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Von Deutschland an die Wand gespielt

Marko Arnautovic schoss ein Tor, bereitete eines vor und trotzdem wurde es ein Debakel.
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)
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Österreich geriet in Gelsenkirchen mit 2:6 unter die Räder. Ein Gala-Abend von Real-Madrid-Star Özil. Ära von Teamchef Constantini ist fast schon zu Ende.

Der deutsche Bundestrainer hatte vor dem gestrigen EM-Qualifikationsspiel gemahnt, an die eher schwache Leistung seiner Mannschaft in Wien erinnert. Aber selbst am Ende einer langen Saison reichte es zu einem Sieg - und die Österreicher durften hadern. Im Rückspiel von Gelsenkirchen hingegen war alles ganz anders. Denn nach nicht einmal einer halben Stunde und einer komfortablen 3:0-Führung war für die DFB-Auswahl alles gelaufen, das Ticket für die EM-Endrunde 2012 in Polen und in der Ukraine gelöst.

Trotz Warnung überrollt

Für die Österreicher hingegen wird es immer schwieriger, nach dieser bitteren 2:6-Niederlage noch an die theoretische Chance auf einen Playoff-Platz zu glauben. Rang zwei könnte zwar mathematisch noch erreicht werden, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sich die Ära von Teamchef Didi Constantini dem Ende zuneigt. Möglich, dass er nach dem Duell mit der Türkei (2:1-Last-Minute-Sieg gegen Kasachstan) am Dienstag vorzeitig den Hut draufhaut. Er scheint mit seinem Fußball-Latein am Ende zu sein. Zugegebenermaßen - diesmal gegen einen in allen Belangen übermächtigen Gegner. Gegen eine Fußball-Großmacht.

Wenn Joachim Löw spricht, dann gehorchen ihm die Spieler. Ein paar Ausfälle fallen beim Potenzial des Nachbarn nicht ins Gewicht, da kann man getrost auch einen Jungstar wie Mario Götze zunächst einmal auf der Bank sitzen lassen. Christian Fuchs, als Schalke-Legionär in Gelsenkirchen daheim, hatte davor gewarnt, dass die Deutschen ein schnelles Tor erzwingen wollen. Es wurde viel schlimmer. Ein Gegentreffer wäre ja noch verschmerzbar gewesen . . .

Letzter Sieg in Deutschland vor 80 Jahren

In Deutschland hat Österreich schon lange nichts mehr zu bestellen, 80 Jahre liegt der letzte Auswärtssieg zurück. Aber von einem „Wunderteam" ist die heutige Auswahl eben auch weit entfernt. Und die DFB-Auswahl ist die aktuelle Nummer 3 der Welt.

Der erste ernst zunehmende Angriff, der gelang zwar den Österreichern. Was folgte, das war ein Lehrspiel, die Demonstration von Stärke, Souveränität. Den Abend aber nützte vor allem einer, der trotz seiner Jugend bereits eine große Karriere gemacht hat. Mesut Özil spielte groß auf, drückte dem Spiel seinen Stempel auf. Er schaltete und waltete, war von den Österreichern einfach nicht zu halten. Eigentlich hätte David Alaba seinen Schatten spielen sollen, aber der Bayern-Reservist konnte den Star von Real Madrid nicht an die Leine nehmen.

Klose eröffnete den Torreigen

Das 1:0 wurde im ausverkauften Stadion Miroslav Klose (8.) zugeschrieben. Der Torjäger soll den Ball noch abgefälscht haben, damit bejubelte er in seinem 111. Länderspiel seinen 62. Treffer. Sechs Tore sind es noch, die auf den Rekord von Gerd Müller fehlen. Aber man hätte die DFB-Führung auch an Özils Erfolgstafel schreiben können.

Mesut Özil hatte auch so seinen Spaß, er erzielte das 2:0, nachdem er Österreichs Hintermannschaft genarrt hatte. Ein sehenswertes Tor (24.). Ebenso sein zweiter Treffer zum 4:1, da sah Kapitän Fuchs schlecht aus (48.). Zwischendurch hatte auch Podolski Grund zum Jubel (28.). Und im Finish der für den Kölner eingewechselte Schürrle (84.). Als Götze endlich kam, dann traf natürlich auch er (6:2, 88.). Am Ende feierten die Fans ihre Elf und sich selbst. „Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön!"

Die Österreicher waren unterm Strich in der Schalke-Arena völlig chancenlos, weil sie gegen den deutschen Angriffsfußball keine Mittel wussten. Aber immerhin blieb die Constantini-Auswahl bei den Gegenstößen gefährlich. Und gab sich nicht gänzlich auf.
Nach dem 0:3-Rückstand flackerte dennoch Widerstand auf. Marko Arnautovic war nach einer Flanke von Klein per Kopf zur Stelle (42.), Martin Harnik verkürzte auf 2:4 (51.). Letztlich völlig bedeutungslos.

Glückliche Türken

Einen Dämpfer haben die Ambitionen der Belgier erlitten. In Baku reichte es gegen Aserbaidschan trotz Führung nur zu einem Punkt. Vier Minuten vor Schluss kassierte die belgische Auswahl noch den Ausgleich zum 1:1. Glücklicher die Türkei, die Kasachstan mit zehn Mann und nach einem verschossenen Elfer erst in der Nachspielzeit 2:1 in die Knie zwang.