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9/11

Verschwörungstheorien blühen nach wie vor

Das World Trade Center gesprengt, Flug 93 abgeschossen, Telefonate gefälscht: Was Verschwörungs-Anhänger glauben, und was Experten dazu sagen.
02.01.2017 um 13:22
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Hauptbild • (c) Reuters
Eine Gruppe junger Islamisten trifft die Weltmacht USA auf eigenem Boden ins Mark? Von Anfang an konnten und wollten viele Menschen das nicht glauben - und so blühen seit 9/11 weltweit Verschwörungstheorien. Pünktlich zum zehnten Jahrestag der Anschläge haben sie wieder Hochkonjunktur. Zu den unzähligen bereits veröffentlichten einschlägigen Büchern und Filmen kamen noch paar mehr dazu. Das Geschäft lohnt sich: Eine Umfrage ergab Anfang September dieses Jahres, dass 15 Prozent der US-Bürger an eine Verschwörung mit Beteiligung der Regierung glauben.
Eine Gruppe junger Islamisten trifft die Weltmacht USA auf eigenem Boden ins Mark? Von Anfang an konnten und wollten viele Menschen das nicht glauben - und so blühen seit 9/11 weltweit Verschwörungstheorien. Pünktlich zum zehnten Jahrestag der Anschläge haben sie wieder Hochkonjunktur. Zu den unzähligen bereits veröffentlichten einschlägigen Büchern und Filmen kamen noch paar mehr dazu. Das Geschäft lohnt sich: Eine Umfrage ergab Anfang September dieses Jahres, dass 15 Prozent der US-Bürger an eine Verschwörung mit Beteiligung der Regierung glauben.
(c) EPA (Marwan Naamani)
Einig sind sich die Verschwörungs-Fans darüber, dass al-Qaida nicht oder jedenfalls nicht ohne interne Mitwisser für 9/11 verantwortlich sei. Wer aber wirklich dahinter stecken soll, darüber gibt es unterschiedliche Thesen: die US-Regierung, um freie Bahn für Krieg im Nahen Osten zu haben und/oder Bürgerrechte beschneiden zu können, die CIA mit oder ohne das Wissen des Präsidenten, die Wall Street und/oder Israel.Die Verschwörungs-Argumente im Überblick
Einig sind sich die Verschwörungs-Fans darüber, dass al-Qaida nicht oder jedenfalls nicht ohne interne Mitwisser für 9/11 verantwortlich sei. Wer aber wirklich dahinter stecken soll, darüber gibt es unterschiedliche Thesen: die US-Regierung, um freie Bahn für Krieg im Nahen Osten zu haben und/oder Bürgerrechte beschneiden zu können, die CIA mit oder ohne das Wissen des Präsidenten, die Wall Street und/oder Israel.Die Verschwörungs-Argumente im Überblick
(c) REUTERS (� Eduardo Munoz / Reuters)
Die Kernthese aller 9/11-Verschwörungstheorien: Die Türme des World Trade Center hätten niemals allein durch die Folgen der Flugzeug-Einschläge einstürzen können, es muss sich um kontrollierte Sprengungen gehandelt haben. Argumente, die dafür präsentiert werden: Auf Video-Aufnahmen der Einstürze seien Explosionen in Stockwerken unterhalb der gerade einstürzenden Bereiche zu sehen. Außerdem habe Kerosin-Feuer die Stahlträger der Gebäude nicht schmelzen lassen können - Kerosin erreiche nur eine Temperatur von 800 Grad Celsius, während Stahl erst bei 1500 Grad schmelze.
Die Kernthese aller 9/11-Verschwörungstheorien: Die Türme des World Trade Center hätten niemals allein durch die Folgen der Flugzeug-Einschläge einstürzen können, es muss sich um kontrollierte Sprengungen gehandelt haben. Argumente, die dafür präsentiert werden: Auf Video-Aufnahmen der Einstürze seien Explosionen in Stockwerken unterhalb der gerade einstürzenden Bereiche zu sehen. Außerdem habe Kerosin-Feuer die Stahlträger der Gebäude nicht schmelzen lassen können - Kerosin erreiche nur eine Temperatur von 800 Grad Celsius, während Stahl erst bei 1500 Grad schmelze.
