Thema beraten haben. "Ich halte mich an das Aktienrecht, da sind die Organe aufgerufen", sagte Fekter.

Kranebitter: Bank tut was möglich ist

Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter betonte am Freitag, seine Bank tue, was möglich ist. Auf die Frage, ob er garantieren könne, dass der Steuerzahler nicht noch einmal in die Tasche greifen müsse, um die Bank zu retten, sagte der HAA-Chef im "ORF-Mittagsjournal": "Wir setzen um, was wir tun können, da sind wir dabei und auf gutem Weg." Die Bank habe ein positives Halbjahresergebnis ausgewiesen. "Wir werden auch der Nationalbank nachweisen, dass wir zeitgerecht Maßnahmen, die in der Bank möglich sind, umsetzen."

In einer Ad-hoc-Meldung erklärte die FMA, dass der Geldbedarf mit Stichtag 31. Dezember 2010 erhoben wurde. Mittlerweile habe man bereits die Risken erheblich reduziert. Dies sei bei den Berechnungen der Aufsicht unberücksichtigt geblieben. Der von der FMA zugestellte Bescheid stehe am Beginn „eines mehrmonatigen Abstimmungsprozesses".

Die Bank hat bis 31. März 2012 Zeit, die vorgegebenen Eigenkapitalquoten zu erfüllen. Sie will dies „weitestgehend" aus eigener Kraft schaffen. Sollte dies aber nicht gelingen, muss der Staat erneut einspringen. Laut einem FMA-Sprecher reicht zur Abdeckung auch eine neue Garantie des Staates aus. Österreich investierte bereits 1,5 Milliarden Euro in die Rettung der Kärntner Bank. Ob der Steuerzahler das Geld jemals wiedersehen wird, ist fraglich. Vor Kurzem musste der Bund im Zuge eines Kapitalschnitts bei der Hypo 700 Millionen Euro abschreiben.

In Aufsichtsratskreisen heißt es, man werde alles tun, um einen neuerlichen Staatszuschuss zu vermeiden. Ziel sei es, durch Verkäufe die Risikopositionen zu reduzieren. Damit soll der Eigenkapitalbedarf sinken. Konkret sollen in den nächsten 18 Monaten die Hälfte von 20 größeren Unternehmensteilen abgestoßen werden. Dazu gehören die Bankentöchter in Österreich und Italien sowie diverse Firmenbeteiligungen. In Kroatien besitzt die Hypo etwa eine große Aluminiumfabrik und in Österreich zehn Biogasanlagen.

Zumindest der Verkauf der Österreich-Töchter dürfte schwierig werden. Denn alle heimischen Großbanken wie Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen winken ab. Im ersten Halbjahr 2010 erwirtschaftete die Bank einen kleinen Gewinn von 5,2 Millionen Euro. Hypo-Chef Gottwald Kranebitter meinte Mitte August, das Institut stehe noch auf wackeligen Beinen: „Wir kommen aus der Intensivstation der Notverstaatlichung." Eine Prognose für das Gesamtjahr wagte Kranebitter damals nicht.

Die Hypo-Alpe-Adria schickte am Donnerstag eine ad-hoc-Meldung aus, wonach sie 1,5 Mrd. Euro zusätzliches Kapital zur Abdeckung aller Risken braucht. Dies hat eine Überprüfung der Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht ergeben. In Aufsichtsratskreisen heißt es, die Bank werde alles tun, um einen neuerlichen Staatszuschuss zu vermeiden. Man wolle durch den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen Risikopositionen abbauen. Die FMA-Vorgabe muss bis Ende März erfüllt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2011)

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