Let's make money: Kurskeller

Lets make money Kurskeller
Lets make money Kurskeller(c) Dapd (Heribert Proepper)
  • Drucken

Warum es keinen Sinn ergibt, investiert durch den Kurskeller zu fahren, und Mosaic eine gute Überlegung für die Zeit danach ist. Der Düngemittelproduzent profitiert von global anhaltend hohen Nahrungsmittelpreisen.

Der anfangs ambitionierte Versuch einer Bärenmarktrallye ist in dieser Woche wieder einmal im Ansatz stecken geblieben. Alle wichtigen Börsenindizes sind nach dem August-Absturz jetzt in eine Seitwärtsbewegung hineingeschlittert, die sich, betrachtet man die Chartbilder, im wahrsten Sinn des Wortes zuspitzt. Am übelsten präsentiert sich das Bild momentan im deutschen DAX.

So, wie es charttechnisch aussieht, wird es aus dieser Seitwärtsbewegung bald einen Ausbruch geben. Börsen lassen sich zwar nicht wirklich prognostizieren, persönlich glaube ich aber, dass es nach unten geschehen wird. Der übergeordnete Trend zeigt nämlich ganz eindeutig in diese Richtung und die jüngsten Signale von der Konjunktur- und Staatsschuldenfront sind nicht dergestalt, dass von der Fundamentalseite her Aufwärtsdruck entstehen könnte. Zudem scheint sich die Lage des Bankensektors wieder einmal dramatisch zuzuspitzen.

Es ist unbefriedigend, in einer Börsenkolumne wochenlang nur darzustellen, was man nicht machen soll. Aber derzeit ist für mittel- oder längerfristig orientierte Anleger, die „long“ investieren, also auf Kursanstiege angewiesen sind, einfach nichts zu holen – außer Frust.

Natürlich gibt es Anlageberater, die meinen, Aktien seien jetzt superbillig und es sei egal, wenn sie nach dem Kauf noch weiter fallen: Man könne ja auch mit einem „Paternoster“-Aufzug gefahrlos durch den Keller fahren. Und auf der anderen Seite gehe es dann wieder flott aufwärts.

Was sie nicht dazu sagen: Das ist schlicht ein unkalkulierbares Risiko. Der Fahrstuhl kann nach der Kellerdurchfahrt nämlich auch stecken bleiben. Anleger, die etwa im Dezember 1999 Yahoo um 108 Dollar gekauft haben, anschließend glaubten, sie könnten den folgenden Dotcom-Crash „aussitzen“ und jetzt, elf Jahre später, noch immer auf 87 Prozent Verlust hocken, werden wissen, was gemeint ist.

Wer jetzt in Aktien unterwegs ist, fährt sinnvollerweise mit striktester Risikobegrenzung. Da kann man sich ruhig auch als Mittelfristanleger die Risikobegrenzungsstrategien der erfolgreichen Kurzfrist-Trader anschauen. Zum Beispiel die: Das Gesamtrisiko darf maximal zehn Prozent des Depotwerts betragen und kein Einzelwert im Depot darf mehr als ein Prozent des Gesamtdepotwerts gefährden. Wenn diese Schwellen unterschritten werden, wird kompromisslos verkauft.

Anleger, die nach einem derartigen Modell vorgehen, haben im Moment zwar keine Aktien mehr, dafür aber vergleichsweise wenig Verlust (beziehungsweise vergleichsweise gute Gewinne realisiert). Und können sich in Ruhe vorbereiten für die Zeit der Bodenbildung – um dann tief wieder einzusteigen.

Bitte keinem Anlageberater glauben, der jetzt mit dem alten Spruch „hin und her macht Taschen leer“ kommt: Der stammt aus der Zeit, als die Kursbewegungen gering und die Spesen hoch waren. Aber wer heute glaubt, dass es besser ist, zwanzig Prozent in den Kurskeller zu fahren, als 0,1 bis 0,2 Prozent Verkaufsspesen beim Internetbroker zu riskieren – der sollte in einer ruhigen Minute einmal überlegen, ob der Aktienmarkt der richtige Platz für ihn ist.

Für die Zeit danach kann man aber durchaus schon jetzt Überlegungen anstellen. Da stechen beispielsweise zwei US-Werte ins Auge, die in jüngster Zeit auffallend massiv von Hedgefonds gehätschelt werden: der Düngemittelhersteller Mosaic(ISIN US61945A1079) und die amerikanische Krankenhauskette Tenet Healthcare(ISIN US88033G1004).

Chartmäßig sieht Mosaic besser aus. Der Düngemittelproduzent profitiert von global anhaltend hohen Nahrungsmittelpreisen, die naturgemäß das Geschäft ankurbeln. Mosaic hat aber auch die jüngsten Börsenabstürze im August erstaunlich robust überstanden.

Der Düngemittelwert hat prominente Fürsprecher: Zuletzt hat sich Paul Johnson, der 2008 mit einer Short-Spekulation auf Subprime-Papiere reich und bekannt geworden ist, für seinen Hedgefonds in größerem Stil mit der Aktie eingedeckt.

Privatanleger warten freilich noch zu, bis sich der Trend dreht. Denn einem Abwärtsstrudel können sich natürlich auch gute Papiere nicht entziehen. Und es ergibt wie gesagt wenig Sinn, mit hohem Risiko durch den Kurskeller zu fahren, wenn man bequem auf der anderen Seite auch noch in den dann aufwärts fahrenden Kurslift einsteigen kann.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.