Die Lust am Zusammenhang

Baukunst als Markenartikel? Nein: „Kontextarchitektur“!

Einem Bau von Frank O. Gehry oder Richard Meier könne man „heute weltweit begegnen“: „Ihre Wiedererkennbarkeit ist in einem Maße prägnant, dass man in diesen Fällen von Markenartikeln zu sprechen begonnen hat“, meint Frank Maier-Solgk, Publizist zu München. Und: In der jüngsten Vergangenheit mache sich „eine entgegengesetzte Entwicklung bemerkbar. Gegen die globale Uniformität von Marken und gegen einen einheitlichen formalen ,Stil‘ gerichtet, meldet sich ein altes Kriterium zurück: das Prinzip der Kontextualität, das auf die spezifischen urbanen Umfelder Bezug nimmt.“

Was manche gerne hören werden. Vor allem jene, denen die Architekturjahrmärkte längst auf die Nerven gehen, die eine rund um den Globus vazierende Truppe internationaler Stars in und an Städten hinterlassen, als ginge es weder um Funktion noch um Einbettung in einen vorhandenen Zusammenhang, sondern einzig um Selbstverwirklichung. Irgendwann hat man sich ja auch an all den architektonischen Freakshows sattgesehen, an den Damen ohne Unterleib, Elefantenmenschen, siamesischen Zwillingen. Gewiss: erstaunlich, was alles möglich ist – aber wozu?

Also, nur herbei mit der „Kontextarchitektur“, die Maier-Solgk nebst vier weiteren Beiträgern zumindest auf dem Gebiet des Museumsbau umkreist: in einem Band der Reihe „Kunst und Philosophie“, seinerseits gedrucktes Ergebnis eines Netzwerkprojekts, das die deutsche Kulturstiftung gemeinsam mit der Ludwig-Maximilian-Universität München zwischen Herbst 2009 und diesem Sommer organisiert hat. ■

Julian Nida-Rümelin, Jakob Steinbrenner (Hrsg.)
Kontextarchitektur
118S., geb., €17,30 (Hatje Cantz Verlag, Ostfildern)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2011)

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