(c) AP (CARMEN TAYLOR)
Eine Studie des National Institute of Standards and Technology (NIST) und andere Expertenberichte kommen zu dem Schluss, dass der Einsturz durch eine Kombination aus den Einschlagschäden und den Folgen der Brände verursacht wurde. Durch die Brände wurden die Stahlträger geschwächt, auf denen die Last der Stockwerke ruhte. Das Feuer in den Gebäuden wurde von Möbeln, Teppichen etc. genährt, wodurch eine Temperatur von bis zu 1000 Grad Celsius entstand. Dadurch schmilzt Stahl zwar nicht komplett, wird aber stark verformt.Umstritten ist, ob die Türme auch eingestürzt wären, wenn nicht der Feuerschutz durch den Einschlag abgerissen worden wäre. Das NIST sieht darin den Hauptgrund für den Kollaps.
Eine Studie des National Institute of Standards and Technology (NIST) und andere Expertenberichte kommen zu dem Schluss, dass der Einsturz durch eine Kombination aus den Einschlagschäden und den Folgen der Brände verursacht wurde. Durch die Brände wurden die Stahlträger geschwächt, auf denen die Last der Stockwerke ruhte. Das Feuer in den Gebäuden wurde von Möbeln, Teppichen etc. genährt, wodurch eine Temperatur von bis zu 1000 Grad Celsius entstand. Dadurch schmilzt Stahl zwar nicht komplett, wird aber stark verformt.Umstritten ist, ob die Türme auch eingestürzt wären, wenn nicht der Feuerschutz durch den Einschlag abgerissen worden wäre. Das NIST sieht darin den Hauptgrund für den Kollaps.
(c) AP (Richard Drew)
Der Sprengungs-These widerspricht auch, dass der Einsturz genau an jenen Stellen begann, wo die Flugzeuge eingeschlagen waren. Zu den Bildern von Explosionen in unteren Stockwerken heißt es im Bericht des NIST, die Flugzeugtrümmer hätten die Versorgungsschächte in den Türmen aufgeschlitzt, sodass sich Kerosin überall im Gebäude verbreitete. Wo es auf eine Zündquelle traf, gab es Explosionen.
Der Sprengungs-These widerspricht auch, dass der Einsturz genau an jenen Stellen begann, wo die Flugzeuge eingeschlagen waren. Zu den Bildern von Explosionen in unteren Stockwerken heißt es im Bericht des NIST, die Flugzeugtrümmer hätten die Versorgungsschächte in den Türmen aufgeschlitzt, sodass sich Kerosin überall im Gebäude verbreitete. Wo es auf eine Zündquelle traf, gab es Explosionen.
(c) AP (AMY SANCETTA)
Das World Trade Center 7 stürzte ein, obwohl es nicht von einem Flugzeug getroffen worden war. Daher wird auch hier eine Sprengung vermutet. Im Bericht des NIST heißt es, WTC 7 sei stärker als zunächst angenommen durch herabstürzende Trümmer des WTC 1 beschädigt worden. Die dadurch verursachten intensiven Brände wiederum hätten in einer Kettenreaktion von Ereignissen zum Einsturz des Gebäudes geführt. --> NIST-Bericht zu WTC 7
Das World Trade Center 7 stürzte ein, obwohl es nicht von einem Flugzeug getroffen worden war. Daher wird auch hier eine Sprengung vermutet. Im Bericht des NIST heißt es, WTC 7 sei stärker als zunächst angenommen durch herabstürzende Trümmer des WTC 1 beschädigt worden. Die dadurch verursachten intensiven Brände wiederum hätten in einer Kettenreaktion von Ereignissen zum Einsturz des Gebäudes geführt. --> NIST-Bericht zu WTC 7
(c) REUTERS (MIKE SEGAR)
Viele Verschwörungs-Fans behaupten, das Pentagon sei nicht von einer Passagiermaschine, sondern von einer Rakete getroffen worden. Als Beleg sehen sie das Loch in der Fassade des Gebäudes: Es sei zu klein für den Einschlag einer Boeing 757. Außerdem seien keine Flugzeugteile gefunden worden.
Viele Verschwörungs-Fans behaupten, das Pentagon sei nicht von einer Passagiermaschine, sondern von einer Rakete getroffen worden. Als Beleg sehen sie das Loch in der Fassade des Gebäudes: Es sei zu klein für den Einschlag einer Boeing 757. Außerdem seien keine Flugzeugteile gefunden worden.
(c) AP (DAN LOPEZ)
Am Pentagon wurden sowohl Flugzeugteile als auch Überreste von Passagieren gefunden. Zur "Loch-Theorie" sagen Experten, dass ein Flugzeug, das mit hoher Geschwindigkeit in ein Gebäude rast, keinen 1:1 Umriss in der Fassade hinterlässt. Es zerbirst vielmehr in kleine Teile. Außerdem berichteten Augenzeugen, dass ein Flügel der Maschine unmittelbar vor dem Aufschlag an einem Generator teilweise abgerissen wurde.
