Die neue Saison in der Wiener Staatsoper beginnt mit Verdis „Simon Boccanegra“ mit Placido Domingo und einem Richard-Strauss-Schwerpunkt in exzellenter Besetzung, bei dem Franz Welser-Möst am Pult stehen wird.
"Wir haben gleich stark angefangen“, sagt Dominique Meyer über den Start seiner zweiten Spielzeit als Wiener-Staatsopern-Direktor. Und das, obwohl noch kein Ton erklungen ist. Stark angefangen hat die Arbeit im Direktionsbüro, weil es gleich zum Auftakt zwei Absagen gab. Beide betreffen die Arabella-Serie, die am 5. September beginnt. Adrianne Pieczonka, Titelheldin der Premiere, ist krank. Die Kaiserin der „Frau ohne Schatten“-Produktion der Salzburger Festspiele, Anne Schwanewilms, springt ein.
Außerdem kann Philippe Augin die Vorstellung am 8. September nicht dirigieren. Also hat sich Franz Welser-Möst bereiterklärt, sowohl am 5. als auch am 8. am Pult zu stehen. „Es ist gut, wenn man einen Generalmusikdirektor hat“, sagt Dominique Meyer und lacht: „Eigentlich wollte der Franz am 8. schon nach Mailand fliegen, weil wir dort am 9. mit einem konzertanten ,Fidelio‘ gastieren. Aber jetzt fliegt er mit dem Orchester und kann daher am Vorabend bei uns Strauss dirigieren.“
Dass es heuer im September auch künstlerisch hoch hergeht, ist im Übrigen durchaus nicht nur dem Zufall zu danken. Gleich zum Saisonbeginn kommt es zu einem Austausch zwischen La Scala und Wien. Im Gegenzug zum „Fidelio“ dirigiert Daniel Barenboim mit dem Scala-Ensemble am 9. das Verdi-Requiem. Und Placido Domingo präsentiert seine Interpretation von Verdis „Simone Boccanegra“ nun auch im Haus am Ring (3. und 6. September).
Konsequent junge Sänger fördern
Außerdem – „man muss den Leuten signalisieren: Das Haus ist nach der Sommerpause wieder offen!“ – steht neben „Arabella“ eine zweite Strauss-Oper in exzellenter Besetzung auf dem Programm: Dirigent Jeffrey Tate feiert mit „Ariadne auf Naxos“ sein Hausdebüt. Im Rahmen dieser Serie wird Stephanie Houtzeel von Sophie Koch einmal (am 10. September) die Partie des Komponisten übernehmen. Houtzeel ist eine jener jungen Sängerinnen, die mit Beginn der Ära Meyer/Welser-Möst zum Ensemble des Hauses gestoßen sind.
„Sie hat sich“, schwärmt der Direktor, „wie einige andere auch während der ersten Saison wunderbar entwickelt. Ab der Premiere von ,Kataja Kabanova‘ war sie dann wirklich da und hat einen großen Erfolg gefeiert.“ Die Integration junger Sänger ist Meyer wichtig: „Da machen wir konsequent weiter.“
Konsequent geplant hat er schon sämtliche Premieren seiner Amtszeit – und ein bisschen mehr. Die Umschichtungen bei den Salzburger Osterfestspielen haben es nötig gemacht, mit Christian Thielemann neu zu verhandeln – und daher schon in die Spielzeit 2015/16 vorauszudenken. Drei bis vier Jahre vorauszuplanen, ist in der Branche durchaus üblich. Muss man also im kommenden Jahr über eine mögliche Vertragsverlängerung verhandeln? „Na jedenfalls darf die Staatsoper den Vorsprung nicht verlieren, den wir jetzt haben“, sagt Meyer.
Neu in dieser Spielzeit: „Die Probebühne ist so gut wie fertig. Wir haben sie mit dem Betriebsrat schon vor Wochen besichtigen können. Sobald sie in Betrieb ist, wird uns das die Arbeit an den Repertoirestücken erleichtern. Viele Stücke, die oft gespielt werden, sind ja optisch nicht im allerbesten Zustand. Mir ist es wichtig, dass auch Werke wie ,Tosca‘, ,Barbier von Sevilla‘ oder ,Liebestrank‘ gut funktionieren.“
Sobald die Probebühne in Funktion ist, kann Meyer auch sein Lieblingsprojekt realisieren, und Kinderopern endlich im Haus auf der großen Bühne stattfinden lassen. Glücklich ist der Direktor über die Zusammenarbeit mit seinem Orchester. „Die Musiker, vor denen man mich so gewarnt hat“, freut er sich, „sind immer mit großem Engagement bei der Sache, haben sogar zwei Konzerte abgesagt, die geplant waren, um die Zusammenarbeit mit Thielemann für den Ring im November zu ermöglichen.“
Auch eine Zusammenarbeit in Sachen Tourneen gibt es. 2014 gehen die Philharmoniker auch als Opernorchester zum traditionellen Gastspiel nach New York: In der Carnegie Hall wird es neben den gewohnten symphonischen Konzerten auch Staatsopern-Aufführungen von „Salome“, „Fidelio“ und „Wozzeck“ geben.