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Was plant die WAZ mit der "Krone"?

plant Krone
WAZ(c) Dapd (Sascha Schuermann)
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Bei der WAZ bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Großverlag könnte bald der Erbin Petra Grotkamp gehören. Wird sie die unliebsame, aber rentable Tochter "Kronen Zeitung" halten oder loswerden?

Auch Christoph Dichand muss sich dieser Tage auf Mutmaßungen und Spekulationen anderer Medien beschränken. Viel mehr als das, was er dort liest, weiß der Chef der „Kronen Zeitung“ über den geplanten Deal bei der WAZ auch nicht. Das Gesprächsklima mit dem 50-Prozent-Miteigentümer der „Krone“ war zwar noch nie besonders gut, aber wohl nie schlechter als derzeit.

Die jüngsten Entwicklungen in der Essener Konzernzentrale der WAZ dürften Dichand aber sehr interessieren, schließlich könnte das den lange geplanten Verkauf der WAZ-Anteile an der „Krone“ beschleunigen. Die neue Herrin über das zuletzt immer kleiner werdende westdeutsche Medienreich heißt bald Petra Grotkamp. Ihr Vater Jakob Funke hatte 1948 mit dem Sozialdemokraten Erich Brost die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ gegründet, der Kern der heutigen Mediengruppe.

Petra Grotkamp und ihr Mann Günther Grotkamp, der langjährige WAZ-Geschäftsführer, möchten nun den drei Brost-Enkeln, die alle im Teenageralter sind, ihren 50-Prozent-Anteil an der WAZ um 500 Mio. Euro abkaufen, um dann 67 Prozent an dem Unternehmen zu halten. Der Deal ist bereits weit gediehen, Experten rechnen gar damit, dass der Verkauf schon in vier bis sechs Wochen über die Bühne gehen wird.


Zerstritten. Aber was bedeutet die Verschiebung der Machtverhältnisse im Essener Medienhaus tatsächlich für die österreichischen Beteiligungen, vor allem für die „Krone“? So zerstritten wie die WAZ-Erben untereinander sind (auch Petra Grotkamp und ihre beiden Schwestern bekriegen sich immer wieder gerichtlich), so zerstritten sind die Dichands und die WAZ seit Jahren. Seit dem Tod von Hans Dichand im Juni 2010 bestreitet die WAZ, Dichand junior sei rechtmäßiger Herausgeber des Blattes, und verweigert ihm die Entnahme der vereinbarten Gewinnbeteiligung.

Die „Financial Times Deutschland“ mutmaßt, Petra Grotkamp würde sich verstärkt auf das deutsche Regionalgeschäft konzentrieren und Auslandsbeteiligungen abstoßen. Allerdings ist die „Krone“ eine zwar widerspenstige, aber höchst rentable Tochter, von der sich die WAZ nicht so leicht trennt. Grotkamp könnte nach der großen Investition von 500 Mio. Euro aber wieder Geld brauchen; als Kaufpreis der halben „Krone“ wurden immer wieder 200 Mio. Euro kolportiert. Die Dichands wollen zudem schon seit langem die Anteile der WAZ kaufen. Von einem Verkauf des „Kurier“, an dem die WAZ mit 49,44 Prozent beteiligt ist, ist indes nie die Rede. Und was die „Krone“ anbelangt, weiß nur einer, wie es weitergeht. Claus Pándi, Innenpolitiker des Blattes, schrieb diese Woche via Twitter: „Ein Name bleibt immer, wer immer in Essen kommt oder geht.“

Auf Lutz Hachmeister, den deutschen Journalistikprofessor und Leiter des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik in Berlin, wirkt der geplante WAZ-Deal wie „eine Notbremse“. Die Mediengruppe sei zwar noch der zehntgrößte Medienkonzern Deutschlands, „das Image des Kraken, das sie lange hatte, ist aber verloren“. Mehrere Beteiligungen, u.a. am Versandhandel Otto und an RTL, wurden zuletzt aufgegeben. Der Umsatz ging seit 2001 von 1,9 Mrd. Euro auf 1,29 Mrd. zurück. Längst ist die WAZ nicht mehr unter den Top 50 internationaler Medienunternehmen. Zudem sei die Übernahme der Mehrheitsanteile von Petra Grotkamp noch längst kein Garant dafür, dass die Kämpfe in der Chefetage ein Ende haben, glaubt Hachmeister, da die Funke-Erbinnen auch untereinander zerstritten sind. "Die Eigentümerverhältnisse werden klarer, aber die Managerverhältnisse nicht". Eine Sache scheint jedenfalls schon beschlossen: Die seit den WAZ-Anfängen geltende "Simultangeschäftsführung" (beide Gründer bestellten je einen Geschäftsführer) wird es künftig nicht mehr geben. Konkret bedeutet das das Aus für den von der Brost-Seite eingesetzten Bodo Hombach.

Die WAZ geriert sich wie ein Medienhaus aus alten Tagen, sagt Hachmeister – und passt damit wieder gut zur „Krone“. Ob sich das Wiener Boulevardblatt und das Essener Medienhaus nach 24 Jahren wirklich trennen wollen, wird sich zeigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2011)