Am Pentagon wurden sowohl Flugzeugteile als auch Überreste von Passagieren gefunden. Zur "Loch-Theorie" sagen Experten, dass ein Flugzeug, das mit hoher Geschwindigkeit in ein Gebäude rast, keinen 1:1 Umriss in der Fassade hinterlässt. Es zerbirst vielmehr in kleine Teile. Außerdem berichteten Augenzeugen, dass ein Flügel der Maschine unmittelbar vor dem Aufschlag an einem Generator teilweise abgerissen wurde.
(c) REUTERS (LARRY DOWNING)
Flug 93 sei entweder abgeschossen worden oder gar nicht abgestürzt, heißt es in den Verschwörungstheorien. An der ''angeblichen'' Absturzstelle habe man keine oder kaum Flugzeugteile gefunden, außerdem sei der Krater dort zu klein für den Aufschlag einer Boeing 757.
Flug 93 sei entweder abgeschossen worden oder gar nicht abgestürzt, heißt es in den Verschwörungstheorien. An der ''angeblichen'' Absturzstelle habe man keine oder kaum Flugzeugteile gefunden, außerdem sei der Krater dort zu klein für den Aufschlag einer Boeing 757.
(c) AP
Dem widersprechen sowohl Augenzeugen als auch die Berichte über gefundene Flugzeugteile und Überreste der Passagiere. Wie beim Pentagon weisen Experten darauf hin, dass ein Flugzeug bei einem Crash mit hoher Geschwindigkeit in kleine Teile zerbirst und deshalb keine großen Wrack-Teile übrig bleiben und der Einschlag-Krater nicht 1:1 der Größe der Maschine entspricht. Gegen die Abschuss-Theorie spricht, dass die Trümmer in diesem Fall über ein größeres Gebiet hätten verstreut sein müssen.
Dem widersprechen sowohl Augenzeugen als auch die Berichte über gefundene Flugzeugteile und Überreste der Passagiere. Wie beim Pentagon weisen Experten darauf hin, dass ein Flugzeug bei einem Crash mit hoher Geschwindigkeit in kleine Teile zerbirst und deshalb keine großen Wrack-Teile übrig bleiben und der Einschlag-Krater nicht 1:1 der Größe der Maschine entspricht. Gegen die Abschuss-Theorie spricht, dass die Trümmer in diesem Fall über ein größeres Gebiet hätten verstreut sein müssen.
(c) EPA (David Maxwell)
Mehrere Passagiere und Crew-Mitglieder des Flugs 93 erzählten vor dem Absturz in Telefongesprächen von der Flugzeugentführung und ihrem Plan, das Cockpit zu stürmen. Diese Berichte halten Verschwörungstheoretiker für getürkt: Handys hätten während des Flugs gar nicht funktioniert.Allerdings wurden acht der zehn Gespräche aus der Boeing gar nicht von Handys, sondern von den Flugzeugtelefonen aus geführt. Die beiden Gespräche von Mobiltelefonen wurden erst kurz vor dem Absturz geführt, als sich die Maschine bereits auf niedrigerer Höhe befand.
Mehrere Passagiere und Crew-Mitglieder des Flugs 93 erzählten vor dem Absturz in Telefongesprächen von der Flugzeugentführung und ihrem Plan, das Cockpit zu stürmen. Diese Berichte halten Verschwörungstheoretiker für getürkt: Handys hätten während des Flugs gar nicht funktioniert.Allerdings wurden acht der zehn Gespräche aus der Boeing gar nicht von Handys, sondern von den Flugzeugtelefonen aus geführt. Die beiden Gespräche von Mobiltelefonen wurden erst kurz vor dem Absturz geführt, als sich die Maschine bereits auf niedrigerer Höhe befand.
(c) AP (GENE J. PUSKAR)
Mit ihren in Kleinflugzeugen erworbenen Flugfähigkeiten wären die angeblichen Todespiloten gar nicht in der Lage gewesen, große Passagierflugzeuge in die Twin Towers bzw. ins Pentagon zu steuern, sagen die Anhänger von Konspirationstheorien.
Mit ihren in Kleinflugzeugen erworbenen Flugfähigkeiten wären die angeblichen Todespiloten gar nicht in der Lage gewesen, große Passagierflugzeuge in die Twin Towers bzw. ins Pentagon zu steuern, sagen die Anhänger von Konspirationstheorien.
(c) AP
Piloten halten dem entgegen, dass das Schwierigste am Fliegen Start und Landung sei. Eine Flugzeug gegen einen weithin sichtbaren Turm zu steuern bzw. im Fall des Pentagons mehr oder weniger kontrolliert in ein Gebäude abstürzen zu lassen, sei demgegenüber keine besondere Kunst (s. zum Beispiel "Welt"-Interview: ''Für solche Aktionen braucht man keinen Piloten").. Für eine niederländische TV-Dokumentation stellte eine Amateurpilot den Anflug auf das Pentagon im Simulator nach - und traf bei drei Versuchen drei Mal.
Piloten halten dem entgegen, dass das Schwierigste am Fliegen Start und Landung sei. Eine Flugzeug gegen einen weithin sichtbaren Turm zu steuern bzw. im Fall des Pentagons mehr oder weniger kontrolliert in ein Gebäude abstürzen zu lassen, sei demgegenüber keine besondere Kunst (s. zum Beispiel "Welt"-Interview: ''Für solche Aktionen braucht man keinen Piloten").. Für eine niederländische TV-Dokumentation stellte eine Amateurpilot den Anflug auf das Pentagon im Simulator nach - und traf bei drei Versuchen drei Mal.
(c) EPA (Peter Muhly)
"4000 jüdische Angestellte sind an 9/11 nicht zur ihrer Arbeit im WTC erschienen" - so heißt es, wenn über eine Beteiligung Israels spekuliert wird.Das Gerücht nahm seinen Ursprung in einer Meldung der "Jerusalem Post", wonach bis zu 4000 Israelis in New York und Washington lebten und daher von den Anschlägen betroffen sein könnten. Danach tauchte in arabischen Medienberichten und in Spammails die Behauptung auf, 4000 jüdische Angestellte im WTC hätten sich am 11. September frei genommen. Amtliche Zahlen dazu, wie viele Menschen jüdischen Glaubens bei den Anschlägen ums Leben kamen, liegen nicht vor, da in den USA die Konfession der Bürger nicht registriert wird.
"4000 jüdische Angestellte sind an 9/11 nicht zur ihrer Arbeit im WTC erschienen" - so heißt es, wenn über eine Beteiligung Israels spekuliert wird.Das Gerücht nahm seinen Ursprung in einer Meldung der "Jerusalem Post", wonach bis zu 4000 Israelis in New York und Washington lebten und daher von den Anschlägen betroffen sein könnten. Danach tauchte in arabischen Medienberichten und in Spammails die Behauptung auf, 4000 jüdische Angestellte im WTC hätten sich am 11. September frei genommen. Amtliche Zahlen dazu, wie viele Menschen jüdischen Glaubens bei den Anschlägen ums Leben kamen, liegen nicht vor, da in den USA die Konfession der Bürger nicht registriert wird.
(c) REUTERS (JASON REED)
Nährboden für die Spekulationen, die Wall Street sei in 9/11 verwickelt: Aktienhändler setzten vor dem 11. September auf fallende Kurse bei Unites Airlines und American Airlines. Für diese Entscheidung brauchte man allerdings kein Insiderwissen: American Airlines veröffentlichte am 7. September eine Gewinnwarnung, auch United Airlines hatte schlechte Wirtschaftsdaten.
Nährboden für die Spekulationen, die Wall Street sei in 9/11 verwickelt: Aktienhändler setzten vor dem 11. September auf fallende Kurse bei Unites Airlines und American Airlines. Für diese Entscheidung brauchte man allerdings kein Insiderwissen: American Airlines veröffentlichte am 7. September eine Gewinnwarnung, auch United Airlines hatte schlechte Wirtschaftsdaten.
(c) EPA (Nicolas Asfouri)
Larry Silverstein soll finanziell vom Einsturz der Türme profitiert haben - daher wird ihm eine Verstrickung in die Ereignisse nachgesagt.Silverstein war der Pächter des WTC. Er kassierte eine Versicherungssumme von 4,6 Milliarden Dollar. Derzeit lässt er das WTC neu aufbauen. Die Kosten dafür sind fast doppelt so hoch wie die Versicherungssumme, sie betragen rund 9 Milliarden.
Larry Silverstein soll finanziell vom Einsturz der Türme profitiert haben - daher wird ihm eine Verstrickung in die Ereignisse nachgesagt.Silverstein war der Pächter des WTC. Er kassierte eine Versicherungssumme von 4,6 Milliarden Dollar. Derzeit lässt er das WTC neu aufbauen. Die Kosten dafür sind fast doppelt so hoch wie die Versicherungssumme, sie betragen rund 9 Milliarden.
(c) AP (MARTY LEDERHANDLER)

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